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Deprimiert: Eintracht-Keeper Oka Nikolov (l.) und Martin Fenin © getty

Für Frankfurts Trainer, nach dem erzwungenen Schulterschluss mit Amanatidis beschädigt, wird es nach der erneuten Pleite ungemütlich.

Nürnberg - Als Heribert Bruchhagen die Trainerfrage spät am Abend doch noch gestellt wurde, hatte der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt plötzlich ganz andere Sorgen.

Bruchhagen drehte sich zu einem Fernsehschirm um, wo gerade das Tor zum 0:3 (0:0)-Endstand beim 1. FC Nürnberg 353701(DIASHOW: Der 23. Spieltag)gezeigt wurde.

"Ach, das 3:0, das habe ich noch gar nicht gesehen", sagte er - und lächelte die Trainerfrage einfach weg. Doch auch dieses Täuschungsmanöver konnte nicht verbergen, dass es für Michael Skibbe ungemütlich wird bei "Torlos" Frankfurt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Image des Trainers beschädigt

"Wir müssen endlich punkten, sonst können wir den Helm aufsetzen", hatte der Coach vor dem Ausflug nach Franken gesagt.

Jetzt, nach der fünften Niederlage im sechsten Rückrundenspiel bei einem Unentschieden, nach 543 Minuten ohne Tor, nach einer erneut jämmerlichen Offensivleistung, jetzt hat Skibbe den Helm auf.

Die schwachen Auftritte seiner Mannschaft in der Rückserie haben am Image des Trainers gekratzt, der erzwungene Schulterschluss mit Ioannis Amanatidis hat es nachhaltig beschädigt - auch wenn Skibbe das anders sehen will.

Hat er im Zuge der Posse um "Ama" einen Autoritätsverlust erlitten? "Nein, natürlich nicht. Das ist ein Thema - gewesen!"

Amanatidis: "Die Sache ist geklärt"

Amanatidis durfte in Nürnberg die letzten 18 Minuten ran, und als er kam, streifte er sich demonstrativ die Kapitänsbinde des ausgetauschten Patrick Ochs über.

"Ich habe nicht den Nächsten gesucht, der an der Reihe gewesen wäre, die Binde zu tragen. Es stand 0:1, da hatte ich andere Dinge im Kopf", sagte der Grieche.

Auch Amanatidis nannte "die Sache" mit Skibbe "geklärt". Erst nach der Intervention von Bruchhagen hatte der Trainer seine Aussage zurückgenommen, der zuvor zu kritische Stürmer werde bei ihm "nie wieder" spielen.

"Wer mit sowas nicht zurechtkommt, der muss sich fragen, ob Fußball der richtige Beruf für ihn ist. Als Fußballer muss man eine dicke Haut haben", sagte Amanatidis.

Spiele mit "unglaublicher Signalwirkung" stehen bevor

Jeder könne mit ihm konstruktiv reden, ergänzte er noch. Und um diese Worte zu untermauern, bot Amanatidis seinen Kollegen eine teaminterne Aussprache an.

"Über Qualität brauchen wir nicht reden, wir haben nicht in einem Monat alles verlernt. Wenn es aber Ungereimtheiten oder Missverständnisse gibt, müssen wir die aus der Welt räumen."

In den beiden nun anstehenden Heimspielen gegen die Konkurrenten VfB Stuttgart und 1. FC Kaiserslautern, die eine "unglaubliche Signalwirkung" (Skibbe) haben, müssten sich die Spieler dann aber endlich "wie Männer wehren", forderte Amanatidis.

Nikolov macht schlechte Figur

In Nürnberg war das nach dem 0:1 durch Julian Schieber (67.) nicht mehr der Fall. Torhüter Oka Nikolov sah bei dem vor ihm aufsetzenden Freistoß aus 30 Metern sehr schlecht aus.

"Was soll ich erklären, dass der Ball flattert? Den sollte man halten", sagte Nikolov zerknirscht, und stellte eine vernichtende Diagnose der "bedrohlichen" Situation: "Es ist alles schlimm."

Kritik an Gekas

Dabei hatte Skibbe einiges versucht. Er hatte Alexander Meier und Benjamin Köhler auf die Bank gesetzt, Youngster Sebastian Rode eine Chance gegeben.

Der erzielte das vermeintliche 0:1 (61.), doch Vorlagengeber Theofanis Gekas stand zuvor im Abseits. "Das muss er sehen", kritisierte Skibbe den Stürmer.

Bruchhagen macht sich Sorgen

Robert Mak (87.) und Almog Cohen (90.) besiegelten die laut Bruchhagen "deprimierende Niederlage".

Er stehe "nicht im Verdacht, mir keine Sorgen zu machen", sagte Bruchhagen noch. Ein Satz, der Skibbe hellhörig machen sollte.

Nürnberg bleibt am Boden

Während Frankfurt sich vom Ziel "50 Punkte plus" in Richtung Abstiegskampf verabschiedet, weigert sich der 1. FCN auch nach dem vierten Sieg in Folge, die Saisonvorgabe Klassenerhalt nach oben zu korrigieren.

Eine solche Serie war dem Club zuletzt vor fast 22 Jahren gelungen, doch Kapitän Andreas Wolf sagte: "Die Fans dürfen gerne träumen, aber wir bleiben realistisch."

Draußen stimmten die Zuschauer ihr Europapokal-Lied an, in den Katakomben aber sagte Torschütze Schieber: "Das Ziel ist der Klassenerhalt."

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