vergrößernverkleinern
Bastian Schweinsteiger besitzt beim FC Bayern einen Vertrag bis 2016 © imago

Nach der Schmach gegen den BVB herrschen Fassungslosigkeit beim FC Bayern. Für die Münchner geht es nur noch um Platz zwei.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Er habe ein rotes Herz, sagte Bastian Schweinsteiger bei seiner Vertragsverlängerung Anfang Dezember.

Jetzt blutet es.

Mit finsterer Miene und schnellen Schrittes eilten er und Holger Badstuber am Samstagabend aus der Allianz Arena.

Es grenzte an eine Flucht. Eine Flucht vor unangenehmen Fragen.

Das 1:3 (1:2) im Prestigeduell gegen den Spitzenreiter Borussia Dortmund war eine Schmach, eine Demütigung. Schmerzhaft für den stolzen FC Bayern.

"Die Meisterschaft haben wir heute definitiv begraben", seufzte Sportdirektor Christian Nerlinger. Und auch der angestrebte zweite Platz rückt wieder weiter weg.

Angst sei das falsche Wort, beteuerte Nerlinger zwar, dennoch sei es kein Selbstläufer: "Wir sind durch die Doppelbelastung in einer schwierigen Situation", mahnte er.

"Wir haben offensichtlich den Schwung aus Mailand nicht mitnehmen können", erkannte Nerlinger.

Müde im Geist

Kapitän Philipp Lahm machte bei LIGA total! einen Erklärungsversuch.

"Unsere Gegentore sind nach Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung gefallen, die nicht passieren dürfen und gegen gute Mannschaften bestraft werden", sah er.

Der Rechtsverteidiger fügte an: "Ich weiß nicht, ob die Mannschaft nicht noch geistig müde war vom Mittwoch. Nur so kann man sich die vielen Fehler in der ersten Halbzeit erklären. Die zweite Hälfte war dann in Ordnung. Wir haben alles versucht."

Wo war die Kompaktheit?

Es war schon kurios, dass nur drei Tage nach dem eindrucksvollen 1:0 gegen Champions-League-Sieger Inter Mailand im Spiel des FC Bayern kaum mehr etwas von der viel gelobten Kompaktheit zu sehen war.

Schweinsteiger (kassierte zudem seine fünfte gelbe Karte) und Badstuber erwischten beide einen rabenschwarzen Tag, leisteten sich kapitale Fehler, und die konsequent vom BVB bearbeitete Flügelzange Arjen Robben und Franck Ribery setzte keinen Stich.

Ausgerechnet "Schweini", ansonsten sehr ballsicher, ermöglichte mit seinem groben Schnitzer das 0:1 durch Lucas Barrios. Badstuber ließ sich vor dem 1:2 tunneln wie ein Amateur. Er wurde zur Halbzeit zu Recht ausgewechselt.

Van Gaal hadert

"Wir waren nicht frisch und haben das auch nicht schlau gemacht", analysierte Trainer Louis van Gaal. Vor allem aber wurde an diesem Abend die Befürchtung genährt, dass den Bayern in dieser Saison die Konstanz einer Top-Mannschaft fehlt.

Die Wochen der Wahrheit werden durch die vor allem psychologisch schwer zu verarbeitende Niederlage aber nicht unbedingt einfacher.

Bereits am Mittwoch gastiert Schalke 04 im Halbfinale des DFB-Pokals in München, bevor am Samstag in Hannover das nächste Endspiel um die Vize-Meisterschaft ansteht.

"Dort müssen wir punkten", sagte Nationalspieler Phillip Lahm und gab angesichts zwei Punkten Rückstands auf die Hannoveraner die Parole aus.

Denn sei Platz zwei und damit die direkte Champions-League-Qualifikation in Gefahr, so hatte Präsident Uli Hoeneß in den letzten Wochen immer wieder betont, sei in München gar nichts mehr sicher: Auch nicht der Job von Trainer van Gaal.

Platz zwei: Kein Selbstläufer

Eine große Saison wie die letzte wird es mit Sicherheit nicht mehr.

16 Punkte Rückstand auf die Dortmunder zumindest sind der Beweis, dass den Bayern die Bezeichnung als beste deutsche Mannschaft momentan nicht zusteht.

"Wir müssen uns nun sicherlich in den nächsten Wochen extrem anstrengen und konzentrieren, dass wir den zweiten Platz erzielen. Das wird kein Selbstläufer", weiß Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel