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Michael Ballack (l.) spielt seit Sommer 2010 für Bayer Leverkusen © getty

Michael Ballack sitzt bei Bayers Demonstration in Frankfurt 90 Minuten auf der Bank. Das Umfeld bleibt gelassen, Ballack schweigt.

Frankfurt - Michael Ballack nahm die Demütigung scheinbar gelassen hin.

Mit entspannter Miene verließ der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft nach der 3:0 (2:0)-Gala Bayer Leverkusens bei Eintracht Frankfurt das Stadion - und zog wenig später mit einem Lächeln kommentarlos an den Medienvertretern vorbei 350503(DIASHOW: Der 22. Spieltag).

Aber im Innern dürfte es beim 34 Jahre alten Leitwolf nach 50 Minuten Bank und 40 Minuten Aufwärmen ganz anders ausgesehen haben (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Diese Erfahrung war neu für den Weltmann in Sachen Fußball, selbst unter Jose Mourinho beim FC Chelsea war der "Capitano" eine Wahl, wenn er fit war.

Heynckes folgt klarer Linie

Sein jetziger Trainer Jupp Heynckes, Champions-League-Sieger mit Real Madrid 1998, eierte jedenfalls nicht rum und erklärte seine klare Linie.

"Ich habe die Gewohnheit, meine Spieler nach langen Verletzungen wieder behutsam und sorgsam heranzuführen", sagte Heynckes und fügte mit fester Stimme an: "Ich denke nur an die Spieler und die Mannschaft und lasse mich nicht von irgendjemanden beeinflussen."

Der 98-malige Nationalspieler Ballack hatte durch ein Foul von Kevin Boateng im FA-Cup-Finale mit dem FC Chelsea die WM-Endrunde in Südafrika verpasst und wegen einer weiteren Verletzung den Großteil der laufenden Saison gefehlt.

Völler gelassen

Seine Ungeduld nach dieser langen Pause ist nachvollziehbar.

Nach der Impertinenz von WM-Kapitän Philipp Lahm, der öffentlich in Sachen Kapitänsamt in der Nationalelf seinen Hut in Ring geworfen hatte, verrinnen gegenwärtig die Minuten im Kampf um die Rückkehr in die DFB-Auswahl.

Wie Heynckes geht auch Sportdirektor Rudi Völler "ganz gelassen" mit der Causa Ballack um.

Leverkusen ohne Probleme

"Es ist doch völlig normal, dass Spieler, die lange verletzt waren, auch mal nicht aufgestellt werden", sagte Völler und sprach Ballack Mut zu: "Wir haben so viele Spiele in den nächsten Wochen, da wird jeder seine Chance bekommen."

Wie auch die Nationalelf beim 1:1 gegen Italien am vergangenen Mittwoch kam die Werkself ohne Ballack bestens klar.

Vom Spielfeldrand sah er tatenlos zu, wie Simon Rolfes (9.), Renato Augusto (32.) und Hanno Balitsch (85.) die Eintracht demontierten.

"Beste Hälfte der Saison"

"Es ist doch klar, dass es Michael wurmt, wenn er nicht spielen kann. Aber Michael gehört zur Mannschaft wie jeder andere auch. Und innerhalb des Teams ist dies alles kein Thema", sagte Rolfes.

Der Kapitän hatte nicht nur mit einem Drehschuss mit dem Rücken zum Tor in "Gerd-Müller-Manier" die Führung erzielt, sondern auch mit dem überragenden Arturo Vidal im defensiven Mittelfeld auf der Ballack-Position überzeugt.

Heynckes wollte lieber über die starke Vorstellung seiner Mannschaft als über die Personalie Ballack sprechen.

"Die erste Hälfte war unsere beste Halbzeit dieser Saison. Das war Fußball vom Allerfeinsten. Das war fast schon eine Demonstration", erklärte der 65-Jährige.

Auch Kießling draußen

Henyckes hatte nach der 0:1-Pleite beim 1. FC Nürnberg durchgegriffen, in der Startelf neben Ballack auch auf Nationalstürmer Stefan Kießling verzichtet - und dabei alles richtig gemacht.

Vor 42.600 Zuschauern hätte der Sieg noch höher ausfallen können.

Von mehr als Platz zwei und der direkten Qualifikation für die Champions League wollen die Leverkusener öffentlich aber zumindest nach wie vor nicht träumen.

Frankfurt in der Krise

"Es wird schwer genug, Platz zwei zu behaupten", sagte Rolfes.

Bei der Eintracht hat nach dem fünften Spiel im Jahr 2011 ohne Torerfolg und der dritten Heimpleite in Folge dagegen der Abstiegskampf begonnen.

"Wir wissen genau, in welche Richtung wir gucken müssen. Das tun wir auch sehr aufmerksam und werden uns dagegen stemmen", sagte Trainer Michael Skibbe nach der blamablen Vorstellung gegen seinen Ex-Klub.

"Wir stecken in der Krise", stellte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen nüchtern fest.

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