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Stammplatz auf der Bank: Lukas Podolski ist auch gegen England zunächst nur Reservist © imago

In der Podolski-Debatte tut Bayerns Rummenigge plötzlich so, als gebe es gar kein Kölner Interesse. Auch der FC hält sich seltsam zurück.

Von Christian Paschwitz

München - Lukas Podolski steckt im Dilemma. Beim FC Bayern hat er seinen Stammplatz nur auf der Ersatzbank.

Es läuft nicht rund. Und jetzt wird er von Bundestrainer Joachim Löw auch noch bei der Nationalelf beim Klassiker gegen England zunächst geschont.

Gut, angesichts anhaltender Rückenbeschwerden erscheint die Maßnahme durchaus sinnvoll, doch zur Aufhellung des Gemüts beim "Prinzen" wird sie kaum beitragen.

Der 1. FC Köln würde ihn am liebsten sofort nehmen. Man bemüht sich seit Monaten intensiv um die Rückkehr des "verlorenen Sohnes".

Der FC Bayern hingegen will den zum Bankdrücker degradierten Stürmer partout nicht ziehen lassen - und erweckt mit irritierenden Aussagen nun kurioserweise den gegenteiligen Eindruck.

Konkret: Der Rekordmeister drängt die Kölner jetzt scheinbar dazu, den ersten Schritt zu tun, den sie eigentlich längst getan haben. Verwirrung pur.

In der TV-Sendung "Blickpunkt Sport" erklärte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge nun: "Es ist nicht angenehm, wenn wir ewig hören, am liebsten möchte er eigentlich nach Köln zurück. Die Kölner kontaktieren uns nicht. Wir haben überhaupt kein Zeichen von Köln, dass sie den Spieler verpflichten möchten."

"Wir werden einen Teufel tun"

Und: "Wir werden einen Teufel tun, auf den FC Köln zuzugehen. Wenn einer ihn verpflichten möchte, dann muss er auf den FC Bayern zukommen."

Dabei ist das den Kölner entgegen Rummenigges Aussagen keineswegs abzusprechen. Schon seit Jahresbeginn drängen Manager Michael Meier und Präsident Wolfgang Overath auf einen Rücktransfer.

"Wir werden immer um ihn kämpfen und versuchen, ihn zurückzuholen. In jeder Transferperiode. Aber für uns muss die Tür aufgemacht werden", sagte Overath erst vor wenigen Wochen der "Welt".

Neue Unruhe im Wechsel-Gezerre

Die Bayern drehen den Spieß nun um und bringen neue Unruhe in das Wechsel-Gezerre, in dem sich Podolski mehr denn je als Spielball vorkommen mag.

Wenn die Situation für den 23-Jährigen nicht so ernst wäre, ließen sich die neuerlichen Wirrungen zwischen den Klubs vergleichen mit unbeholfenen Annäherungsversuchen unter Teenagern vorm ersten Date: Eigentlich wissen wir ja beide, dass du mich süß findest. Aber sprich du mich doch bitte zuerst an.

Denn auch die Kölner machen nun zu. Auf Sport1.de-Nachfrage erklärte Manager Meier: "Bayern hat mit Lukas Podolski (Spielerporträt) einen Vertrag (bis 2010, Anm.d.R.) und sagt eindeutig: Wir geben ihn nicht ab. Warum also sollte ich Herrn Rummenigge nun anrufen, wenn mir der Verein sagt, es gibt keine Möglichkeiten?"

Signal oder kein Signal?

Dabei hatte der FC-Manager kürzlich noch genauso geklungen wie FC-Trainer Christoph Daum, der im Sport1.de-Interview kürzlich gesagt hatte: "Bei einem Signal der Bayern sind wir die Ersten."

Als ein solches Signal lassen sich Rummenigges Worte durchaus verstehen. Und pikanterweise als Aufweichung des Standpunktes von Jürgen Klinsmann.

Der Bayern-Trainer hatte sich erst am Freitag gegen eine Freigabe für Podolski ausgesprochen, obwohl der zuletzt beim Spiel in Gladbach (Ergebnisse und Tabelle) erneut nicht mal für den Kader berücksichtigt wurde: "Stand heute lassen wir lassen keinen gehen."

Overath schweigt lieber

Nun offenbar der Meinungsumschwung bei den Bayern-Oberen, den Overath gegenüber Sport1.de jedoch nicht kommentieren wollte: "Weil es nur zum Nachteil des Jungen ist. Das bringt ihm nicht mehr Selbstvertrauen, sondern Lukas wird dadurch nur noch unsicherer."

Rummenigge sagt weiter: "Ein Transfer ist immer ein Dreiecks-Geschäft bei dem alle Beteiligten am Ende des Tages glücklich sein müssen."

Ein Stück vom Glück hätte Podolski lieber heute als morgen.

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