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Werder-Trainer Thomas Schaaf (r.) und Sportchef Allofs leiten seit 1999 Werders Geschicke © getty

Bremen taumelt dem Abstieg entgegen, auch sieben weitere Ex-Meister zittern um den Klassenerhalt. SPORT1 analysiert die Situation.

Von Thorsten Mesch

München ? Der Titelkampf ist so gut wie entschieden, da zittern die Ex-Meister im Tabellenkeller um die Wette.

Nur sechs Zähler trennen die auf Platz zehn liegenden Schalker vom 1. FC Kaiserslautern auf dem Relegationsplatz.

Von dem ist Werder Bremen, Double-Gewinner von 2004, nur ein Pünktchen entfernt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Konsequenzen muss Trainer Thomas Schaaf aber trotz einer Zwischenbilanz, die schlechter ist als beim Abstieg im Jahr 1980, nicht fürchten.

"Er steht nicht zur Disposition"

"Er steht nicht zur Disposition", wiederholt Sportchef Klaus Allofs gebetsmühlenartig und erklärt, Schaaf plane bereits die kommende Saison.

Nur: Wenn sich Werder aber weiter so präsentiert wie beim 0:4 in Hamburg, wird diese Saison in der zweiten Liga stattfinden 353701(DIASHOW: Der 23. Spieltag).

Von fast 36.000 SPORT1-Usern glauben aber trotz der aktuellen Misere immerhin 56 Prozent an den Klassenerhalt der Grün-Weißen.

Allofs selbst gerät wegen seiner zuletzt erfolglosen Personalpolitik zusehends unter Druck. "Ich spüre die Rückendeckung des Aufsichtsrats", betont er selbst. Doch das Gremium gibt sich bedeckt.

"Der Aufsichtsrat hält sich auch weiterhin aus der öffentlichen Debatte heraus und äußert sich nicht, um keine weitere Unruhe zu produzieren", sagte Aufsichtsratsboss Willi Lemke der "Syker Kreiszeitung".

Doch nicht nur an der Weser schlagen die Wellen hoch.

Mit Frankfurt, Köln, Wolfsburg, Stuttgart und Mönchengladbach fünf sind fünf weitere ehemalige Meister vom Abstieg bedroht ? wenn auch mit unterschiedlichen Formkurven.

SPORT1 wirft einen Blick auf die Mannschaften der unteren Tabellenhälfte und beurteilt ihre Chancen auf den Klassenerhalt.

10. FC Schalke 04 (29 Punkte, Tordifferenz: 0)

Sang- und klanglos fügten sich die Königsblauen in Mönchengladbach in die Niederlage. "Einige Leute haben sich versteckt. Keiner wollte den Ball haben", kritisierte Kapitän Manuel Neuer.

Wie schon zuvor nach ordentlichen Spielen in der Champions League, war die Mannschaft von Trainer Felix Magath gegenüber dem 1:1 in Valencia nicht wiederzuerkennen.

Wenn nicht nur Raul, sondern auch andere Stars wie Klaas-Jan Huntelaar und Jose Manuel Jurado ihr Potenzial ausschöpfen, werden die Gelsenkirchener aber mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

11. FC St. Pauli (28, -10)

Von den bedrohten Teams war nur der "Rollrasenverlegerversagerbesieger" noch nie Deutscher Meister. Nach dem Derby-Sieg beim HSV wurden die Kiezkicker in Dortmund auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Zuvor hatte die Mannschaft von Trainer Holger Stanislawski aber zwei wichtige Siege gegen Köln und Gladbach gefeiert.

Wenn St. Pauli auch die Heimspiele gegen die direkten Konkurrenten aus Stuttgart und Bremen für sich entscheidet, bleibt der Klassenerhalt nicht nur ein Wunsch.

12. Eintracht Frankfurt (27, -8)

Sechs Spiele, null Tore und nur ein Pünktchen - die Eintracht ist die schlechteste Mannschaft der Rückrunde. Und stürzte von Platz sieben auf Platz zwölf ab.

"Wir wissen nicht erst seit heute, dass wir im Abstiegskampf angekommen sind", sagt Trainer Michael Skibbe, der seine vor dem Spiel gegen Stuttgart "mit der Mannschaft zwei, drei Tage zusammen etwas machen" will.

[kaltura id="0_v6fkuuth" class="full_size" title="Werder Wir sind verunsichert "]

Vorstandschef Heribert Bruchhagen ist jedoch skeptisch. "Brandreden, Trainingslager - das sind doch keine Patentrezepte."

Bei Präsident Peter Fischer ist die Sorge "sehr groß", wie er in der "FAZ" zugab: "Man kann die Augen vor der Gefahr nicht verschließen. Die Analyse ist klar und eindeutig. Damit gilt es sich auseinanderzusetzen."

