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Ende der Durststrecke: Die "Fohlen" feiern den ersten Heimsieg seit dem 9. April 2010 © getty

Bei der Borussia zeigt der Trainerwechsel Wirkung - trotz des Theaters um den Sportdirektor. Schalke enttäuscht, Neuer ist sauer.

Von Stefan Missy

Mönchengladbach/München - Beim Schlusspfiff brachen im Borussia-Park alle Dämme 353701(DIASHOW: Der 23. Spieltag).

Mittendrin: Mönchengladbachs neuer Trainer Lucien Favre, der dem Team in nur sechs Tagen neues Leben eingehaucht und das Schlusslicht mit dem 2:1 (2:1) über Schalke 04 zum ersten Heimsieg seit zehn Monaten geführt hatte.

"Das ist unglaublich, einfach fantastisch, was hier abläuft. Das war ein verdienter Sieg gegen einen schweren Gegner", schwärmte der Schweizer angesichts der Jubelarien auf den Rängen.

Dabei waren seine neuen Schützlinge schon nach 80 Sekunden ins Hintertreffen geraten.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Haben sehr gut gespielt"

Nach einer Verkettung von Fehlern in der Defensive schoss ausgerechnet der Ex-Gladbacher Peer Kluge zur Führung für die Gelsenkirchener ein (2.).

Für die "Fohlen", die mit 57 Gegentreffern die schlechteste Abwehr der Liga stellen, war dieser Nackenschlag jedoch die Initialzündung.

"Wir haben sehr gut gespielt. Besonders die Reaktion der Mannschaft auf das 0:1 war super", meinte Favre. "Jetzt heißt es für uns, weiter so zu spielen, denn schon am Freitag müssen wir in Wolfsburg antreten."

Borussia dreht auf

Seine "neue" Borussia, bei der Logan Bailly anstelle von Christofer Heimeroth im Tor stand, bestach vom Anpfiff weg durch Laufbereitschaft und Spielfreude.

Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen in dieser Saison vergaßen die Gladbacher dieses Mal aber auch nicht, sich für den Aufwand beizeiten zu belohnen.

Durch den strammen Schuss von Marco Reus (12.) und den Kopfballtreffer von Mohamadou Idrissou (23.) drehten die Hausherren die Partie noch vor der Pause.

"Knappen" ohne Kreativität

"Der Trainer hat in den letzten Tagen viel mit uns gesprochen", suchte Abwehrspieler Dante nach den Wurzeln der Leistungssteigerung. "Der Sieg kann nur der Anfang sein, jetzt müssen wir nachlegen."

Während sich der VfL nach dem Seitenwechsel allerdings vermehrt aufs Kontern verlegte, mühten sich die Königsblauen sichtlich um Kontrolle, ließen jedoch jegliche Kreativität vermissen.

Magath "sehr enttäuscht"

Dementsprechend geriet der Gladbacher Sieg nicht mehr in Gefahr, was mehrere Gründe hatte.

Zum einen kämpfte die Borussia erbittert um jeden Ball. Zum anderen konnte Schalke - abgesehen vom 0:1 - über 90 Minuten keine einzige echte Torchance mehr kreieren.

"Ich bin sehr enttäuscht", sagte Trainer Felix Magath, der den Auslöser für den schwachen Auftritt in der Champions League sah, wo sich die Gelsenkirchener am Dienstag im Achtelfinal-Hinspiel beim FC Valencia ein 1:1 erkämpft hatten.

Die "Königsklasse" nehme seinen Spielern womöglich "zu viel an Konzentration weg", erklärte Magath. "Danach sind wir sind nicht mehr in der Lage, die Leistung wieder zu bringen. Vom Physischen her gibt es keine Erklärung. Die Mannschaft hat mental Probleme, in der Bundesliga wieder Tritt zu fassen."

Neuer kritisiert die Mannschaft

Sein Kapitän Manuel Neuer fand deutlich drastischere Worte: "Wir wussten nicht, wie wir spielen sollten. Ein paar Leute haben sich auf dem Platz versteckt. Dementsprechend kann man kein Spiel gewinnen", polterte der Keeper gegen seine Kollegen.

Aber auch in Mönchengladbach, das den Rückstand auf den Relegationsplatz auf vier Punkte verkürzte, herrscht nach dem Lebenszeichen keineswegs nur Sonnenschein.

Die Kritik von Klub-Ikone Berti Vogts an Sportdirektor Max Eberl steht nach wie vor im Raum, das Klima scheint vergiftet.

Rückendeckung für Eberl

"Da muss irgendwas ganz Schlimmes vorgefallen sein. Ich habe Max Eberl kennengelernt, als einen jungen Mann, der sehr engagiert ist und im Nachwuchsbereich vier Jahre sehr gute Arbeit für den Klub geleistet hat", sagte der ehemalige Gladbacher Coach Hans Meyer bei "Sky90".

Auch Stefan Effenberg sprang Eberl zur Seite und schüttelte nur den Kopf über Vogts, der in der vergangenen Woche bei SPORT1 behauptet hatte, Eberl sei "kein Borusse".

"Sportliche Kritik ist okay, aber nicht persönlich werden. Das war eine Stufe unter der Gürtellinie. So kenne ich ihn gar nicht. Ich weiß nicht, was er da eingenommen hat", erklärte der "Tiger".

"Effe" glaubt nicht mehr an Gladbach

Eberl selbst wollte in Sachen Vogts kein weiteres Öl mehr ins Feuer gießen.

"Er war einst mein sportliches Vorbild. Aber ich kenne ihn nicht persönlich und deshalb kann und will nichts dazu sagen. Ich hoffe, dass einmal der Zeitpunkt kommt, dass wir uns aussprechen können."

Der 37-Jährige weiß, dass nur der Klassenerhalt die Kritiker zum Verstummen bringen kann.

Für Effenberg stehen die Chancen auf die Rettung seines Ex-Vereins trotz des Erfolgs über Schalke weiterhin schlecht: "Ich wünsche es mir, aber ich glaube es nicht."

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