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Pierre Littbarski gewann 1990 als Spieler mit Deutschland die Weltmeisterschaft © imago

Littbarski setzt auf Diego. Im SPORT1-Interview spricht er über McClaren, den Cheftrainer-Posten und den nächsten Elfmeter-Schützen.

Von Jakob Gajdzik

München - Einen Mann, der die Mannschaft mit harter Hand trainiert, wollte Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß als Nachfolger von Steve McClaren.

Die Lösung war naheliegend:

Gegen den HSV saß Pierre Littbarski, bis dato Co-Trainer der "Wölfe", als Interimscoach auf der Bank.

Und der griff sogleich durch und warf Diego für ein Spiel aus dem Kader.

Der Brasilianer hatte in McClarens letztem Spiel gegen Hannover 96 entgegen der Anweisungen den Elfmeter ausgeführt - und verschossen.

Bei dem einen Spiel Zwangspause soll es aber bleiben. Schon in Freiburg (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) soll Diego das Wolfsburger Offensivspiel mit Ideen bereichern.

(Auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

"Er hat schon in den Trainingseinheiten eine Reaktion gezeigt und sich stark präsentiert. Er spielt wie ausgewechselt", sagt Littbarski zu SPORT1.

Im SPORT1-Interview spricht der Weltmeister von 1990 außerdem über Steve McClaren, den Cheftrainer-Posten und den nächsten Elfmeter-Schützen.

SPORT1: Herr Littbarski, VW-Chef Martin Winterkorn hat Ihnen öffentlich den Rücken gestärkt. Freut Sie dieser Vertrauensbeweis von höchster Stelle in stürmischen Zeiten?

Pierre Littbarski: Natürlich lässt es sich mit Rückendeckung besser arbeiten. Aber die habe ich von Anfang an hier gespürt. Wenn man kein Vertrauen in meine Arbeit hätte, wäre der Verein nach der Trennung von Steve McClaren sicher nicht auf mich zugekommen.

SPORT1: Sie waren Steve McClarens Co-Trainer. Warum ist er gescheitert?

Littbarski: Das vermag ich nicht zu beurteilen. Wir haben gut zusammengearbeitet. Aber für mich war auch sofort klar, dass ich hier einspringe und nicht wegrenne, als Dieter Hoeneß mit mir über die Situation gesprochen hat.

SPORT1: Die Mannschaft hat mit Edin Dzeko den Kapitän und Torjäger verloren, dafür kamen viele neue Spieler. Wie klappt die Integration?

Littbarski: Uns bleibt natürlich nicht die nötige Zeit dafür. Aber daraus müssen wir das Beste machen und jetzt etwas schneller arbeiten. Die Spieler nehmen meine Vorgaben an, so dass wir gut vorwärts kommen. Positiv ist natürlich auch, dass nach den Länderspielabstellungen der Kader jetzt wieder komplett zusammen ist.

SPORT1: Was muss sich beim VfL ändern, damit die Mannschaft schnell aus der Gefahrenzone der Tabelle herauskommt?

Littbarski: Das ist ganz einfach: Wir brauchen Punkte. Dafür arbeiten wir hart und engagiert und konzentrieren uns ganz auf die Sache. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass Kampfgeist und Einstellung stimmen. Was wir brauchen, ist ein Erfolgserlebnis.

SPORT1: Welche Reaktion erwarten Sie von Diego nach dessen Suspendierung für das HSV-Spiel?

Littbarski: Er hat schon in den Trainingseinheiten eine Reaktion gezeigt und sich stark präsentiert. Er spielt wie ausgewechselt und ich bin sicher, dass er der Mannschaft in Freiburg helfen wird. Diego ist ein wichtiger Spieler für uns.

SPORT1: Wer schießt eigentlich den nächsten Elfmeter?

Littbarski:(lacht) Sie können versichert sein, dass es eine klare Ansage gibt, sollten wir in die Situation kommen.

SPORT1:Ihr Debüt gegen den HSV ging daneben. Haben Sie Ansätze gesehen, die Ihnen trotzdem Hoffnung machen? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Littbarski: Ja, und das habe ich der Mannschaft am Tag nach dem Spiel auch in einer Videoanalyse aufgezeigt. Natürlich verschließen wir vor der Situation nicht die Augen: Wir müssen uns vor allem mehr Chancen erarbeiten, es ist einfach zu wenig, was wir im Spiel nach vorne zeigen. Wir müssen unser Zusammenspiel verbessern. Aber ich habe auch positive Ansätze gesehen: Im Mittelfeld hatten wir mehr Ballstafetten und sehr viele Positionswechsel. Und die Mannschaft hat bis zum Ende alles gegeben. Das ist entscheidend.

SPORT1: Zumindest Neuzugang Ja-Cheoul Koo konnte überzeugen. Darf er auch in Freiburg ran?

Littbarski: Er hat in der Tat gleich in seinem ersten Spiel überzeugt. Der Junge hat ein Riesenpotenzial und ist auf jeden Fall eine Option für Freiburg.

SPORT1: Was erwarten Sie vom Spiel beim Sportclub, nachdem der gegen Schalke einen schwachen Auftritt hatte?

Littbarski: Es wird gerade in der jetzigen Situation kein leichtes Spiel für uns. Natürlich werden die Freiburger vor eigenem Publikum alles geben, um die drei Punkte im Breisgau zu behalten. Aber wir sollten nicht zu sehr auf den Gegner gucken, sondern unsere ganze Energie in den VfL stecken.

SPORT1: Trifft es Sie hart, dass nach nur einem Spiel schon wieder über Ihre Ablösung spekuliert wurde?

Littbarski: Nein, das trifft mich nicht. Mir ist durchaus bewusst, dass so etwas dazugehört. Damit muss man umgehen können.

SPORT1: Streben Sie den Cheftrainer-Posten langfristig an?

Littbarski: Was meine Zukunft als Cheftrainer angeht, so stelle ich diese Überlegungen momentan hinten an. Was den VfL betrifft, ist alles klar abgesprochen. Momentan geht es einzig und allein darum, den VfL in die Erfolgsspur zurückzubringen.

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