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Lucien Favre bestritt 24 A-Länderspiele für die Schweiz © getty

Lucien Favre beerbt in Gladbach den gefeuerten Michael Frontzeck - obwohl er bislang nicht als Feuerwehrmann bekannt ist.

Von Martin Hoffmann

München - Es ist amtlich: Der Nachfolger des entlassenen Michael Frontzeck bei Borussia Mönchengladbach heißt Lucien Favre.

Die "Fohlen" haben entsprechende Medienberichte bestätigt und werden den 53 Jahre alten Schweizer in einer Pressekonferenz um 15.30 Uhr als neuen Trainer vorstellen (EINWURF: Favre? Wirklich?!).

Zuvor hatte der Klub die Spieler an ihrem trainingsfreien Tag zusammengetrommelt, um ihnen den neuen Coach vorzustellen.

Favre wird am Dienstag sein erstes Training leiten und sein Debüt auf der Gladbacher Trainerbank am Sonntag im Heimspiel gegen Schalke 04 geben (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Gladbach liegt nach der 1:3 (1:1)-Niederlage beim FC St. Pauli mit sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz 16 am Tabellen-Ende.

Eine prekäre Situation, in der sich Gladbach angeblich auch schon für den schlimmsten Fall abgesichert hat.

Mit einem - laut Medienberichten - zweieinhalb Jahre laufenden, für die Zweite Liga gültigen Vertrag, wäre Favre im Falle des Abstiegs auch der Mann für den Wiederaufbau.

Favre war auch beim VfL Wolfsburg als Nachfolger für Steve McClaren im Gespräch. Medien hatten von einem Treffen mit seinem ehemaligen Hertha-Boss Dieter Hoeneß berichtet - das Hoeneß jedoch dementierte.

Auf Meisterkurs mit Hertha

Favre kam 2007 nach zwei Schweizer Meisterschaften in Folge mit dem FC Zürich zu Hertha BSC.

In der Saison 2008/09 lag er mit den Berlinern lange Zeit auf Meister-Kurs, wurde am Ende Vierter. Die Chance, sich für die Champions League zu qualifizieren, verpasste die Hertha am letzten Spieltag.

In der darauffolgenden Spielzeit wurde Favre bereits am siebten Spieltag entlassen - nachdem sein Team sechs Pleiten in Folge kassiert hatte. Am Ende stieg Hertha ab.

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Mit Blick auf Favres Vorgeschichte überrascht es, dass Gladbach ihn in dieser Situation verpflichtet.

Der Schweizer mit der Vorliebe für junge, entwicklungsfähige und - sein Lieblingswort - "polyvalente" Spieler hat in seiner bisherigen Laufbahn hervorgetan als analytischer Taktiker und langfristig denkender Teamentwickler.

Nicht jedoch als Mann für schnelle Lösungen oder als Feuerwehrmann im Abstiegskampf.

Viel Ansehen eingebüßt

Im Gegenteil: Die Hertha setzte ihn auch deshalb so schnell vor die Tür, weil das von ihm geformte Team beim unvorhergesehenen Sturz in den Tabellenkeller hilflos und verloren erschien und er rapide an Autorität verloren hatte.

Als konsequenter Verfechter spielerischer Lösungen statt kämpferischer Tugenden, als Chef mit Hang zum Zaudern ohne die Fähigkeit zu emotionalen Ansprache erschien er plötzlich wie der grundfalsche Mann am grundfalschen Ort.

Sein Abgang bekam eine skurrile Note, als er hinterher selbst eine Pressekonferenz einberief, um den Journalisten seine Sicht der Dinge zu erklären.

Der Auftritt trug dazu bei, dass der anfangs als neuer Star am Trainerhimmel gefeierte Favre viel Ansehen einbüßte.

Eberl schätzt den Coach

Und den Neuanfang in der Bundesliga eineinhalb Jahre später nun bei einem am Boden liegenden Klub bestreitet. In der Zwischenzeit hat er laut Klubmitteilung "viele Spiele im In- und Ausland sowohl im Fernsehen als auch live vor Ort im Stadion" angesehen, "um zu analysieren und junge Spieler zu entdecken" - und weiter an seinen Sprachkenntnissen gefeilt.

Sportchef Max Eberl, der lange beinahe nibelungentreu zu Frontzeck stand, soll Favre nach wie vor sehr schätzen.

Eberl wäre auf den Erfolg Favres angewiesen - er gilt nach Frontzecks Abgang als ebenso angeknockt wie Vize-Präsident und Frontzeck-Verfechter Rainer Bonhof.

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