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Volker Finke (M.) war zwischen 1991 und 2007 als Trainer beim SC Freiburg © imago

Für Kölns Sportdirektor gibt es nach einer gefühlten Ewigkeit ein Wiedersehen mit Freiburg. Dessen Sorgen kennt Finke allzu gut.

Köln/Freiburg - An der Seitenlinie stand der weiße Strandkorb, auf dem Platz zauberten die Breisgau-Brasilianer, und Kritik am Trainer kam fast einer Majestätsbeleidigung gleich.

Bei all diesen Erinnerungen an seine 16 Jahre dauernde Amtszeit als Coach des SC Freiburg versucht Volker Finke erst gar nicht, die Bedeutung der Partie zwischen dem 1. FC Köln und seinem Ex-Klub am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) herunterzuspielen.

"Das ist natürlich kein normales Spiel. Das ist der Verein, mit dem ich viele schöne Jahre hatte", sagte Finke. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Als Fan freue ich mich, dass Freiburg in der Bundesliga spielt", so der FC-Sportdirektor vor dem ersten Wiedersehen mit den Freiburgern nach fast vier Jahren zahlreichen Medienvertretern an seinem neuem Arbeitsplatz, dem Geißbockheim.

Fan-Initiative "Wir sind Finke"

Allerdings werden auch Erinnerungen an das unrühmliche Ende der sportlichen Alleinherrschaft Finkes im Breisgau wach.

Nach einer Talfahrt Ende 2006 und dem drohenden Absturz in die Drittklassigkeit beschloss der Klub unter der Führung des im November 2009 gestorbenen Präsidenten Achim Stocker die Trennung vom Studienrat für Sport, Mathematik und Sozialkunde.

Diese Entscheidung spaltete die Fans, es formierte sich eine Initiative unter dem Namen "Wir sind Finke".

Finke dementiert gestörtes Verhältnis

Doch weder diese Gruppe noch der sportliche Aufschwung in der Rückrunde, der fast noch mit dem Bundesliga-Aufstieg geendet hätte, änderten etwas am Abschied Finkes.

Dass das Verhältnis zu Stocker nach den Ereignissen irreparablen Schaden genommen haben soll, bestreitet Finke heute.

"Von dem, was in den Medien berichtet wurde, ist nichts wahr. Da sind dann auch Klischees bedient worden. Wie, ich hätte Präsident Achim Stocker nicht die Hand gegeben. Was ich aber natürlich getan habe", schob Finke auch den Medienvertretern eine Teilschuld zu.

"14 Jahre lang eine tolle Zeit"

"Dann hieß es, ich hätte die Abschiedsblumen verschmäht. Dabei habe ich sie lediglich ganz normal und üblich an Zuschauer weitergegeben. Diese Begleitmusik war nicht schön", sagte der 62-Jährige.

Und weiter: "Denn von den 16 Jahren beim SC hatte ich 14 Jahre eine unglaublich tolle Zeit, geprägt von einer einmaligen Zusammenarbeit mit wenigen Leuten und so kurzen Wegen."

Die angenehm kurzen Wege genießt seit dem Abschied Finkes, der vom März 2009 bis Dezember 2010 den japanischen Erstligisten Urawa Red Diamonds trainierte, Robin Dutt.

Dutt im Eiltempo aus dem Schatten

Der 46-Jährige ist schnell aus dem Schatten seines Vorgängers herausgetreten und darf sich in der laufenden Saison für den überraschenden Erfolg der Freiburger, die derzeit auf dem sechsten Tabellenplatz stehen, feiern lassen.

Lob für Dutt, der am Samstag in seine Geburtsstadt zurückkehrt, gibt es auch von Finke.

"Immer, wenn der SC in der ersten Liga ist, hat er das Optimale herausgeholt. Das ist immer das Prädikat für sehr gute Arbeit. Dieses Jahr ist ein außergewöhnlich gutes, also haben das Trainerteam und der Chef sehr gut gearbeitet", erklärte Finke.

Probleme im Breisgau sind geblieben

Von den aktuellen Freiburger Profis kennt er nur noch Verteidiger Ömer Toprak und Torwart Oliver Baumann aus der SC-Nachwuchsakademie. Was Finke aber noch kennt, sind die Probleme im Breisgau.

Wie zu seiner Zeit beim SC stehen die Leistungsträger auf der Liste von größeren Klubs, auch die Diskussion um einen Stadionneubau ist Finke nicht neu.

"Im Grundsatz hat sich nichts geändert. Ein Papiss Cisse und damals zum Beispiel Sebastian Kehl hilft dem Klub, durch die Transfer-Einnahmen weiterzukommen", sagte Finke: "Auch wenn ich die aktuelle Diskussion dort ums Stadion erlebe, erinnere ich mich ans Jahr 1995 und unseren Plan mit den Stadion-Ausbaustufen. Die Stadion-Problematik gilt bis heute."

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