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Bruno Labbadia trainierte vor dem VfB unter anderem Bayer und den HSV © getty

Die Stuttgarter erzwingen zu zehnt einen Sieg in Frankfurt. Keeper Sven Ulreich wagt einen deftigen Vergleich.

Von Martin Hoffmann

München - Die Selbstkontrolle war für ein paar Momente dahin bei Bruno Labbadia.

Der VfB-Coach sprang vor Freude derart hoch in die Abendluft, dass die Ortungsgeräte des Frankfurter Flughafen-Towers ausschlagen mussten.

Labbadia schien so hoch springen zu wollen, wie sein Gefühl der Befreiung nach dem 2:0-Sieg beim Keller-Duell in Frankfurt in Metern war 357096(DIASHOW: Der 24. Spieltag).

Auf dem Platz stürzten sich zugleich alle auf den unwahrscheinlichen Helden, ohne den der überlebenswichtige Dreier nicht denkbar gewesen wäre: Sven Ulreich (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Ulreichs Wiedergeburt

Ulreich, der drei Tage vorher noch die tragische Figur war. "Tieftraurig" über die Degradierung zur Nummer zwei, die sich wie ein Karriere-Killer für den jungen Keeper anfühlte.

Die Wiedergeburt nach der Verletzung von Marc Ziegler kam im Rekordtempo. Es scheint, als hätte Ulreich gar nichts Besseres passieren können als seine Herunterstufung.

Nachdem er schon gegen Benfica Lissabon beeindruckte, folgte in Frankfurt eine Serie von spielentscheidenden Glanztaten, die vor allem Frankfurts Top-Torjäger Theofanis Gekas vom Glauben abbringen mussten.

"Das gibt es nur auf dem Straßenstrich"

Ulreichs Gemütszustand dagegen hatte sich von der Tiefentrauer endgültig ins Gegenteil verkehrt.

Mit einem launigen Spruch aus dem Fundus von Fernseh-Ekel "Stromberg" beantwortete er die trotz seiner Leistung noch gestellte Frage, ob er nicht zu jung für den Abstiegskampf wäre:

"Jung und erfahren gibt es im Fußball eben nicht. Das gibt es nur auf dem Straßenstrich."

Geistesblitze und Trotz

Etwas gute Laune ist zurück bei den Stuttgartern, die sich mit dem Sieg bis auf zwei Zähler auf den Relegationsplatz 16 herankämpften.

Und die es als Triumph der Moral verbuchen dürfen, sich die drei Zähler mit zehn Mann gegen teils drückend überlegene Frankfurter erarbeitet zu haben.

Dank Ulreich, den Geistesblitzen vor den Toren von Martin Harnik und Tamas Hajnal und dem Trotz nach dem frühen Platzverweis gegen Kapitän Matthieu Delpierre.

Franz sorgt für Ärger

"Jetzt gewinnen wir das Ding für Matthieu", hätten sich die Spieler laut Labbadia in der Kabine geschworen.

Was etwas pathetisch klang dafür, dass Delpierre nicht unverschuldet in Not geraten war, sondern sich von Maik Franz zu einer plumpen Tätlichkeit verleiten hatte lassen.

Der war ihm zuvor beim Positionskampf in der Freistoßmauer auf den Fuß gestiegen, "aus Versehen", wie er bei LIGA total! beteuerte. Was Labbadia aber nicht glaubte: "Da erübrigt sich jedes Wort."

"Delpierre darf sich nicht verleiten lassen"

Und Sportdirektor Fredi Bobic lästerte: "Wir kennen Maik Franz ja. Er hat Delpierre mit dem Stollen auf den Fuß getreten. Das ist schon sehr schmerzhaft. Natürlich darf sich auch Delpierre nicht verleiten lassen, aber das war ein Reflex. Stark hätte beide Spieler vom Platz stellen müssen."

Für zusätzliche Aufregung sorgte in dieser Situation auch ein Fehlgriff von Schiedsrichter Wolfgang Stark.

Der Schiedsrichter stellte erst Boulahrouz vom Feld, ehe dann doch Delpierre gehen musste. Franz sah indes nur die Gelbe Karte.

30 Torchancen vertan

Die Krise der Frankfurter hat sich durch das Schauspiel gegen Stuttgart in eine neue Sphäre bewegt. Der Abstiegskampf ist endgültig da nach der vierten Heimpleite in Folge und dem siebten Spiel ohne Treffer.

Frankfurt ist weiter das einzige Bundesliga-Team ohne ein Tor im Kalenderjahr 2011.

Und die Art und Weise, wie ihnen auch diesmal ein Treffer misslang, legt den Schluss nahe, dass die Serie bis zur Zündung der Silvesterkracher bestehen bleibt.

30 (!) teils beste Gelegenheiten ließ die Mannschaft von Michael Skibbe ungenutzt.

Es war eine Vorführung, nach der manch ein Fan hoffen musste, nach Abpfiff würde Guido Cantz mit der versteckten Kamera aus den Katakomben auftauchen: Zu irreal und absurd wirkte es, dass in diesem Spiel kein Tor für Frankfurt fallen mochte.

"Wie verhext"

"Wie verhext" war es, ein Gedanke der sowohl Skibbe als auch dem beim 0:1 unglücklich agierenden Keeper Ralf Fährmann in den Sinn fuhr.

Und der Hexer, der den Torlos-Bann über die Frankfurter Offensive gelegt hat, versteht sein Handwerk offenbar beängstigend gut.

Drei Punkte ist Rang 16 nur noch weg ? und zu dessen Inhaber Kaiserslautern muss Frankfurt in der kommenden Woche.

Marco Russ weiß, wie vor diesem Duell die Lage aussieht: "Wenn wir so weitermachen, dann können wir uns direkt das Bahnticket für die zweite Liga besorgen."

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