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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Michael Frontzeck ist seit 2009 Trainer bei Borussia Mönchengladbach © getty

Nach der erneuten Pleite bei St. Pauli berät der Vorstand über die Zukunft des Gladbach-Coachs. Effenberg fordert dessen Rauswurf.

Hamburg - Die Luft wird für Michael Fontzeck beim Bundesliga-Schlusslicht Borussia Mönchengladbach immer dünner.

Einen Tag nach der 1:3 (1:1)-Niederlage beim FC St. Pauli traf sich der Trainer mit Sportdirektor Max Eberl, Vizepräsident Rainer Bonhof und Geschäftsführer Stephan Schippers zu einem Gespräch.

Zwar erklärte er anschließend: "Ich bin noch Trainer. Ich habe gesagt, dass ich meinen Vertrag erfülle."

Doch auf die Frage, ob er beim nächsten Heimspiel gegen Schalke auf der Bank sitzen werde, antwortete er vielsagend: "Zusagen, gibt es denn heutzutage noch Zusagen? Ich gehe davon aus. Alles andere werden wir sehen."

Die Verantwortlichen jedoch scheinen nicht mehr an eine Wende unter Frontzeck zu glauben. Am Abend wird der Vorstand über die Zukunft des Trainers beraten. "Die Entscheidung müssen andere treffen", sagte der Coach.

Borussen-Chef flüchtet aus Stadion

Vieles deutet darauf hin, dass sich Mönchengladbach von Frontzeck trennen wird.

Das Team hatte bei der Niederlage gegen Pauli eine erschreckende Leistung geboten, Borussen-Boss Rolf Königs war eine halbe Stunde vor dem Abpfiff aus dem Stadion geflohen. Das letzte Mal, als Königs das Stadion frühzeitig verließ, wurde Holger Fach am nächsten Tag entlassen.

Auch für Stefan Effenberg sind die Tage von Trainer Michael Frontzeck gezählt, der einstige Star bei Borussia Mönchengladbach fand die von ihm gewohnten deutlichen Worte.

"Irgendwann muss irgendetwas passieren. Jetzt muss man mal ein Zeichen setzen", sagte der Ex-Nationalspieler als TV-Experte und forderte damit unverblümt personelle Konsequenzen aus der achten Niederlage aus den letzten zehn Spielen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Und auch das, was Vize-Präsident Rainer Bonhof über die Situation beim Tabellenschlusslicht zu sagen hatte, hatte wenig mit gezielter Rückendeckung für den umstrittenen Coach zu tun:

"Ich muss das alles erst einmal ein bisschen sacken lassen. Mehr möchte ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen."

Eberl hält zum Trainer

Nur Sportdirektor Max Eberl stellte sich noch weiter hinter seinen Trainer: "Insgesamt präsentieren wir uns in der Rückrunde nicht schlecht. Hätten wir in der Winterpause einen neuen Trainer geholt, wären wir dafür gelobt worden. Aber Frontzeck hat weiterhin unsere Rückendeckung".

Selbst personelle Konsequenzen zu ziehen, ist für Frontzeck jedenfalls überhaupt kein Thema. "Dass ich selbst aufgebe, das kann ich ausschließen", sagte der Ex-Profi.

Immerhin konnte der 46-Jährige nicht zu Unrecht darauf verweisen, dass für die ersatzgeschwächten Rheinländer mehr als 20 Minuten lang am Millerntor alles nach Plan lief 350503(DIASHOW: Der 22. Spieltag).

"Wir haben den Kampf angenommen, aber nach dem verschenkten Sieg gegen Stuttgart fehlte natürlich ein Stück weit das Selbstbewusstsein. Ich habe das Jetzt-Erst-Recht-Gefühl" vermisst", erklärte Eberl gegenüber SPORT1.

Igor de Camargo nutzte einen verunglückten Rückpass von Moritz Volz in der neunten Minute zur Führung, die Hamburger wirkten vor 24.487 Zuschauern im ausverkauften Millerntorstadion in der Anfangsphase völlig desorientiert.

Tätlichkeit von de Camargo

Aber was der Gladbacher Stürmer mit seinem Führungstor aufgebaut hatte, riss er zwölf Minuten später wieder mit einer törichten Dummheit wieder ein.

Mit vorgestrecktem Kopf rannte der Belgier auf St. Paulis Mittelfeldspieler Matthias Lehmann zu. Schiedsrichter Wolfgang Stark wollte darin eine Tätlichkeit erkannt haben und schickte den Belgier vom Feld.

"Ich habe da nicht unbedingt eine Rote Karte gesehen. Aber es war absolut unnötig von Marco, so auf den Gegenspieler loszugehen", meinte Frontzeck.

Dass er bei seiner Einschätzung nicht ganz falsch lag, bestätigte Lehmann ohne Umschweife: "Gelb hätte ausgereicht, aber er hat mich an der Stirn berührt, und ich habe dieses Geschenk angenommen."

"Das war kein Kopfstoß und also auch kein Feldverweis. Aber es wäre zu einfach, jetzt alles auf die Rote Karte zu schieben", sagte Eberl SPORT1.

Asamoah mahnt

Die gesamte Hamburger Mannschaft profitierte von diesem Platzverweis, kämpfte sich in Überzahl in die Partie zurück und fuhr nach Toren von Max Kruse (38.), Gerald Asamoah (53.) sowie Lehmann (58.) einen ebenso verdienten wie dringend nötigen Sieg ein.

Schließlich stehen in der kommenden Woche zwei Auswärtsspiele beim Lokalrivalen Hamburger SV und bei Tabellenführer Borussia Dortmund auf dem Programm.

"Wir haben eine gute Phase und dürfen jetzt nicht nachlassen", mahnte St. Paulis Kapitän Asamoah beim Blick auf die Tabelle seine Teamkollegen.

"Über meine Tore zuletzt habe ich mich gefreut. Das ist meine Position. Ich muss jetzt nicht mehr so viel nach hinten arbeiten und kann meine Stärken einsetzen und der Mannschaft damit helfen", erklärte Asamoah SPORT1.

"Wir sind im Moment richtig gut"

Immerhin haben die Hanseaten bei einem Spiel weniger Mannschaften wie Ex-Meister VfL Wolfsburg derzeit hinter sich gelassen. Und auch im Stadtderby beim HSV fühlen sich die Kiez-Kicker nicht als Außenseiter.

Trainer Holger Stanislawski redete seine Jungs vor dem Prestigeduell gezielt stark: "Wir sind im Moment richtig gut und dominant und freuen uns schon auf den HSV."

Da werden Blessuren aller Art schlichtweg ignoriert, Mittelfeldspieler Fabian Boll redete eine Fußverletzung schnell klein: "Da müsste mir am Mittwoch schon ein Bein fehlen, wenn ich auf das Derby verzichte."

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