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Armin Veh (r.) und Michael Oenning arbeiten seit dieser Saison als Trainer beim HSV © imago

Der neue HSV-Sportchef Frank Arnesen muss sich neben der Kaderplanung wohl auch auf Trainersuche für die kommende Saison begeben.

Von Martin Volkmar

München/Hamburg - Frank Arnesen kommt erst am 1. Juli nach Hamburg, doch sein Schatten ist schon jetzt riesengroß.

Seit der neue Sportvorstand des HSV am Sonntag offiziell bestätigt wurde, reißen die Vermutungen über seine ersten Entscheidungen nicht ab.

Der Nachwuchs- und Scoutingbereich soll komplett umgekrempelt werden, auch die Zukunft von Vorstandsboss Bernd Hoffmann ist laut übereinstimmenden Hamburger Medienberichten unklar.

Der achte Trainer in acht Jahren?

Vor allem aber spricht vieles dafür, dass sich die Hanseaten im Sommer schon wieder einen neuen Trainer holen werden - es wäre der achte in den letzten acht Jahren.

Demnach soll das Ende von Armin Veh nach nur einem Jahr beim HSV so gut wie sicher sein.

Als Indiz dienen auch die Aussagen des Coachs nach dem 4:0 am Samstag in Derby gegen Werder Bremen.

Die Verpflichtung von Arnesen bezeichnete Veh da als "gute Wahl für den HSV. Das ist wichtig für den Verein".

"Ich kann nicht von 'wir' sprechen"

Auf eine "Wir-Form" verzichtete der 50-Jährige dabei laut eigener Aussage bewusst.

"Ich kann nicht von 'wir' sprechen, ich habe ja nur bis zum 30. Juni einen Vertrag. Wenn man Einjahresverträge schließt, dann verlängert man die im Januar, sofern man weitermachen will."

Was mit anderen Worten bedeutet: Da der Vertrag noch nicht verlängert wurde, rechnet Veh auch nicht mehr damit.

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Ausstiegsklausel am Saisonende

Wobei es sich eigentlich um einen Zweijahrsvertrag handelt, aus dem beide Seiten aber ohne finanzielle Entschädigung schon am Saisonende aussteigen können.

"Jeder weiß doch, dass ich nur noch bis Sommer den Vertrag habe", bestätigte Veh. "Ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen."

Sofortige Entlassung drohte

Der Rückhalt in der Vereinsführung ist offenbar so gering, dass nach der Derby-Pleite gegen St. Pauli laut "Hamburger Abendblatt" sogar über eine Entlassung bei einer weiteren Niederlage gegen Bremen konkret nachgedacht wurde.

"Es ist normal, wenn man enttäuscht ist. Aber so eine extreme Situation wie nach der Niederlage gegen St. Pauli habe ich noch nie erlebt", erklärte Veh, der wohl selber auch nicht mehr mit seinem Verbleib an der Elbe rechnet.

So dürfte es Arnesens erste große Aufgabe sein, den neuen Chefcoach zu suchen.

Kandidaten Laudrup und Oenning

Ein Kandidat könnte dessen dänischer Landsmann und Ex-Mitspieler Michael Laudrup sein, der momentan den spanischen Erstligisten Real Mallorca trainiert und offen für eine neue Herausforderung sein soll.

Darüber hinaus wird Vehs Assistent Michael Oenning genannt, der den 1. FC Nürnberg 2009 als Chefcoach in die Bundesliga zurückführte und schon bei einem früherem Veh-Rauswurf erste Wahl wäre.

Das ist nach wir vor nicht ausgeschlossen, wenn die Erfolg ausbleiben sollten. Schließlich will man den Fehler bei der Trennung von Huub Stevens 2008 unbedingt vermeiden.

Damals kündigte der Niederländer frühzeitig seinen Abschied an, danach verspielte der HSV noch die Champions-League-Teilnahme.

Auch Hoffmanns Zukunft offen

Auch diesmal hängt fast alles am sportlichen Abschneiden, vermutlich sogar die weitere Zusammenarbeit mit dem Vorstandsvorsitzenden.

Der Vertrag des nach wie vor bei weiten Teilen der Anhänger und Mitglieder sowie auch bei mehreren Aufsichtsräten sehr kritisch beurteilten Hoffmann läuft am Jahresende aus.

Ursprünglich sollte er spätestens nach der Wahl des neuen Sportchefs bis März verlängert werden. Nun aber könnte das Thema vertagt werden, mit offenem Ausgang.

Dann wäre auch die Verlängerung des mit Hoffmann eng verbundenen Vorstandsmitglieds Katja Kraus fraglich.

Zudem macht der bisherige Sportdirektor Bastian Reinhardt in der HSV-Führung Platz für Arnesen.

Übernimmt Arnesen das komplette Kommando?

Gut möglich, dass der ehemalige dänische Nationalspieler, der Chelsea-Chefscout Lee Congerton als neuen Technischen Direktor mitbringt, im Sommer gleich das Kommando komplett übernimmt.

Bis dahin soll er angeblich seinen auslaufenden Kontrakt in London erfüllen. Doch die Fäden zieht Arnesen offenbar schon jetzt.

"Ich kann mir vorstellen, dass es auch in London Telefone gibt", sagte Aufsichtsratsboss Ernst-Otto Rieckhoff dazu.

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