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Gesprächsbedarf: Gladbachs neuer Trainer Lucien Favre bei seiner ersten Einheit © getty

Der Schweizer leitet seine erste Trainingseinheit beim Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach. Und setzt vor allem auf Gespräche.

Mönchengladbach - Um punkt 10 Uhr nahm beim Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach ein Feuerwehrmann seinen Dienst auf, der eigentlich gar kein Feuerwehrmann ist.

Lucien Favre leitete am Dienstag seine erste Einheit beim fünfmaligen Meister.

Rund 400 Zuschauer sahen zu, und sie bekamen gleich einen Eindruck, wie der Schweizer die schwierige Aufgabe Klassenerhalt angeht: mit vielen Gesprächen.

Zunächst richtete der 53-Jährige sieben Minuten lang seine Worte an das gesamte Team.

"Ich habe den Spielern gesagt, was ich auf dem Platz sehen will", erklärte Favre.

Während der Einheit unterbrach der ehemalige Trainer von Hertha BSC Berlin viele Übungs- und Spielformen, gesten- und wortreich.

Er wolle die Mannschaft kennenlernen und "den Spielern direkt zeigen, was sie verbessern können", sagte er.

Vertrag bis 2013

Mit "Hirnli" statt Panik geht Favre seine neue Aufgabe an. Brachialmethoden will er vermeiden, zwei intensive Einheiten standen am Dienstag zum Kennenlernen auf dem Programm.

Der Eindruck von seiner neuen Mannschaft sei "sehr gut" gewesen, sagte Favre. Man habe "gut gearbeitet".

Dass Favre kein klassischer Feuerwehrmann ist, der einen Klub vor dem Abstieg retten soll, ohne an die Zukunft zu denken, zeigt sein Vertragswerk.

Bis zum 30. Juni 2013 läuft sein Kontrakt, den er am Montag unterschrieben hatte.

Am Sonntag war Michael Frontzeck entlassen worden, nach der 1:3-Niederlage beim direkten Konkurrenten FC St. Pauli(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

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Sieben Punkte Rückstand

Gültigkeit hat das Papier auch für die Zweite Liga, falls Gladbach die sieben Punkte Rückstand auf den rettenden Platz 15 in den verbleibenden zwölf Saisonspielen nicht mehr wettmachen sollte.

Dann soll der Schweizer eine Mannschaft aufbauen, die direkt zurückkehren kann in die Bundesliga.

Doch er sieht natürlich eine gute "Chance", dass es mit dem Verbleib im Oberhaus klappt (EINWURF: Favre? Wirklich?!).

Der tiefe Sturz bei Hertha

Der aus Saint-Barthelemy stammende Coach steht für kontinuierliche Entwicklung und eine offensive Spielweise. So führte er Hertha BSC 2009 beinahe zur deutschen Meisterschaft.

Als dann aber der Absturz folgte, bekam Favre nicht mehr die Kurve und musste gehen.

Spielerisches Potenzial ist in Mönchengladbach vorhanden, vor allem bei Profis wie Marco Reus, Dante, Juan Arango, Igor de Camargo oder Patrick Herrmann.

Querköpfe als Unding

In Berlin scheiterte er daran, dass Leistungsträger abwanderten und Querköpfe wie Marko Pantelic den Frieden störten. Der Serbe war vor allem ein Unternehmer in eigener Sache. Für Favre ein Unding.

Gespannt darf man sein, wie er mit den Disziplinlosigkeiten zum Beispiel eines de Camargo umgeht. Sieben Platzverweise haben die Borussia in der laufenden Saison so manchen wichtigen Punkt gekostet.

Stolz dank Weisweiler

Von den Fähigkeiten bringt Lucien Favre fast alles mit. Nicht umsonst wird er in der Schweiz auch "Super-Hirnli" genannt. Als Profi war er von 1976 bis 1991 aktiv, fast nur in der Schweiz.

Favre spielte vor der Abwehr, in den 70er Jahren lernte er Mönchengladbachs Meistermacher Hennes Weisweiler kennen.

Offenbar eine prägende Erfahrung. "Er hat mich als besten Spieler der Schweiz vorgeschlagen. Das hat mich stolz gemacht", sagte Favre.

Mit Gladbach groß geworden

Nun ist Lucien Favre bei dem Klub gelandet, dessen große Historie auf der erfolgreichen Arbeit von "Don Hennes" gründet.

"Borussia ist überall auf der Welt bekannt. Mit dem Klub bin ich groß geworden, musste jetzt keine Sekunde lang überlegen", sagte Favre der "Bild".

Seit seinem Aus bei Hertha im September 2009 war Lucien Favre ohne Job. Die Zeit habe er aber sinnvoll genutzt.

"Ich habe viele Spiele im Ausland verfolgt, in Italien, England, Spanien und Deutschland neue Trainingskonzepte erarbeitet", sagte er. Die sollen nun bei den "Fohlen" greifen.

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