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Michael Frontzeck war schon 2000 unter Hans Meyer Co-Trainer bei den "Fohlen" © getty

Bonhof poltert: In Gladbach geht's vor dem Spiel bei St. Pauli ans Eingemachte. Coach Frontzeck wirkt aber gefestigt.

Von Andreas Berten

München/Mönchengladbach - Es ist noch gar nicht so lange her, da verdiente sich Borussia Mönchengladbach den Beinamen "Kaufhaus des Westens".

Trainer hatten eine kaum längere Haltbarkeit als ein Becher Joghurt, Spieler kamen und gingen wie in einem Taubenschlag.

Mittlerweile hat sich die Bedeutung dieses Begriffs gewandelt: Das Kaufhaus des Westens ist zu einem Selbstbedienungsladen geworden, die Konkurrenz darf in der Regel drei Punkte vom Bundesliga-Schlusslicht mit nach Hause nehmen.

Welch ein Glück, dass es Auswärtsspiele gibt, in denen die Borussia wesentlich erfolgreicher agiert. Nur: Der Samstags-Ausflug zum FC St. Pauli (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) wird schon zu einer Art Schicksalsduell für die "Fohlen".

Sechs Punkte Rückstand sind es derzeit auf den 1. FC Köln, der den Relegationsplatz belegt. Die kommenden Aufgaben: Schalke, Hoffenheim und Kaiserslautern daheim, Wolfsburg Bremen und Bayern in der Fremde (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Auch Vizepräsident Rainer Bonhof weiß nach der unsäglichen 2:3-Pleite gegen den VfB Stuttgart um die Brisanz: "St. Pauli ist ein Muss-Spiel."

Im "kicker" geht der Weltmeister von 1974 mit den Spielern hart ins Gericht: "Es kann nicht sein, dass ein oder zwei Spieler ihre Aufgabe nicht erledigen. Das muss man der Truppe nicht nur sagen, sondern es sie irgendwann auch spüren lassen."

Eine Konsequenz müsse dann die Auswechslung sein. "Notfalls nach fünf Minuten", so Bonhof. Ein Seitenhieb in Richtung Michael Frontzeck? 346736(DIASHOW: Der 21. Spieltag)

Frontzeck muss druchgreifen

Der Vize-Präsident betont aber, dass seine Kritik nicht dem Trainer gelte: "Wir müssen bei den Spielern anfangen. Diejenigen, die ihre Aufgabe nicht erfüllen, müssen von der Gruppe auf dem Platz zu spüren bekommen, dass sie die anderen im Stich lassen."

[kaltura id="0_mi24trn8" class="full_size" title="Gute Laune im Abstiegskampf"]

In Gladbach liegen offenbar die Nerven blank.

Was wenig verwunderlich ist, schaut man sich die eklatante Heimschwäche der Borussia an: In elf Partien gab's gerade mal drei Unentschieden, auf des Gegners Platz siegten die "Fohlen" immerhin in vier von zehn Fällen.

Ohne Reus nach St. Pauli

Gladbachs Defizite: Keeper Christofer Heimeroth hält bestenfalls solide, die Abwehr ist mit 52 Gegentoren die schlechteste der Liga. Im Mittelfeld überzeugt allein Marco Reus.

Juan Arangos schwankt zwischen bemerkenswert und unterirdisch. Und im Sturm weht ein laues Lüftchen.

Umso ärgerlicher aus Gladbacher Sicht, dass neben dem gelb-rot-gesperrten Dante in St. Pauli auch noch Reus (Muskelfaserriss im Oberschenkel) ausfällt.

So müssen die Winter-Zugänge Martin Stranzl und Havard Nordtveit hinten dicht machen, während vorne Mike Hanke wieder ins Team rutschen dürfte.

"Solange es geht, bleibt der Trainer"

Dass in einer Situation, wie sie die Borussia gerade erlebt, immer wieder die Trainer-Frage gestellt wird, mag den Verantwortlichen nicht schmecken, ist aber branchenüblich.

"Hätten wir das Halbzeitresultat gegen den VfB nach Hause gebracht, wären wir das beste Rückrundenteam ? jetzt fragt man wieder nach dem Trainer", poltert Bonhof.

Im gleichen Atemzug schenkt er Frontzeck das Vertrauen: "Solange es geht, bleibt der Trainer."

Eberl: kein Szenario Zweite Liga

Und auch Sportdirektor Max Eberl hält solche Diskussionen für überflüssig: " Wir haben die Entscheidung, mit Michael Frontzeck weiterzumachen, aus Überzeugung getroffen. Mit dem Szenario Zweite Liga und sonstigen Konjunktiven können wir uns jetzt nicht belasten."

Was immerhin für die Borussen spricht: Zuletzt haben sie bei den Kiez-Kickern am 16. Dezember 1989 (1:2) verloren. Hat auch etwas von einer Heimschwäche?

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