Klar ist: Gegen Stuttgart muss der freie Fall gestoppt werden, sonst droht auch Skibbe, nach der Posse um die zurückgenommene Suspendierung von Ioannis Amanatidis geschwächt, der Verlust seines Jobs.

13. 1. FC Köln (26, -12)

Als Frank Schaefer vor dem 10. Spieltag den Trainerposten des entlassenen Zvonimir Soldo übernahm, stand der FC mit fünf Punkten auf dem letzten Platz.

Schaefer holte 21 Punkte aus 14 Spielen, machte Lukas Podolski zum Kapitän und aus einem lustlosen und verängstigten Haufen eine schlagkräftige und selbstbewusste Truppe.

Sollte am Samstag gegen Freiburg der fünfte Heimsieg in Folge, wäre ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt geschafft.

14. Werder Bremen (24, -20)

Noch nie in der laufenden Spielzeit war Werder besser als auf Platz neun, von den vergangenen fünf Spielen verlor Werder drei.

Der Abgang von Mesut Özil hat eine viel größere Lücke hinterlassen, als es sich die Verantwortlichen eingestehen wollten. Die Zugänge (Marko Arnautovic, Mikael Silvestre, Denni Avdic) blieben weit hinter den Erwartungen zurück, Hugo Almeida wurde ohne Not nach Istanbul verscherbelt, Claudio Pizarro ist verletzt.

Aber vor allem die Defensive bereitet Sorgen. Per Mertesacker ist seit Monaten ein Schatten seiner selbst, Sebastian Prödl als Vertreter des dauerverletzten Naldo überfordert.

15. VfL Wolfsburg (23, -6)

Den Star verkauft, den Trainer gefeuert, den Abgrund vor den Füßen: Auch die Trennung von Ex-Coach Steve McClaren hat bisher nichts Zählbares gebracht.

Beim 1:2 in Freiburg zeigte sich das Team von Trainer Pierre Littbarski zwar verbessert, aber nach der vierten Niederlage in Folge ist das Freitagsspiel gegen Mönchengladbach bereits eine Schicksalspartie.

Dann wird auch der angeschlagene Patrick Helmes, als Nachfolger für den an Manchester City verkauften Edin Dzeko aus Leverkusen gekommen und Torschütze in Freiburg, wohl wieder dabei sein.

16. 1. FC Kaiserslautern (23, -6)

Seit sechs Spielen ist der Aufsteiger nun schon ohne Sieg, doch beim 1:1 gegen Dortmund zeigte das Team von Trainer Marco Kurz eine starke kämpferische Leistung.

Panik bricht daher in der Pfalz nicht aus. Vorstandsboss Stefan Kuntz stärkte Kurz am Sonntag im SPORT1-Doppelpass und sprach dem Coach eine Jobgarantie aus.

"Ich sage Stand heute, dass wir auf jeden Fall mit Marco Kurz die Saison beenden. Es ist überhaupt gar kein Thema, weil er aus dem, was wir als Verein ihm zur Verfügung stellen konnten, auch mit Abstand das Beste herausholt."

An Srdjan Lakic scheinen die Begleitumstände seines Wechsels nach Wolfsburg nicht spurlos vorbeigegangen zu sein. Wenn der Torjäger endlich seine Flaute beendet, wird der FCK zumindest den direkten Abstieg vermeiden.

17. VfB Stuttgart (19, -7)

Bei den Schwaben hat der Trainerwechsel bisher nicht den erhofften durchschlagenden Erfolg gebracht: Zwei Siege, ein Unentschieden, vier Niederlagen stehen für Bruno Labbadia in der Liga zu Buche.

Beim 2:4 in Leverkusen zeigte Labbadias Elf phasenweise sehr gute Ansätze, an die sie in Frankfurt anknüpfen muss. Wenn die Mannschaft aber auf Dauer ihr Potenzial ausschöpft, schafft sie den Klassenerhalt.

18. Borussia Mönchengladbach (19, -23)

Viel besser hätte der Einstand von Lucien Favre nicht ausfallen können. Das 2:1 gegen Schalke war ein verdient und zugleich der lange ersehnte erste Heimsieg der Saison.

"Natürlich bringt ein neuer Trainer neue Impulse. Das war wichtig für uns", sagte Marco Reus, der das 1:1 erzielte. Auch Siegtorschütze Mo Idrissou zeigte sich nach nicht einmal einer Woche gemeinsamer Arbeit mit Favre begeistert: "Er hat mir das Selbstvertrauen zurückgegeben."

Für die Borussia stehen mit den Spielen in Wolfsburg, gegen Hoffenheim, in Bremen und gegen Kaiserslautern die Wochen der Wahrheit an.

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