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Frank Schaefer trat im Oktober 2010 beim 1. FC Köln die Nachfolge von Zvonimir Soldo an © getty

Der dritte Heimsieg in Folge wird in Köln gefeiert wie der Rosenmontag. FC-Trainer Frank Schaefer warnt jedoch vor Übermut.

Köln - Köln feiert Geburtstag, rauschende Siege und "Poldovic", doch der Trainer macht im Karneval die Spaßbremse wider Willen.

Als er von den Rängen aus mehreren Tausend Kehlen auch noch seinen Namen hörte, war es Frank Schaefer irgendwann zu viel.

"Als die Karnevalslieder kamen, habe ich gedacht: 'Mensch lasst uns doch auf dem Teppich bleiben'", sagte der ursprünglich als Übergangslösung geholte Coach nach dem 4:2 des 1. FC Köln gegen den FSV Mainz 05.

Schaefer ist nun mit einem Punkteschnitt von 1,54 Zählern pro Spiel der erfolgreichste Kölner Trainer seit 20 Jahren 350503(DIASHOW: Der 22. Spieltag).

Die Welle schwappte über die Tribünen, die Fans sangen das gesamte Potpourri an Kölner Hymnen durch. In Köln wurde am 63. Klub-Geburtstag gefeiert wie der Rosenmontag.

Feiern lassen wollte sich "der Kölsche", wie sie ihn in der Domstadt anerkennend nennen, demonstrativ nicht.

"Ich freue mich über die Anerkennung der Fans", sagte er durchaus beeindruckt: "Aber ich habe nicht zurückgeklatscht, weil ich die Stimmung nicht weiter anheizen wollte."

Dritter in der Rückrundentabelle

Die Abstiegsplätze sind verlassen, vier Heimsiege in Folge bedeuten die beste Serie seit mehr als zehn Jahren, und in der Rückrundentabelle sind die Kölner Dritter. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auf den ersten Blick gibt es im eigentlich ohnehin eher unbescheidenen Köln keinen Grund zur Vorsicht. Doch Schaefer traut seinem schwer zu führenden Team trotz zuletzt beeindruckender Vorstellungen noch nicht.

"Meine Erfahrung mit dieser Mannschaft ist, dass sie nie zu viel Sicherheit verspüren darf, auch einzelne Spieler nicht", erklärte der 47-Jährige:

"Der Kessel muss immer am Dampfen bleiben. Ich will keine Spaßbremse und kein Spielverderber sein, aber ich weiß, wie lange und schwierig der Weg noch wird. Wir sind noch nicht so stabil, wie es aussieht."

"Poldovic" überzeugt

Den scheinbar schwierigsten Teil seiner Mission hat Schaefer aber schon erfüllt. Er hat es geschafft, aus Lukas Podolski und Milivoje Novakovic ein funktionierendes Paar zu formen.

"Wir legen uns die Bälle gegenseitig auf, so macht das Spaß", sagte Podolski, nachdem er (3./55.) und Novakovic (43./60.) mit je einem Doppelpack den Sieg gegen die Mainzer herausgeschossen hatten.

Anderthalb Jahre lang schienen der deutsche und der slowenische Nationalstürmer auf und neben dem Spielfeld ein fast nicht zusammenzuführendes Duo - am Montag war dann überall von "Poldovic" zu lesen.

Podolski: Handschrift des Trainers

"Dass es im ersten Jahr noch hakt, war doch klar", sagte Podolski und scheint selbst kaum zu glauben, wie gut es derzeit harmoniert:

"Was wir im Moment zu Hause spielen, ist Wahnsinn. Aber wer die Tore macht, ist doch egal. Die Mannschaft hat sich gut entwickelt. Es ist endlich eine Mannschaft. Und sie trägt die Handschrift des Trainers."

Das tun die Mainzer grundsätzlich auch, doch die Himmelsstürmer aus der Hinrunde sind auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

Keine "Panik" in Mainz

Die neunte Niederlage aus den letzten 15 Spielen war die bitterste der Saison.

"Es gibt Tage der Sprachlosigkeit, und heute habe ich so einen", meinte Präsident Harald Strutz nach der grausam schlechten zweiten Halbzeit, in der die Mainzer auch ein halbes Dutzend Tore hätten fangen können.

"Es läuft derzeit in einer Konstanz gegen uns, die weh tut", sagte Trainer Thomas Tuchel, wehrte sich vor dem Spiel gegen den vorbeigezogenen Meister aus München aber gegen Weltuntergangsstimmung: "Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen."

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