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Lukas Piszczek (r.) kam im Sommer 2010 aus Berlin nach Dortmund © getty

Nach dem Sieg gegen St. Pauli greift Dortmunds Großkreutz zu Superlativen. Das 2:0 gegen desolate Gäste überdeckt aber ein Problem.

Von Tobias Hlusiak

München/Dortmund - Die Erleichterung war Jürgen Klopp anzusehen.

Mit euphorischem Gesichtsausdruck und geballten Fäusten sprang der BVB-Coach in seiner Coaching-Zone auf und ab 353701(DIASHOW: Der 23. Spieltag).

Lucas Barrios - der nicht minder befreit schien - hatte soeben den Bann gebrochen und sechs Minuten vor der Pause die überfällige Führung gegen den FC St. Pauli besorgt.

Das zehnte Saisontor des Paraguayers war sein erstes nach 374 erfolglosen Minuten.

Am Ende sprang ein ungefährdeter 2:0 -Erfolg über den Aufsteiger heraus. Der erste "Dreier" nach zuvor zwei Unentschieden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es hat mich gefreut, dass die Jungs das Tor noch vor der Pause gemacht haben", berichtete Klopp sichtlich erleichtert.

Ein Eigentor von Ralf Gunesch stellte den Endstand her.

Zurück in der Erfolgsspur

Mit nunmehr 55 Punkten ist Dortmund weiterhin über allen Tabellen-Zweifel erhaben, liegt 13 Punkte vor dem neuen Tabellen-Zweiten Bayern München.

"Wir haben wieder 90 Minuten guten Fußball gespielt und gezeigt, dass wir in keiner Krise stecken, wie man uns von außen einreden wollte", bilanzierte Nationalspieler Marcel Schmelzer angesichts dieses Faktes.

28 Torschüsse, zwei Tore

Festhalten muss man allerdings auch: Das Dortmunder Problem der letzten Wochen bleibt.

28:3 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache, müssen im Gegenzug aber auch für einen deutlicheren Sieg sorgen.

Dass dieser nicht zu Stande kam lag auf der einen Seite an der starken Leistung von St. Paulis Torwart Thomas Kessler.

Andererseits ist den Dortmunder Himmelsstürmern die Leichtigkeit im Torabschluss abhanden gekommen.

"Spielen den geilsten Fußball"

Das war schon in den Heimspielen gegen Stuttgart (1:1) und Schalke (0:0) das Problem und stach auch beim letzten Auswärtsauftritt in Kaiserslautern (1:1) ins Auge.

"Es ist doch klar: Wenn du mehr Chancen erarbeitest, ist auch die Chance größer, dass du mehr vergibst. Das wird durch viele Statistiken bestätigt", versuchte Klopp zu beschwichtigen.

Kevin Großkreutz, der weiterhin mit der Stimme der Süd-Tribüne spricht, drückte es etwas anders aus:

"Wir spielen den geilsten Fußball. Und was die Ausbeute angeht: Keine Mannschaft der Welt nutzt jede Chance, auch Barcelona nicht."

Bayern-Spiel als Meisterprüfung

Trotzdem: Die Verwertung muss besser werden, steht doch am kommenden Spieltag das Gastspiel in der Münchner Allianz Arena an.

Dort wird man aller Voraussicht nach nicht derart viele Einschussgelegenheiten wie am Samstag bekommen.

Das Spiel beim Rekordmeister wird sportlich wie mental zur Meisterprüfung für die Dortmunder Youngster-Truppe.

"Konzentriert und konsequent, gepaart mit großer Leidenschaft" habe "Kloppo" sein Team gegen St. Pauli spielen sehen.

Mindestens diese Attribute müssen in München an den Tag gelegt werden.

St. Pauli kein Gradmesser

Trotz des gewaltigen Vorsprungs an der Tabellenspitze wird sich die Borussia in den verbleibenden elf Saisonspielen steigern müssen, um den ersten Meistertitel seit 2002 unter Dach und Fach zu bringen

Die Partie gegen desolate Gäste aus Hamburg war ohnehin kein Gradmesser für höhere Aufgaben.

Stanislawski im Stich gelassen

St. Pauli-Trainer Holger Stanislawski zeigte sich nach dem Spiel vom eigenen Team regelrecht beleidigt.

"Dortmund war uns in allen Belangen überlegen. Das war indiskutabel, desolat, einfach eine Katastrophe. Wir hatten noch nie so viele Totalausfälle und in keiner Phase die Gelegenheit, das Spiel offen zu gestalten", giftete "Stani".

Umgehend gab er seinen Spielern zwei Tage frei, weil er sie nicht sehen wolle:

"Am Dienstag wird sich dann aber der ein oder andere umgucken!"

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