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Dieter Hecking ist seit September 2006 Trainer in Hannover © getty

96-Präsident Martin Kind spricht vom "besten Kader" seit Jahren. Die Fans träumen insgeheim weiter vom Uefa-Cup.

Von Michael Schulz

München - Der Beginn der Bundesliga-Saison 2008/2009 rückt näher. Sport1.de stellt alle 18 Teams vor. Dieses Mal: Hannover 96.

Einen "schlafenden Riesen" wollte 96-Sportdirektor Christian Hochstätter letzte Saison in Hannover wecken. Gelungen ist es dem 44-Jährigen in Zusammenarbeit mit Trainer Dieter Hecking nur zum Teil.

Die Niedersachsen landeten als Achter erstmals seit dem Aufstieg 2002 auf einem einstelligen Tabellenplatz. Zudem wurde mit 49 Punkten das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte der letzten 40 Jahre eingefahren.

Doch der Klub verfehlte mit einer durchschnittlichen Rückrunde (22 Punkte) erneut die Teilnahme an den europäischen Wettbewerben. Dabei waren es vor der Winterpause nur zwei Zähler Rückstand auf den 6. Rang.

Nur ein Sieg gegen Top-Teams

Doch Hannover konnte nur eine Top-Mannschaft daheim schlagen (Werder Bremen mit 4:3) und offenbarte Schwächen in der Defensive um Kapitän und Keeper Robert Enke.

Mit 56 Gegentreffern war die Hecking-Elf das fünftschlechteste Team hinter Borussia Dortmund (62), Arminia Bielefeld (60), VfB Stuttgart (57) und Energie Cottbus (56).

Dennoch ist Hochstätter nicht unzufrieden. "Darauf kann man aufbauen und deshalb gehen wir auch selbstbewusst in die Saison", erklärte der 96-Sportdirektor bei Sport1.de

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Wer ist neu?

Hannover hat zwar einige Spieler abgegeben. Doch Vahid Hashemian (VfL Bochum), Benjamin Lauth (1860 München), Dariusz Zuraw (Arka Gdynia), Thomas Brdaric (Karriereende) und Sören Halfar (SC Paderborn) waren keine Stammspieler.

Dafür investierte der Verein in Stürmer Jan Schlaudraff (FC Bayern/2,5 Millionen Euro Ablöse) und den Schweizer Nationalverteidiger Mario Eggimann vom Karlsruher SC (1,5 Millionen).

Der dritte Hochkaräter Mikael Forssell (Birmingham City) kam ablösefrei an die Leine und zeigte in der Vorbereitung einige Male seine Torjägerqualitäten.

Hinzu kamen noch einige Nachwuchskräfte aus der eigenen Jugend sowie U 21-Keeper Florian Fromlowitz vom 1. FC Kaiserslautern und Leon Balogun (Türkiyemspor Berlin).

Wer ist der Hoffnungsträger?

Das neue Stürmerduo Schlaudraff und Forssell soll dafür sorgen, dass die gegnerische Abwehr mehr beschäftigt wird als die eigene Hintermannschaft. Daher möchte Trainer Hecking auch während des Spiels zwischen den taktischen Systemen 4-4-2 und 4-2-3-1 variieren.

Außerdem erhöhen die Neuzugänge den Druck auf die arrivierten Kräfte wie Angreifer Mike Hanke und die Abwehr um den Ex-Bayern Valerien Ismael.

So liefert sich Eggimann in der Innenverteidigung ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Vinicius und der Brasilianer scheint sich von der Tribüne in die Stammelf gespielt zu haben. "Er ist sehr gut mit der Konkurrenzsituation umgegangen, wirkt stabil", lobt Hecking Vinicius.

Wie ist die Stimmung?

Schwer wiegt der Ausfall von Routinier Michael Tarnat, der mit einem Muskelbündelriss drei Monate ausfällt. Einen weiteren Spieler will 96 aber nicht verpflichten, weil, so Klubchef Martin Kind, "wir bei den Transfers an unsere Grenzen gegangen sind".

Die "Roten" machten in der Vorbereitung unter anderem mit einem 1:1 gegen FC Porto und einem 3:1 zum Abschluss gegen Hertha BSC auf sich aufmerksam.

Kind spricht gar vom "besten Kader" seit langem und die Fans träumen nach dem Pokalsieg 1992 insgeheim weiter vom Uefa-Cup.

Was sind die Ziele?

Vorbei sind an der Leine die Konflikte zwischen sportlicher Leitung und Präsidium. Kind ist begeistert: "Die richtigen Leute für ein Konzept zu finden, ist die eigentliche Kunst. Diese haben wir jetzt mit Hecking und Hochstätter."

Der 64-Jährige möchte mit dem Duo nach seinem "Vorbildverein Werder Bremen" eine hohe Kontinuität in der Führung gewährleisten und ihre laufende Verträge vorzeitig bis 2012 verlängern.

Unterschiedlich sind die Saisonziele. "Uns schwebt vor, die Lücke zu den ersten Sechs der Tabelle zu verkleinern, um mittel- und langfristig da oben mitzumischen", sagte Hochstätter bei Sport1.de. Und Kind nennt "sieben bis zehn" als realistisch.

Offensiver gibt sich Hecking. "UEFA-Cup ? diese Aussage steht", erklärt der 43-Jährige: "Wir sind da, wenn höher angesiedelte Klubs schwächeln."

Sport1-Prognose:

Hannover hat sich in der Offensive verstärkt, doch mit 54 Toren waren die 96-er letzte Saison siebtbestes Team.

Es wird schwer, das Vorjahresergebnis zu wiederholen, denn der VfL Bochum oder Aufsteiger 1. FC Köln haben deutlich mehr investiert als die Niedersachsen.

Doch insgesamt ist der Kader besser aufgestellt und der 7. Platz sollte für Hannover machbar sein.

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