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Sebastian Kehl hat bisher 184 Bundesliga-Spiele für Borussia Dortmund absolviert © imago

Vor dem Spitzenspiel des BVB beim FC Bayern spricht Sebastian Kehl über seine lange Leidenszeit, seine Rückkehr und den Höhenflug.

Von Martin Volkmar

München/Dortmund - Von Münchner Seite wird munter gestichelt, der BVB bleibt dagegen cool vor dem Spitzenspiel am Samstag (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER).

"Ich bin von meinen Eltern zur Bescheidenheit erzogen worden", antwortet Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der "Bild" auf die Verbal-Attacken der Bayern.

Auch durch Bayern-Abwerbeversuche der Spieler lässt sich der Tabellenführer nicht verrückt machen:

"Sicher wird es Versuche geben, uns Spieler abspenstig zu machen. Aber unserere Leistungsträger sind langfristig gebunden. Wir werden sie nicht abgeben. Unsere Spieler wissen, wo sie das beste Gesamtpaket haben", stellt Watzke klar.

Erinnerung an Salihamidzic-Grätsche

Zu den Leistungsträgern beim BVB gehört auch Sebastian Kehl. Nur setzten den Kapitän zuletzt immer wieder Verletzungen außer Gefecht.

Seine Leidenszeit begann ausgerechnet in München: Beim Auftaktspiel der Saison 2006/2007 erwischte der damalige Bayern-Spieler Hasan Salihamidzic den BVB-Dampfmacher mit einer bösen Grätsche.

Die daraus resultierende Fleischwunde war der Beginn der Verletzungsmisere für den mittlerweile 31-Jährigen. Seit dieser Partie stand Kehl nur noch in 56 von 158 möglichen Partien auf den Platz.

Neues Unheil gegen Karpaty Lwiw

Nach gutem Start in die aktuelle Saison schien er wieder in der Spur und stand in den ersten drei Bundesligapartien in der Startelf.

Vor dem Spiel in der Europa League bei Karpaty Lwiw zog sich Kehl dann einen Riss im Sehnenansatz des linken Hüftbeugemuskels zu - und fiel seitdem erneut aus.

Doch rechtzeitig zum Kracher am Samstag ist der Routinier wieder fit. Im SPORT1-Interview spricht Kehl über seine Leidenszeit, eine mögliche Rückkehr in der Kader und den Höhenflug der BVB-Elf.

SPORT1: Wie geht es Ihnen nach Ihrer langen Pause?

Sebastian Kehl: Ich fühle mich wieder gut. Ich bin jetzt seit drei Wochen wieder voll im Mannschaftstraining und konnte in der zweiten Mannschaft auch wieder Spielpraxis sammeln.

SPORT1: Wann sehen wir Sie denn wieder bei 100 Prozent?

Kehl: Es ist klar, dass ich nach so langer Zeit Aufholbedarf habe, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich taste mich über jede Trainingseinheit und jedes Spiel Schritt für Schritt an meine Form heran.

[kaltura id="0_7sasoe87" class="full_size" title="Weidenfeller Entwarnung beim BVB"]

SPORT1: Hoffen Sie bereits auf einen Einsatz in München?

Kehl: Ob ich im Kader bin, habe ich mit dem Trainer noch nicht besprochen. Das kann sich auch kurzfristig entscheiden. Aber natürlich ist es mein Ziel, so schnell wie möglich wieder dabei zu sein. Ich weiß aber auch, dass ich aufgrund meiner langen Verletzung noch Zeit brauche.

SPORT1: Es war nicht Ihr erster langfristiger Ausfall. Haben Sie zwischendurch gezweifelt, ob Sie noch mal den Weg zurück schaffen?

Kehl: Besonders in der Anfangszeit gab es sicherlich ein paar Tage, an denen ich nicht so optimistisch war, sondern sehr traurig und enttäuscht. Ich kann auch nicht verhehlen, dass ich mir gerade durch die Vielzahl der Verletzungen öfter die Frage nach dem Warum gestellt habe und wie es weitergeht. Aber diese Gedanken habe ich schnell wieder verworfen. Ich bin ehrgeizig genug, um den Blick immer wieder nach vorne zu richten.

SPORT1: Wie schwer wird es für Sie, Sven Bender oder Nuri Sahin wieder aus der Startelf zu verdrängen?

Kehl: Die Jungs haben das bisher hervorragend gemacht. Für mich geht es jetzt erstmal darum, eine gute Fitness und Form zu bekommen. Dann werde ich mich mit Leistung wieder aufdrängen und versuchen, meinen Platz zurück zu erobern.

SPORT1: Sie haben den Dortmunder Höhenflug von außen verfolgt. Waren Sie überrascht, dass die Mannschaft so aufgetrumpft hat?

Kehl: Wir stehen nicht überraschend da vorne. Wir haben bereits in den letzten Jahren gezeigt, dass wir eine gute Mannschaft und zu Großem fähig sind. Auch da hatten wir Phasen, wo wir überragend gespielt haben. Das haben wir uns einfach erarbeitet. Den momentanen Vorsprung und die Dominanz in der Tabelle hätte ich allerdings auch nicht erwartet, da bin ich ehrlich.

SPORT1: Ist das am Samstag in München die Meisterprüfung für den BVB?

Kehl: Der Begriff Meisterprüfung wäre zu hoch gegriffen. Sicher ist es ein wichtiges Spiel, aber wir haben jede Woche wichtige Spiele. Der Druck gewinnen zu müssen, lastet eher auf Bayern München. Wir fahren hin, um eine gute Leistung zu bringen. Und wenn wir so auftreten wie in den letzten Wochen, haben wir gute Chancen.

SPORT1: Ist es denn denkbar, dass eine hohe Niederlage gegen Bayern der Mannschaft einen psychologischen Knacks geben könnte?

Kehl: Das glaube ich nicht. Auch wenn uns die Medien das bereits nach den zwei Unentschieden gegen Schalke und in Kaiserslautern nachsagen wollten. Dann haben wir St. Pauli wieder in beeindruckender Art und Weise geschlagen. Wir sind sehr gut drauf und lassen uns da auch nicht beeinflussen. Egal was in München passiert, wir gehen unseren Weg. Wir sollten den Fokus nicht zu sehr nur auf dieses Spiel richten.

SPORT1: Aber mit Blick auf die klare Tabellenführung nach zwei Dritteln der Saison können Sie schon verstehen, dass die Leute über den BVB als Meister diskutieren?

Kehl: Selbstverständlich. Es ist normal, dass die Medien begeistert davon sind, wie wir momentan Fußball spielen. Die zehn Punkte Vorsprung nach 23 Spielen sind herausragend. Doch wir wissen, dass wir noch ein paar Spiele gewinnen und ein paar Wege gehen müssen. So stabil wie sich die Mannschaft jedoch präsentiert, ist mir nicht Angst und Bange. Wir sind auf einem richtig guten Weg.

SPORT1: Roman Weidenfeller droht wegen einer Bänderdehnung gegen Bayern auszufallen. Ersatzmann Langerak hat noch keine Bundesligaminute gespielt. Trauen Sie ihm dennoch einen Einsatz zu?

Kehl: Natürlich. Wir haben absolutes Vertrauen in jeden, der von der Bank kommt. Dennoch hoffen wir, dass Roman bis Samstag fit wird. Er ist für uns ein absoluter Rückhalt und Erfolgsgarant.

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