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Uli Borowka gewann 1992 mit Werder in Lissabon den Europapokal der Pokalsieger © imago

Uli Borowka schimpft bei SPORT1 auf die Mannschaft. Mertesacker hält er für überschätzt, Arnautovic für einen Totalausfall.

Von Nikolai Kube

München - Nach dem 0:4 im Nordderby beim HSV geht bei Werder Bremen die Abstiegsangst um. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Thomas Schaaf zieht die Zügel an. Bei einer Trainingseinheit platzte dem Trainer der Kragen.

"Es ist egal, ob du fünf oder zehn Gegenspieler hast. Du musst den Ball erobern", polterte Schaaf in Richtung Sandro Wagner.

Dicke Luft bei Werder. Und nun legt auch noch Ex-Star Uli Borowka den Finger in die Wunde.

Der ehemalige eisenharte Verteidiger spielte von 1987 bis 1996 gemeinsam mit Schaaf und Sportchef Klaus Allofs für Werder und holte zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege und den Europacup der Pokalsieger.

Bei SPORT1 spricht Borowka jetzt Klartext: "Mir wird Angst und Bange. Die Punkte werden einfach hergeschenkt."

Vor allem mit den vermeintlichen Leistungsträger Per Mertesacker und Torsten Frings rechnet der 48-Jährige ab.

SPORT1: Herr Borowka, schauen Sie eigentlich noch regelmäßig Spiele von Werder im Stadion an?

Uli Borowka: Nein, da gehe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr hin.

SPORT1: Dann leiden Sie also am Fernseher mit?

Borowka: Ja - und dabei wird mir Angst und Bange. Wenn ich die Körpersprache der Spieler sehe: es wird ständig abgewinkt und gemeckert, keiner wehrt sich. Das ist Arbeitsverweigerung! Der ein oder andere versteht nicht, dass es um die Existenz des Vereins geht.

SPORT1: Als Symbolfigur der Krise gilt Per Mertesacker, der beim 0:4 gegen den HSV an drei Gegentoren beteiligt war. Was ist los mit ihm?

Borowka: Was Mertesacker sich da geleistet hat, war fatal. Das war eine grottenschlechte Leistung. Aber er wurde schon immer überschätzt.

SPORT1: Auch Torsten Frings macht derzeit nicht die beste Figur...

Borowka: Richtig. Er ist Kapitän, sollte eine Vorbildfunktion übernehmen. Aber davon ist nichts zu sehen. Die jungen Spieler müssten sich eigentlich an Führungsspielern wie Frings und Mertesacker hochziehen - aber das ist derzeit nicht möglich.

[kaltura id="0_v6fkuuth" class="full_size" title="Werder Wir sind verunsichert "]

SPORT1: Wo liegen die Gründe für diesen Leistungsabfall?

Borowka: Das Gefüge innerhalb der Mannschaft stimmt nicht. Erfahrene Kräfte wie Petri Pasanen oder Daniel Jensen sind nur Mitläufer. Aaron Hunt ebenso. Nicht umsonst sagen sie in Bremen, der bringt immer nur gute Leistungen, wenn es um einen neuen Vertrag geht. Marco Arnautovic ist ein Totalausfall. Silvestre - keine Ahnung, was der da zu suchen hat.

SPORT1: Hat man in Bremen den Abgang von Mesut Özil unterschätzt?

Borowka: Das darf keine Ausrede sein. Özil musste man verkaufen, für den gab es viel Geld. Die Spieler, die aktuell zur Verfügung stehen, sind eigentlich gut genug. Der Ausfall von Naldo wiegt natürlich schwer. Und: Claudio Pizarro muss endlich fit werden. Er kann Werder retten.

SPORT1: Warum hat Bremen in der Winterpause Hugo Almeida abgegeben?

Borowka: Das ist eine Personalie, die kann ich nicht nachvollziehen. Klaus Allofs muss mal erklären, warum er das gemacht hat. Man kann von Almeida halten was man will, aber der hat die Tore gemacht. Nun kann alles richtig böse enden.

SPORT1: Noch ist es aber nicht zu spät. Wie kann der Abstieg vermieden werden?

Borowka: Die Mannschaft sollte sich ein paar Kisten Sprudel holen, sich endlich zusammensetzen und Klartext sprechen. Und dann am Wochenende Leverkusen wegputzen.

SPORT1: Das wird aber eine schwierige Aufgabe. Bayer ist immerhin Tabellenzweiter?

Borowka: Zuletzt wurden die Punkte hergeschenkt, ohne jegliche Gegenwehr. Schönspielerei nützt jetzt nichts mehr. Gegen Leverkusen hilft nur eins: Zweikämpfe gewinnen und vorne die Dinger reinhauen. Ich werde auf alle Fälle die Daumen drücken.

SPORT1: Haben mit Thomas Schaaf und Klaus Allofs noch die richtigen Männer das Sagen?

Borowka: Ja! Die letzten zehn Jahre lief alles bestens, jetzt ist die Karre im Dreck. Die Einkäufe haben nicht eingeschlagen. Aber beide leisten gute Arbeit und sie werden das Ruder herumreißen.

SPORT1: Was hätte ein möglicher Abstieg zu bedeuten?

Borowka: Das wäre eine Katastrophe. Da denke ich aber nicht dran. Werders Ziel muss es sein, zumindest den Relegationsplatz 16 zu erreichen. Es wird nicht leicht. Der Hebel muss jetzt umgelegt werden. Denn auch die anderen Mannschaften da unten kämpfen ums Überleben.

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