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Christian Schulz (M.) sicherte 96 mit seinem dritten Saisontor den Sieg © getty

Für Hannover rückt Europa immer näher. Nach dem späten Sieg auf St. Pauli tritt Trainer Slomka trotzdem auf die Euphoriebremse.

Hamburg - Erst wurde gestolpert, dann ein wenig gewurschtelt und am Ende doch noch gewonnen.

Hannover 96 reichen derzeit selbst Minusleistungen zum Pluspunkten. 357096(DIASHOW: Der 24. Spieltag)

Nach dem 1:0 (0:0) beim FC St. Pauli haben die Niedersachsen schon sieben Zähler Vorsprung auf den sechsten Platz. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Einzug in den Europapokal winkt, Trainer Mirko Slomka will aber immer noch nicht so recht zurückgrüßen.

Slomka "lässt sich nicht locken"

"Beim Blick auf die Tabelle habe ich mir schon ein wenig die Augen gerieben. Aber ich lasse mich nicht locken", sagte der 96-Coach.

"Sonst müsste ich sagen, dass es am nächsten Wochenende gegen Bayern München um den Einzug in die Champions League geht."

Ganz falsch würde Slomka mit derartigen Einschätzungen jedoch nicht liegen.

96 so gut wie nie zuvor

Zumal seine Mannschaft scheinbar unaufhaltsam von Rekord zu Rekord eilt. Der Erfolg in Hamburg war bereits der 14. Saisonsieg.

Besser war Hannover in der Bundesliga noch nie. Und es sind noch zehn Partien zu spielen.

Von dem starken Tempo-Fußball des Teams war am Samstag allerdings nichts zu sehen.

"Das Beste daraus gemacht"

"Es war kein gutes Spiel", gestand Kapitän Steven Cherundolo und fasste den ereignislosen Nachmittag treffend zusammen: "Wir haben das Beste daraus gemacht, hinten zu Null gespielt und vorne irgendwie ein Tor geschossen. Eine Chance, drei Punkte."

Anschließend wich der US-Amerikaner sogar für einen Moment von den immer wieder arg zurückhaltend formulierten Ambitionen seines Klubs ab.

"Jetzt wollen wir auch gegen die Bayern gewinnen. Die kommen nach Hannover und müssen uns dort erst einmal schlagen. Sie sind ein Mitkonkurrent für uns und wir haben das nötige Selbstvertrauen", sagte Cherundolo.

Hannover vor Rekordsaison

Offiziell gilt der nächste Rekord derzeit als nächstes Saisonziel. 2007/2008 holte Hannover am Saisonende 49 Punkte.

Jetzt sollen es mehr werden. Dafür fehlen nur noch zwei läppische Siege. Die Erfolgsformel scheint einfach.

"Dortmund, Leverkusen und Bayern sind besser besetzt als wir. Wir können aber mit Kampf, Einsatz und Leidenschaft dagegenhalten. Dann brauchen wir auch noch eine Portion Glück. Gegen St. Pauli hatten wir sie", meinte Abwehrspieler Christian Schulz, der die Partie mit seinem späten Siegtreffer (89.) entschied.

Ya Konan wird vermisst

"Ich habe dieses Tor meiner Ehefrau Natalia versprochen. Und nur Wort gehalten. Eigentlich war es ein typisches 0:0-Spiel."

Lange Zeit hatte es tatsächlich so ausgesehen. Ohne den verletzten Torjäger Didier Ya Konan fehlte es Hannover an Esprit und Durchschlagskraft.

"Didier ist ein ganz wichtiger Spieler für uns. Aber ich bin froh, dass wir als Mannschaft bewiesen haben, dass es auch ohne ihn geht. Jetzt können wir dieses ganze Thema ad acta legen", sagte Schulz.

Schlechte Laune bei St. Pauli

Zuvor hatten die Niedersachsen seit Ya Konans Wechsel im August 2009 alle zehn Spiele ohne den überragenden Ivorer verloren.

In die Feierlichkeiten nach dem Erfolg in Hamburg wurde Ya Konan aber umgehend miteinbezogen. Auf der Rückfahrt gab es einen Anruf aus dem Mannschaftsbus.

Weit weniger fröhlich dürfte das Restwochenende bei St. Pauli verlaufen sein. Zuvor zwei Heimsiege in Folge und der Triumph im Stadtderby beim Hamburger SV waren vergessen.

"Katastrophales Fußballspiel"

"Das war ein katastrophales Fußballspiel. Wir konnten nicht, Hannover wollte nicht. Das war langweilig und schlimm anzuschauen", schimpfte St. Paulis Trainer Holger Stanislawski.

"Normalerweise hätte keine Mannschaft einen Punkt verdient gehabt." Am Sonntag sollte es "eine längere Analyse" der Partie geben.

Sportchef Helmut Schulte wollte die Niederlage jedoch nicht als großen Rückschlag im Abstiegskampf werten.

"Dieses Spiel wird nicht als Leckerbissen in die Bundesliga-Geschichte eingehen. Wir hatten keine Torchance, Hannover kaum mehr. Aber uns wirft das nicht um. Wir werden unsere Punkte noch holen", sagte der Manager.

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