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Pierre Litbarski wurde 1990 als Spieler Weltmeister © getty

Der VfL taumelt Richtung Tabellenkeller. Der neue Trainer will das "A-Wort" nicht benutzen. Die Fans skandieren gegen den Manager.

Wolfsburg - Pierre Littbarski starrte entgeistert Löcher in die Luft, wie verloren stand er in seinem schwarzen Mantel am Spielfeldrand.

In seinen ersten 90 Minuten als Cheftrainer hatte der Weltmeister von 1990 gestikuliert, geschrien und die Zuschauer angepeitscht - es nützte nichts (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Statt eines "Litti-Effekts" gab es für den VfL Wolfsburg ein 0:1 gegen den Hamburger SV.

Dem Meister von 2009 droht nun mehr denn je das Undenkbare: der Abstieg 350503(DIASHOW: Der 22. Spieltag).

Trainer verdrängt Abstieg

Littbarskis Blick nach dem Abpfiff sprach Bände, doch schildern wollte er seine Gefühle nicht.

"Was die Niederlage für mich persönlich bedeutet, darüber möchte ich keine Wertung abgeben", sagte er nach der dritten VfL-Pleite in Serie.

Mladen Petric besiegelte die vermeidbare Niederlage mit einem Foulelfmeter (32.).

"Abstieg nehmen wir nicht in den Mund"

Littbarski hatte nach seiner Beförderung vom Co-Trainer zum Chef hart durchgegriffen, dabei aber nicht immer glücklich agiert.

Nach dem Spiel ließ der Neu-Coach allerdings Selbsteinschätzung vermissen.

"Das Wort 'Abstieg' nehmen wir nicht in den Mund", schob "Litti" den drohenden Klassenkampf zur Seite.

Diego auf der Tribüne

Die brasilianische Spielmacher-Diva Diego wurde nach ihrem "Elfmeterklau von Hannover" für ein Spiel suspendiert und musste auf der Tribüne Platz nehmen.

Den Spielern entzog Littbarski das "Du" und ließ sich siezen.

Selbst der einst von Felix Magath aufgeschüttete "Hügel der Schmerzen" wurde reaktiviert.

Kurzfristiger Erfolg? Fehlanzeige.

Rangnick ein Kandidat

"Wir werden jetzt nach einer Niederlage nichts Grundsätzliches besprechen", sagte ein tief enttäuschter VfL-Manager Dieter Hoeneß, der sich keinen weiteren Flop erlauben darf: "Wir werden am Ende sehen, ob es der richtige Zeitpunkt für den Trainerwechsel war."

Zumindest bis zum Ende der Saison scheint Littbarski in Wolfsburg arbeiten zu können.

Hartnäckig halten sich jedoch Gerüchte, dass Hoeneß für die Zeit danach eine "große Lösung" plant.

Der in Hoffenheim entlassene Ralf Rangnick wird immer wieder als Kandidat genannt, will aber tatsächlich erst "zur neuen Saison wieder etwas machen", wie er bei LIGA total! erklärte.

Friedrich findet deutliche Worte

In der Gegenwart steht der VfL vor einem steinigen Weg.

"Es ist scheißegal, wer auf der Trainerbank sitzt. Wir brauchen Punkte", sagte Nationalspieler Arne Friedrich, gegen den HSV ein Vorbild an Einsatzbereitschaft.

"Wir müssen es langsam mal besser machen, sonst stehen wir unter dem Strich. Das ist im Moment immer das Gleiche. Das ist unglaublich frustrierend."

Zumindest an Kampfgeist mangelte es den Wolfsburgern gegen den HSV nicht.

Grafite hat die einzige Chance

Doch in der Offensive wurde Diego oftmals vermisst.

Nur eine einzige echte Großchance gab es für den VfL, doch Grafite scheiterte, nachdem er eher zufällig an den Ball gekommen war, am großartig parierenden HSV-Keeper Frank Rost (40.).

"Uns hat heute ein Schuss Genialität gefehlt", bekannte Littbarski dann auch offen und erklärte, dass Diego in der kommenden Woche wieder im Team stehen wird: "Wir verschließen nicht die Augen. Die Situation wird angespannter."

Fans skandieren "Hoeneß raus!"

Zumindest für die Fans ist Littbarski nicht der Schuldige. Als sich die Niederlage immer deutlicher abzeichnete, hallten "Hoeneß raus!"-Rufe durch die Arena.

Zwar stärkte der Manager Littbarski in Sachen Diego erneut den Rücken ("Das war die richtige Maßnahme"), die Frage, ob ihn die Rufe treffen, beantwortete Hoeneß allerdings nicht.

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