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Louis van Gaal ist seit Sommer 2009 Trainer des FC Bayern München © getty

Der Bayern-Trainer lässt Schweinsteiger und Müller wieder auf "ihren" Positionen ran - und überdenkt die Defensive. Robben kann spielen.

Von Nikolai Kube

München - Dominanz. Ein Wort, das Louis van Gaal neben "unglaublich" am häufigsten verwendet.

Denn es beschreibt die Art und Weise, wie er es am liebsten hat.

Der Trainer des FC Bayern impft seinen Spielern täglich ein, den Gegner mit extrem viel Ballbesitz mürbe zu spielen - eines der Markenzeichen der Münchner in der Ära van Gaal.

Doch nun hat ein Umdenken stattgefunden. Zu wenig Ertrag hatte die Spielweise in der dieser Saison bisher gebracht.

Gegen Hoffenheim hatten die Bayern nur 51 Prozent Ballbesitz - ein extrem niedriger Wert für den Deutschen Meister.

Die Fakten sprechen allerdings eine deutliche Sprache: Am Ende stand ein überzeugender 4:0-Sieg.

Gegen den 1. FC Köln in der Vorrunde tanzte der Ball noch zu 69 Prozent in den Reihen der Münchner. Das Ergebnis damals: 0:0.

Entwarnung bei Robben

Ein Grund für Bayerns neue Taktik: Arjen Robben und Franck Ribery standen erstmals seit dem Pokal-Finale gegen Werder Bremen im Mai wieder gemeinsam in der Startformation.

Und auch die Sorgen, dass genau diese Formation schon wieder gesprengt wird, waren verfrüht:

Robben erlitt zwar im Training am Donnerstag eine Sehnenverletzung am kleinen Finger, ein Einsatz am Samstag in Mainz ist aber offenbar nicht gefährdet.

Das Training am Tag zuvor hatte der Niederländer nach nur 20 Minuten wegen Leistenproblemen abgebrochen, doch auch das war laut Sportdirektor Christian Nerlinger eine "reine Vorsichtsmaßnahme".

[kaltura id="0_5s16e1ub" class="full_size" title="Bayern endlich aufgewacht "]

Mit Kontertaktik zum Erfolg

Gut für den Rekordmeister.

Denn gegen Hoffenheim zogen sich die Bayern teilweise bis in die eigene Hälfte zurück, auch die beiden Flügelflitzer Robben und Ribery, dann konterten sie blitzschnell350503(DIASHOW: Der 22. Spieltag).

"Ich halte es für sehr, sehr wichtig, dass wir unser Defensivverhalten überdacht haben", sagte Nerlinger.

Zu groß waren die Lücken in der Rückwärtsbewegung zuletzt gewesen. Vor allem Philipp Lahm soll die Ausrichtung zu offensiv gewesen sein.

"Schweini" zurück auf der Sechs

"Es war schön zu sehen, wie Franck und Arjen zurückgekommen sind, gearbeitet haben", lobte der Kapitän die neuen Qualitäten seiner Kollegen.

Nicht eine hundertprozentige Chance ließen die Bayern gegen Hoffenheim zu. Auch ein Verdienst von Bastian Schweinsteiger, der endlich auf seine Lieblingsposition vor der Abwehr zurückkehrte und das Spiel des Rekordmeisters ordnete.

"Man darf unseren Sieg nicht nur an Robben und Ribery festmachen", stellte Nerlinger fest, "auch Schweinsteiger als Sechser und Thomas Müller wieder auf seiner Position als Zehner waren wichtig." Eine Rolle rückwärts also.

"Das ist unsere Formation"

Der Nachfolger von Uli Hoeneß fügte an: "Das ist unsere Formation." Und van Gaal sagte: "Es ist lange her, dass wir 90 Minuten gut waren. Diesmal waren wir es."

Doch der starke Auftritt gegen Hoffenheim soll nur der Anfang gewesen sein.

Intern ist man sich bei den Bayern einig: Bleiben Robben und Ribery fit, wird das Mindestziel in der Bundesliga, die Champions-League-Qualifikation, erreicht (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Schweinsteiger bläst zur Attacke

International folgt die Nagelprobe am 23. Februar. Dann erwartet im Achtelfinal-Hinspiel der "Königsklasse" Inter Mailand die Münchner.

Erst kürzlich hatte Präsident Hoeneß gefordert: "Wenn wir das Champions-League-Viertelfinale oder -Halbfinale erreichen und dazu in das Pokal-Endspiel einziehen, bin ich zufrieden."

Mit anderen Worten: Van Gaal steht gegen Inter Mailand unter Druck, ein Ausscheiden würde eine Trainerdiskussion womöglich neu entfachen.

Ohnehin stehen nun die Wochen der Wahrheit an, mit Schlüsselspielen in der Bundesliga und dem Halbfinale im DFB-Pokal gegen Schalke 04 Anfang März. Deshalb ruhen vorerst auch die Vertragsgespräche.

"Jetzt zählen nur die Spiele"

"Über Verträge wird in dieser Zeit nicht gesprochen. Jetzt zählen nur die Spiele. Alles andere werden wir danach angehen und entscheiden", sagte Nerlinger der "tz".

Und er ist zuversichtlich: "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie in Form ist. Deswegen kann man dem Ganzen sehr optimistisch entgegen schauen."

Das 4:0 gegen Hoffenheim gibt den Bayern neuen Rückenwind für die entscheidenden Wochen. Auch für die Champions League, zumal sich Kontrahent Inter nicht in Topform befindet. Am Wochenende verloren die Italiener mit 0:1 bei Juventus Turin.

Schweinsteiger hat ohnehin große Ziele: "Wir können die Champions League gewinnen. Vielleicht schon in diesem Jahr", sagte der Nationalspieler dem "kicker".

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