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Andre Schürrle (r.) wurde mit Trainer Thomas Tuchel 2009 Deutscher A-Jugend-Meister © getty

Schürrle spricht bei SPORT1 über den Gipfel mit Mainz gegen die Bayern, seine Aussichten im DFB-Team und ein Geschenk für Szalai.

Von Matthias Becker

München - Der 25. September 2010 war nicht nur wegen des 2:1-Erfolgs des FSV Mainz 05 in der Münchner Allianz Arena ein bemerkenswerter Tag für Andre Schürrle.

Der Coup beim FC Bayern war schließlich auch die Geburtsstunde der "Bruchweg Boys", hatten Schürrle, Lewis Holtby und Adam Szalai danach doch ihren berühmten TV-Auftritt.

Vor dem Wiedersehen mit dem Rekordmeister (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) ist Szalai (Kreuzbandriss) schwer verletzt, Holtby lange nicht mehr so stark wie in der Hinrunde. 353701(DIASHOW: Der 23. Spieltag)

Nur Schürrle glänzt mit zehn Saisontoren als zweitbester deutscher Torschütze der Bundesliga - hinter dem Münchner Mario Gomez.

Im SPORT1-Interview spricht Schürrle über ein Revival an der Luftgitarre, die Bürde eines Zehn-Millionen-Wechsels nach Leverkusen und die Aussichten im DFB-Team.

SPORT1: Herr Schürrle, war das 2:4 in Köln die schlechteste Saisonleistung von Mainz 05?

Andre Schürrle: Die erste Halbzeit war noch ganz in Ordnung. Ich hätte gleich in der ersten Minute die Führung machen können. Doch dann bekommen wir zwei Gegentore aus Standards, die so nicht fallen dürfen. Die zweite Halbzeit war die schlechteste Halbzeit der Saison.

SPORT1: Hakt die Mannschaft das als Ausreißer nach unten ab, wie er einem jungen Team eben mal passieren kann?

Schürrle: Wir haben uns schon richtig geärgert, dass uns so etwas passiert ist und wir in der zweiten Halbzeit keine Gegenwehr geleistet haben. Das nagt an uns, denn wir sind sehr ehrgeizig. Aber wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft sind und haben ziemlich schnell wieder auf das Bayern-Spiel geschaut. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Tut es gut, gegen die Bayern endlich mal wieder als Außenseiter ins Spiel zu gehen?

Schürrle: Über so etwas machen wir uns keine Gedanken. Natürlich sind die Bayern gut in Form und haben wieder Ribery und Robben zur Verfügung. Aber wir haben in jedem Spiel unsere Chancen. Wir wollen wieder aggressiv sein und da bin ich guter Dinge, dass zuhause am Bruchweg etwas herausspringen kann.

SPORT1: Aber gegen die offensiv ausgerichteten Bayern müsste es doch mehr Räume für ihr Umschaltspiel geben als gegen die letzten Gegner.

Schürrle: Das wird man sehen. Ich bin mir aber sicher, dass wir unsere Chancen bekommen werden, denn gerade in der Offensive haben wir große Qualität. Wenn wir diese Chancen auch verwerten, dann können wir das Spiel gewinnen.

SPORT1: Nach dem Sieg in München in der Hinrunde hatten Sie den berühmten "Boygroup"-Auftritt im "Sportstudio" mit Lewis Holtby und Adam Szalai. Würden Sie so etwas wieder machen - oder ging das schon ein Stück zu weit?

Schürrle: Das war eine lustige Geschichte, und da wir alle drei ziemlich verrückt sind und uns auch privat gut verstehen, haben wir den Spaß mitgemacht. Wir haben dafür auch nur gutes Feedback bekommen. Natürlich machen sich die Kollegen schon mal lustig, aber uns hat es viel Spaß gemacht.

SPORT1: Mit einem Sieg gegen die Bayern könnten Sie Ihrem zukünftigen Klub Bayer Leverkusen im Kampf um die Champions-League-Qualifikation weiterhelfen. Denken Sie an so etwas auch?

Schürrle: Nein. Ich versuche, mich komplett auf Mainz 05 zu konzentrieren. Wir wollen in dieser Saison noch viel erreichen. Da bleibt mir keine Zeit, an Leverkusen zu denken. Ich muss da auch nicht helfen, Leverkusen wird es auch so schaffen, die haben eine überragende Mannschaft.

SPORT1: Wirkt eine Ablösesumme von angeblich zehn Millionen Euro eigentlich belastend, wenn man erst 20 Jahre alt ist?

Schürrle: Es macht mich sehr stolz, dass ein Verein wie Bayer Leverkusen viel Geld für mich bezahlt. Das zeigt, dass ich auf einem guten Weg bin. Man darf sich nicht zu viele Gedanken darüber machen, wie viel Geld das ist. Ich muss einfach versuchen, das Vertrauen dann wieder zurückzuzahlen.

SPORT1: Mainz steht in der Rückrundentabelle nur auf Platz 15, schießt kaum Tore. Ist das der "Absturz", den viele Experten prophezeit haben?

Schürrle: Ich sehe da keinen Absturz. Die ersten beiden Niederlagen in der Rückrunde waren völlig unverdient. Gegen Bremen haben wir in der letzten Sekunde erst den Ausgleich kassiert. Die Ergebnisse sind nicht so gut, aber der Leistung nach spielen wir eine gute Rückrunde. Wir haben uns in allen Bereichen weiterentwickelt und im Vergleich zu vor einem Jahr ist das ein großer Unterschied.

SPORT1: Worin liegt der Unterschied?

Schürrle: Wir machen das Spiel, sind dominant und arbeiten uns Torchancen heraus. Ich bin mir sicher, dass wir bald auch wieder mehr Tore schießen werden.

SPORT1: Kann man mit 37 Punkten auch einfach sehr entspannt an die Sache herangehen?

Schürrle: Auf jeden Fall. Erfolge helfen immer bei der Entwicklung. Zu einer Entwicklung gehören aber auch Niederlagen, wie wir sie in den letzten Wochen hatten. Das bringt uns alles weiter und in dieser Saison kann noch viel passieren.

SPORT1: Hinter Mario Gomez sind sie zweitbester deutscher Torschütze in der Bundesliga. Bedeutet Ihnen das etwas?

Schürrle: Natürlich bedeutet mir das sehr viel und macht mich stolz. Im Endeffekt zählt aber nur der Mannschaftserfolg. Und im Moment klappt das ganz gut.

SPORT1: Bei der Nationalmannschaft spielt Lukas Podolski, der auch erst 25 ist, auf der Position im linken Mittelfeld. Ist der Weg für Sie damit verbaut?

Schürrle: Ich fühle mich im ganzen Offensivbereich sehr wohl, ob hinter den Spitzen auf beiden Außenseiten oder in der Sturmspitze. Da wird es keine Probleme geben.

SPORT1: Adam Szalai fällt mit einem Kreuzbandriss lange aus. Haben Sie ihm eigentlich ein Revival der "Bruchweg Boys" versprochen, wenn die Saison zu einem guten Ende kommt?

Schürrle: Wir leiden alle mit Adam mit, weil er uns auf und neben dem Platz sehr fehlt. Ich habe ihm noch nichts versprochen. Aber mit Sicherheit wird am Saisonende ein Gitarrensolo für ihn drin sein.

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