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Lucien Favre trainierte von 2007 bis 2009 Hertha, ehe er nun in Gladbach anheuerte © getty

Lucien Favre erklärt im SPORT1-Interview seinen Rettungsplan, freut sich auf Hoeneß und beantwortet die Kritik des "Tigers".

Von Thorsten Mesch

München/Mönchengladbach - Der Weg in die Zweite Liga schien für Borussia Mönchengladbach vorgezeichnet.

Kein einziges Mal hatten die Borussen zu Hause in dieser Saison gewonnen, der Abstand auf die Nichtabstiegsplätze betrug bereits sieben Punkte.

Dann kam Lucien Favre. MIt dem neuen Trainer besiegte der Tabellenletzter vor eigenem Publikum Schalke und plötzlich ist die Hoffnung auf den Klassenerhalt wieder greifbar (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der Schweizer scheint sich in die ungewohnte Rolle als Feuerwehrmann einzufinden.

Im SPORT1-Interview spricht Favre über das Spiel in Wolfsburg (Fr. ab 20 Uhr im LIVE-TICKER), das Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Chef Dieter Hoeneß und die Mission Klassenerhalt.

SPORT1: Herr Favre, das 2:1 gegen Schalke war der erste Heimsieg seit dem 9. April 2010. Glauben Sie, dass zumindest die "Heimspiel-Blockade" der Borussia gelöst ist?

Favre: Ich glaube jedenfalls nicht, dass die Mannschaft denkt, dass sie zu Hause nicht gewinnen kann.

SPORT1: Was hat Sie dazu bewogen, Logan Bailly wieder anstelle von Christofer Heimeroth ins Tor zu stellen? War es nur "Bauchgefühl", wie Sie erklärt haben, oder doch etwas anderes?

Favre: Ich habe mir im Training einen Eindruck gemacht. Die endgültige Entscheidung habe ich dann aber wirklich aus dem Bauch heraus getroffen.

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SPORT1: Auffällig war auch, dass Mohamadou Idrissou und Juan Arango, die wie Bailly unter Ihrem Vorgänger Michael Frontzeck zwischenzeitlich aussortiert waren, stark gespielt haben. Idrissou sagte, Sie hätten ihm "das Selbstvertrauen zurückgegeben". Wie haben Sie das gemacht?

Favre: Soviel ich weiß, waren beide unter meinem Vorgänger nicht aussortiert. Ich habe mit sehr vielen Spielern Gespräche geführt. Wichtig war, dass alle daran glaubten, dass wir Schalke schlagen können und dass sie daran glauben, dass wir den Klassenerhalt schaffen.

SPORT1: Sie werden häufig "Disziplin- und Taktikfanatiker" genannt. Was halten Sie von dieser Bezeichnung?

Favre: Das ist ein Klischee. Disziplin gehört in einer Mannschaftssportart einfach dazu, und taktische Arbeit im Training ist eine ganz wichtige Grundlage für das Spiel. Das ist bei jedem Trainer so. Meine Vorstellung vom Fußball ist, dass man versucht, auf dem Platz Überzahlsituationen zu haben, flach zu spielen, schnell zu spielen, wenn es möglich ist.

SPORT1: Welche Punkte gilt es für Ihr Team noch zu verbessern - besonders mit Blick auf das Spiel in Wolfsburg?

Favre: Wir haben noch genug zu tun. Es gibt viele Details, an denen wir arbeiten müssen. Im Fußball können Details über Sieg oder Niederlage entscheiden - vielleicht auch am Freitag in Wolfsburg.

SPORT1: In Wolfsburg gibt es ein Wiedersehen mit Dieter Hoeneß. Mit ihm zusammen hätten Sie die Berliner Hertha 2009 beinahe in die Champions League geführt. Die Trennung in der folgenden Saison erfolgte nicht gerade im Guten. Freuen Sie sich dennoch auf ein Wiedersehen?

Favre: Ich freue mich darauf, ihn zu sehen. Was damals in Berlin war, ist längst ausgeräumt. Ich habe ein gutes Verhältnis zu Dieter Hoeneß, aber am Freitag will ich gewinnen. Das ist ein ganz wichtiges Spiel - für beide Mannschaften.

SPORT1: Könnte es ein Vorteil für Gladbach sein, dass Wolfsburg als Meister von 2009 vielleicht noch nicht so recht weiß, wie man im Abstiegskampf besteht?

Favre: Das weiß ich nicht.

SPORT1: Stefan Effenberg hat Ihre Ankündigung, auch in der Zweiten Liga zur Verfügung zu stehen, als falsches Signal im Abstiegskampf kritisiert. Was entgegnen Sie dem alten Borussia-Idol?

Favre: Ich bin geholt worden, um mit Borussia den Klassenerhalt zu schaffen, und ich bin überzeugt, dass uns das gelingen kann. Das habe ich auch von Anfang an gesagt. Wenn ich von Journalisten gefragt werde, was passiert, wenn wir es nicht schaffen, dann bekommen sie eine Antwort von mir. Und die lautet, dass wir dann eine Mannschaft aufbauen, die direkt wieder aufsteigen kann.

SPORT1: Effenberg hat zum Thema Klassenerhalt gesagt: "Ich wünsche es mir, aber ich glaube es nicht." Was spricht dafür, dass Effenberg am Ende mit seinem Glauben falsch liegt?

Favre: Ich weiß, dass Stefan Effenberg sich sehr freuen würde, wenn wir es schaffen. Es ist noch ein Drittel der Saison zu spielen, es sind noch 33 Punkte zu vergeben, also ist die Chance, den Abstieg zu vermeiden, nicht unrealistisch.

SPORT1: Gladbach-Legende Berti Vogts hat Sportchef Max Eberl scharf angegriffen und als "Ja-Sager seiner Majestät" (er meinte Präsident Rolf Königs) bezeichnet. Wie gehen Sie damit um? Denken Sie, man sollte auf verdiente ehemalige Spieler zugehen und Rat von ihnen annehmen, zumindest wenn sie konstruktive Kritik üben?

Favre: Konstruktive Kritik ist immer gut. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Ich interessiere mich momentan nur für die Aufgabe, Borussia in der Bundesliga zu halten. Dafür müssen wir unsere Kräfte bündeln.

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