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Ruhig und erfolgreich im Rampenlicht: Trainer Frank Schaefer vom 1. FC Köln © getty

Das Experiment ist geglückt: Unter der Trainer-Notlösung erlebt der 1. FC Köln einen deutlichen Aufschwung. Und Podolski schwärmt.

Von Maik Rosner

München - Frank Schaefer schreibt sich mit ae und nicht mit ä. Das muss immer noch gesagt werden, denn bisher war der Trainer außerhalb von Köln nur ein unbekannter Novize.

Mittlerweile aber hat der 47-Jährige etwas geschafft, woran viele Vorgänger mit einem Namen gescheitert waren: Schaefer hat aus chronischen Klüngelkickern eine Einheit geformt.

Und aus der neuen Homogenität resultiert die beste Kölner Trainerbilanz seit 20 Jahren - durchschnittlich 1,54 Punkte pro Spiel.

In der Rückrundentabelle steht der 1. FC auf Platz drei, punktgleich mit dem Ersten Bayern München.

Die Abstiegsplätze sind verlassen, vier Heimsiege in Folge bedeuten die beste Serie seit mehr als zehn Jahren.

Wenn der im Oktober zunächst als Notlösung inthronisierte Schaefer nicht aufpasst, kennt ihn die gesamte Republik bald ganz genau. Inklusive Schreibweise.

Podolskis Lob

Lukas Podolski trägt dazu kräftig bei. Nicht nur mit seinen Toren wie jüngst beim 4:2-Heimsieg gegen den FSV Mainz 05. Sondern auch mit seinem Lob.

"Er hat der Mannschaft eine Handschrift gegeben. Seine Idee vom aktiven Fußball basiert auf der unbedingten Laufbereitschaft des Einzelnen für den anderen", schwärmte der Nationalspieler im "Express".

Und weiter: "Es macht einfach Spaß, mit Nova zusammenzuspielen. Das ist auch Schaefers Werk." 350503(DIASHOW: Der 22. Spieltag).

Das Duo "Novalski"

"Nova" ist Milivoje Novakovic. Zusammen mit Podolski schoss der 31-Jährige den anderen Karnevalsverein aus Mainz ab. Beide erzielten einen Doppelpack.

Insgesamt hat jeder der beiden schon neun Saisontore auf dem Konto, zusammen bringen sie es auf 27 Scorerpunkte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Den Kapitän und den Stürmer bezeichnen sie in Köln schon als Traumduo "Novalski" - in Anlehnung an Bayerns Flügelzange Arjen Robben und Franck Ribery alias "Robbery".

Und über Schaefer war die Schlagzeile zu lesen: "Der Hüter des neuen FC-Glücks."

Ralf Rangnick hat das allerdings nicht verwundert. "Ich kenne ihn seit 20 Jahren. Mich hat es überrascht, wie lange man in Köln gebraucht hat, zu erkennen, welch guten Trainer die im Stall haben", sagte Hoffenheims Ex-Coach.

Dank von Novakovic

Auch Novakovic spart nicht mit großen Worten. Denn er ist heilfroh, dass Schaefer die Nachfolge des wortkargen Zvonimir Soldo angetreten hat.

"Als er anfing, war ich ganz unten, hatte monatelang auf der Bank geschmort. Ich muss mich bei ihm bedanken", sagte der Slowene: "Er hat mir gezeigt, dass er mir vertraut."

Novakovic erlebt einen ungeahnten zweiten Frühling. Als mindestens schwieriger Profi war der Nationalspieler bisher bekannt.

Wer es weniger gut mit ihm meinte, nannte ihn auch einen "faulen Stinkstiefel".

Und der sagt nun: "Der Trainer erwartet in jedem Training 100 Prozent. Wer da nicht mitmacht, wird gleich bestraft. Dadurch haben wir uns gefunden."

"Der Kessel muss dampfen"

Schaefer hat es offensichtlich geschafft, aus vielen schwierigen Typen eine Einheit zu formen.

Doch es passt zu seinem besonnenen Naturell, dass er die Anflüge des ebenfalls traditionellen kölschen Überschwangs gleich ausbremst.

"Meine Erfahrung mit dieser Mannschaft ist, dass sie nie zu viel Sicherheit verspüren darf, auch einzelne Spieler nicht", erklärte der in Köln geborene Trainer:

"Der Kessel muss immer am Dampfen bleiben. Ich will keine Spaßbremse und kein Spielverderber sein, aber ich weiß, wie lange und schwierig der Weg noch wird. Wir sind noch nicht so stabil, wie es aussieht."

30000 Euro statt 5000

Das gilt allerdings nicht mehr für seine Rolle.

Bisher hat der Fußballlehrer stets auf Bewährung gearbeitet. Im recht aufgeregten Köln eine besondere Prüfung.

Doch nun hat er sich einen Kredit erspielt. Und vielleicht wird der ehemalige Jugend- und U23-Trainer bald mit einem längerfristigen Vertrag belohnt.

Von zuvor 5000 Euro monatlich liegen seine Bezüge als Chefcoach immer noch vergleichsweise bescheiden bei 30000 Euro.

Ausflug in den Familienpark

Schaefer bastelt jedenfalls weiter an der neuen Eintracht in Köln - und damit auch an seiner Zukunft.

Für den Mittwoch hat er den Besuch des nahen Freizeitparks "Phantasialand" angesetzt.

"Es ist wichtig, dass wir als FC-Familie auftreten, die gemeinsam für das Ziel Klassenerhalt kämpft", sagte Schaefer.

Achterbahnfahrten sind zwar auch auf dem Fußballplatz weiterhin nicht ausgeschlossen.

Doch das Risiko, dass sich der FC mal wieder ganz aus der Bahn wirft, ist geringer geworden. Dank Frank Schaefer. Mit ae.

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