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Erlebt schwere Zeiten auf Schalke: Felix Magath (r., mit Bernd Hollerbach) © getty

Mit dem Geständnis, nicht "volle Pulle" gespielt zu haben, bringt sich Schalkes Coach immer mehr in die Bredouille.

Von Christian Paschwitz

München - Allmählich wird's bedenklich für Felix Magath.

Nicht nur, dass dem Trainer des FC Schalke 04 schon vor dem dürftigen 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg die höchst gereizte Stimmungslage der Fans entgegenschlug.

Auf großen Transparenten verhöhnte ein nach unten zeigender Facebook-Daumen ("Felix: Gefällt uns nicht mehr?) Magath, in Anspielung auf dessen Charme-Offensive im Internet-Netzwerk.

Nach dem Club-Spiel nun gerät der 57-Jährige erst richtig in die Schusslinie seiner Kritiker. Weil Magath die königsblauen Anhänger einmal mehr vor den Kopf stößt.

"Gut, nicht von Anfang an Vollgas zu geben"

"Wir haben gut daran getan, nicht von Anfang an Vollgas zu geben, sondern verhalten zu beginnen, denn wir haben am Mittwoch ein schweres Pokalspiel in München?, sagte der Coach und verteidigte damit den Langweiler-Auftritt in Halbzeit eins.

In den Ohren der Fans klingt das wie Hohn und das Eingeständnis, ihre Mannschaft habe die restliche Saison in der Bundesliga offensichtlich schon längst abgehakt.

Tatsächlich geht es für Schalke als Tabellen-Zehnter zehn Spiele vor Schluss um nichts mehr. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kräfte geschont - Reputation ramponiert

Dass Königsblau die Kräfte schont für das DFB-Pokal-Halbfinale beim FC Bayern (Mi., 20 Uhr im LIVE-TICKER) sowie das Champions-League-Achtelfinale gegen Valencia (Rückspiel am 9. März) mag für Magath legitim sein.

Seiner ohnehin schon arg ramponierte Reputation auf Königsblau ist es allerdings alles andere als zuträglich.

Bemerkenswert: Auch innerhalb der Mannschaft hat sich Magath wenig beliebt gemacht, offenbar nur noch den Wettbewerben jenseits der Liga volle Aufmerksamkeit zu schenken. 357096(DIASHOW: Der 24. Spieltag)

[kaltura id="0_z4d2mzis" class="full_size" title="Magath: "Neuer ist unverkäuflich""]

Neuer und Metzelder sehen es anders

"In der Arena müssen wir von Anfang an ganz anders auftreten. Durch die schwache Bundesliga-Saison ist die Stimmung im ganzen Verein schlecht", sagte etwa Manuel Neuer und verdeutlichte damit, wie aufgeladen die Atmosphäre bei den Knappen inzwischen ist.

Auch Christoph Metzelder motzte: "Das war unterm Strich wieder zu wenig." Und der Abwehrchef ergänzte vielsagend: "Ich bin kein Fantast zu glauben, dass wir die Champions League gewinnen."

Im Pokal-Halbfinale greift Schalke demnach nach dem letzten Strohhalm, sich erneut fürs internationale Geschäft zu qualifizieren.

Kluge beißt auf die Zähne

Contraire zu Magaths Schonungscredo will dann auch Peer Kluge wieder auf die Zähne beißen, der gegen Nürnberg trotz Bänder- und Faserriss einer der seltenen Schalker Lichtblicke war.

Fraglich ist dafür erneut der Einsatz von Jefferson Farfan und der von Sergio Escudero, der sich nach einer missglückten Rettungstat ebenfalls mit Adduktoren-Problemen plagt.

Weil zudem Lukas Schmitz seit Wochen unter Form agiert, ist unklar, wer Bayerns Arjen Robben auf Schalkes linker Abwehrseite stoppen soll.

Fan-Versöhnung höchst fraglich

Wer und wie auch immer: Schalkes Fans scheinen mit Magath ohnehin kaum noch zu versöhnen sein.

Zu groß wirkt der Bruch zwischen dem Allmachtsmensch Magath und den Anhängern, der seinen Ursprung schon im Sommer fand, als der langjährige Fan-Beauftragte Rolf Rojek entlassen wurde.

Für Zündstoff sorgte Magath nicht zuletzt auch in der Winterpause mit den überraschenden Verpflichtungen der arbeitslosen Alt-Profis Angelos Charisteas und Ali Karimi, die seither nicht in Erscheinung getreten sind.

Sprung zu Red Bull Salzburg?

In diesem Licht erscheinen auch die sich hartnäckig haltenden Gerüchte um das Ende von Magaths Regentschaft am Saisonende keineswegs mehr abwegig.

Erst in der Vorwoche hatte die Zeitung "Österreich" Magath einmal mehr mit Red Bull Salzburg in Verbindung gebracht:

In der Mozart-Stadt steht derzeit der frühere Schalke-Coach Huub Stevens in der Kritik, da der Dauermeister der vergangenen Jahre derzeit nur auf dem vierten Platz liegt.

Befreundet mit Mateschitz

Erwähnenswert: Zwischen Magath und Salzburgs Klub-Mäzen Dietrich Mateschitz hatte es schon im Sommer Sondierungsgespräche gegeben.

Der Milliardär hätte auch das nötige Kleingeld, um Magath aus dessen bis 2013 laufenden Vertrag loszueisen.

Und Magath wiederum, dessen Familie nach wie vor in München wohnt, hätte es nicht mehr allzu weit zum Arbeitsplatz in Salzburg.

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