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Ribery (l.) und Robben standen zuletzt im Pokalfinale zusammen in der FCB-Startelf © imago

Nach dem 4:0 gegen 1899 spricht Nerlinger von der Meisterschaft, van Gaal vergleicht seine Top-Akteure mit Messi und Ronaldo.

Von Martin Hoffmann und Daniel Rathjen

München - "Haut mir doch mal ab mit der Meisterschaft!", hätte Christian Nerlinger sagen können, als die unvermeidliche Reporterfrage kam:

"Wir haben jetzt erst mal wieder ein Spiel gewonnen und Dortmund ist immer noch ganz weit weg. Wir denken von Spiel zu Spiel und sehen was möglich ist."

Christian Nerlinger hätte das so sagen können. Aber beim FC Bayern kann und darf man offensichtlich nicht so denken und so reden.

Und so antwortete der Sportchef nach dem 4:0 gegen Hoffenheim auf die M-Frage: "So ein Nachmittag stimmt einen natürlich wieder zuversichtlich." 350503(DIASHOW: Der 22. Spieltag)

Einladung zum Träumen

Nerlinger sagte es noch vor dem Remis der Dortmunder in Kaiserslautern - also auf die Gefahr hin, in den Sonntagszeitungen mit 15 Punkten Rückstand auf den Tabellenführer mit dieser Aussage zitiert zu werden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und mit der Botschaft, dass sich der Rekord-Champion noch immer als Titelanwärter sieht, als totaler Träumer dazustehen.

Aber was sein Team an diesem Abend leistet, lud eben auch zum Träumen ein: Das erste Saisonspiel mit Ribery und dem überragenden Doppeltorschützen Robben in der Startformation - es war Zaubervorstellung und Machtdemonstration in einem.

Alles Lästige weggewirbelt

Die "Rib-und-Rob"-Show wirbelte für den Moment alles Lästige beim FC Bayern hinweg:

Die Erinnerung an das blamable 2:3 in Köln, die Elends-Analysen danach, die Debatten um den Eigensinn von Trainer Louis van Gaal.

Sie sorgte stattdessen für schöne Aufnahmen von glücklichen und begeistert klatschenden FCB-Bossen auf der Tribüne.

Bayern in der Krise? "Nach diesem Spiel nicht mehr", musste Hoffenheims Andreas Beck bei LIGA total! voller Respekt anerkennen.

"Startschuss für wichtigen Wochen"

Es war ein überzeugender "Startschuss für wichtigen Wochen", wie Nerlinger es ausdrückte.

Die Auswärtsaufgabe bei den Mainzern mit ihrem Taktik-Tüftel-Trainer Thomas Tuchel. Das Pokal-Halbfinale gegen Schalke. Und über allem die Final-Revanche gegen Inter Mailand in der Champions League (DATENCENTER: Champions-League-Spielplan).

Für die sieht Nerlinger sein Team nun wieder bestens gerüstet.

Das Hoffenheim-Spiel habe gezeigt, dass Trainer Louis van Gaal nun wieder ein "nicht nur in der Bundesliga, sondern auch international ein schlagkräftiges Team" beisammen habe.

"Wie Messi und Xavi oder Ronaldo und Özil"

Vor allem, weil er nun wieder zwei Spieler hätte, die "eben immer ein i-Tüpfelchen setzen" könnten.

Den angesprochenen Ribery und Robben huldigte auch van Gaal mit Komplimenten, wie man im Fußball keine größeren machen kann:

"Mit Robben und Ribery haben wir mehr Kreativität nach vorne. Sie sind unglaublich wichtig für den FC Bayern, wie Messi und Xavi für den FC Barcelona oder Ronaldo und Özil für Real."

Wie in der Double-Saison

Mit Doppeltorschütze Robben und dem kongenialen Zuarbeiter Ribery, mit Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger zurück an ihren angestammten Positionen, erinnerte Bayern wieder an das Erfolgsteam der Double-Saison.

Wobei es doch einen Unterschied gab: einen, der im von Robben und Ribery entfachten Offensiv-Rausch etwas unterging.

Auf dessen Erwähnung Nerlinger aber Wert legte: "Wir haben unter der Woche an einem veränderten Defensivkonzept gearbeitet - und man hat gesehen, dass es funktioniert hat."

Mehr defensive Sicherungen

Der Angriffs-Apostel van Gaal hat sich von den ergebnisorientierten Klub-Oberen überzeugen lassen, ein paar defensive Sicherungen mehr als üblich in seine Strategie einzubauen.

Man sah es an dem nicht mehr so großen Drang, die Ballbesitzstatistik mit mindestens 100:0 zu gewinnen (diesmal: 51:49).

An der ungewöhnlich großen Zahl an Momenten, in denen sich Bayern nach der frühen 2:0-Führung zurückzog und den Gästen das Spiel überließ.

"Grottenschlechte" Hoffenheimer

Das konnten sie sich erlauben gegen eine Hoffenheimer Mannschaft, an deren Leistung Trainer Marco Pezzaiuoli nichts beschönigte: "Wir waren grottenschlecht."

Gegen ein Offensivtrio, das zusammen 28 von 33 Zweikämpfen verlor - mit einem Ryan Babel (12 von 13), den aktuell nur noch Fantasy-Autoren als "Weltstar" bezeichnen können.

Was noch deutlicher wurde im Vergleich mit dem Oranje-Kollegen Robben, der nach dem Spiel bei LIGA total! noch eine sanft formulierte Drohung aussprach:

"Ich glaube, dass ich noch besser spielen kann."

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