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Jens Lehmann sorgte auch während seiner aktiven Zeit immer für Gesprächsstoff © getty

Der ehemalige Torhüter stellt die Einstellung des Bayern-Stars in Frage. Auch der Abwehr der Münchner mangele es an Qualität.

Von Daniel Rathjen

München - Als aktiver Profi war er verbissen und ehrgeizig.

Jens Lehmann war ein Heißsporn, achtete jedoch stets auf seinen Körper.

Nur dank seiner professionellen Einstellung war er auch mit 40 Jahren noch wertvoll für den VfB Stuttgart, ehe er im Sommer 2010 seine Karriere beendete.

Seitdem arbeitet er als TV-Experte und vertritt seine Meinung weiterhin mit klaren Worten - auch beim "Sky"-Mediengespräch in München sprach er Klartext.

Der ehemalige Nationalkeeper, der auch für Schalke, den AC Mailand, Borussia Dortmund und Arsenal London spielte, äußert sich zur Champions League, Bayerns Chancen gegen Inter, Thomas Kraft und der königsblauen Krise.

Jens Lehmann über...

Bayerns Rachegelüste gegen Inter:

"Es wird eine große Herausforderung - für beide Teams. Die Mannschaft, die verloren hat, ist meistens ein Stück mehr motiviert.

Es sind zwar nicht die gleichen Spieler wie im Mai beim Champions-League-Finale, aber doch ein Großteil davon.

Von daher glaube ich, dass Bayern einen kleinen Vorteil hat und dass sie letztlich weiterkommen."

den Abstand zur Weltspitze:

"Arsenal und Barcelona sind technisch die besten Mannschaften, die es gibt auf der Welt. Das ist der Maßstab.

Barcelona hat ein System, was schon seit 15, 20 Jahren geübt wird, Arsenal hat seine Philosophie unter Arsene Wenger ebenfalls mehr als zehn Jahre einstudiert.

Das kann ein Louis van Gaal in 20 Monaten beim FC Bayern nicht aufholen."

"Robbery":

"Die Frage die sich bei Bayern stellt, ist: Wie lange halten Robben und Ribery durch? Vor allem bei Ribery ist ein Fragezeichen hinter dessen Professionalität zu setzen.

Robben halte ich grundsätzlich für gut, er ist einfach nur von Natur aus verletzungsanfälliger."

die "Diva" Ribery:

"Wenn jemand so oft verletzt ist und so oft in der Zeitung mit etwas steht, was nicht unmittelbar zum Fußball zählt, dann würde ich mir als Trainer Gedanken machen.

Ribery wird immer als großer Spieler dargestellt, aber er muss erstmal zeigen, dass er konstant gut spielen kann.

Spieler, die immer zur Verfügung stehen wie ein Gomez, Müller oder Schweinsteiger haben eine größere Wichtigkeit als er."

Bayerns Chance auf die Champions League:

"Es wäre eine große Überraschung. Ich glaube eher, dass sie in dieser Saison keine Chance haben.

Wenn man die Champions League gewinnen will, muss von Anfang bis Ende alles gut laufen. Eine Basis dafür war das ganze Theater in München - unter anderem das um van Gaal und Hoeneß - sicherlich nicht."

die Wackel-Abwehr:

"Gegen Inter wird sich die wahre Stärke des FC Bayern offenbaren. Ob es für das Finale reicht, bleibt abzuwarten, dazu gehört auch eine Menge Glück. Auf jeden Fall sind Zweifel angebracht.

Bayern ist nach vorne hin gut und spielen organisiert - vor allem mit Robben und Ribery. Hinten haben sie in dieser Saison schon viele Gegentore kassiert."

Thomas Kraft:

"Jeder Torwart, der am Anfang seiner Karriere steht, kann Situationen noch nicht gut genug einschätzen.

Ihm unterlaufen Fehler, die erfahrenen Torhütern nicht passiert wären - wie beim Ausgleich in Wolfsburg. Da hat er abgeschaltet. Das sind Anfängerfehler, aber die sind auch normal.

Er muss sich an das Tempo gewöhnen. Seine Präsenz und sein Linienspiel sind dagegen sehr gut."

die Gerüchte um Manuel Neuer:

"Thomas Kraft kann froh sein, dass er einen Trainer wie van Gaal hat, der ihm die Chance gegeben hat, sein Können zu zeigen.

Es ist egal, ob Neuer im Sommer kommt oder nicht, Kraft kann sich auf höchstem Niveau zeigen. Er sollte diese Situation genießen und sich nicht verrückt machen lassen.

Es ist offenbar so, dass van Gaal Kraft haben will. Durch seine Entscheidung, ihn ins Tor zu nehmen, hat er seine Meinung zu einem Neuer-Transfer gezeigt.

Das wiederum ist keine leichte Situation für den Vorstand, die den Spieler holen wollen und für den Spieler selbst, weil der weiß, dass der Trainer ihn eigentlich nicht unbedingt braucht."

van Gaals Perspektive:

"Wenn er die Champions League gewinnt, geht er. Wenn nicht, warum sollte er nicht mehr auf der Bayern-Bank sitzen?"

das Aussterben der Alphatiere:

"Wenn sie genauso viel laufen können wie die jungen Kerle - schön und gut. Aber wenn nicht, dann sind sie nutzlos.

Mannschaften wie Freiburg, Hannover, Mainz haben keine großen Hierarchien. Sie kommen über Teamgeist und Laufbereitschaft. Auf Namen legen die Trainer heutzutage keine Rücksicht mehr, sie entscheiden nach Leistung."

Schalke 04:

"Die Fans hatten hohe Erwartungen an Magath nach der Vizemeisterschaft. Aber er krempelt alles um und sie haben keine Spieler mehr, mit denen sie sich identifizieren - bis auf Manuel Neuer. Und Magaths Facebook-Methoden machen es auch nicht besser.

Noch sind die Champions League und die Aussicht auf das Pokalfinale sind die Beruhigungspillen. Die Saison wird noch schwer."

den Stellenwert der Bundesliga in Europa:

"Von der Spannung, von der Infrastruktur und der Organisation ist die deutsche Liga die beste. Zudem ist sie im Gegensatz zu England noch steigerungsfähig.

Von der Qualität steht die Bundesliga hinter der englischen Liga, weil das Tempo dort noch höher ist. In Spanien gibt es nur zwei Mannschaften - das finde ich etwas langweilig."

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