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Philipp Lahm wurde mit Deutschland 2006 und 2010 WM-Dritter © getty

Die BVB-Klatsche schockt die Bayern, die Nationalspieler üben vor der Schalke-Partie Kritik an der Spielweise - und an van Gaal?

Vom FC Bayern berichtet Andreas Berten

München - Was ist bloß aus "Mia san mia" geworden?

Dem Gefühl beim FC Bayern: Wo wir sind, ist vorne - und danach kommt erstmal lange Zeit nichts.

Aus dem eigenen Leitmotiv hat der Rekordmeister in dieser Saison ein Leidmotiv gemacht. Das Team von Louis van Gaal kränkelt an scheinbar unreparierbarer Inkonstanz.

Nicht umsonst beklagte Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem 1:3 gegen Borussia Dortmund einen "Imageverlust". (DATENCENTER: Bundesliga)

Umso dringlicher sind da die mahnenden Worte von Kapitän Philipp Lahm vor dem Halbfinale im DFB-Pokal am Mittwoch gegen Schalke 04 (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER): "Wir müssen unseren Spielaufbau überdenken und uns überlegen: Wie viel Risiko können wir in unserer Situation gehen?"

"Müssen auch mal das Risiko scheuen"

Eine volle Breitseite in Richtung Louis van Gaal.

Zwar räumte der Bayern-Kapitän ein, dass das gesamte Team nicht zu offensiv ausgerichtet sei. Aber zwischen den Zeilen liest sich eben doch eine Trainer-Kritik heraus:

"Wir machen uns in vielen Bereichen das Leben selbst schwer, müssen auch mal das Risiko scheuen und dafür richtig klären." Ein Vorgehensweise, die in der van Gaalschen Trainer-Philosophie keine große Bedeutung einnimmt.

Lahm: Den Ball auch mal raushauen

Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle lautet dagegen die Devise des Bayern-Coachs. Zu oft ist der FC Bayern damit allerdings in dieser Saison schon nicht gut gefahren.

Der Fehler von Bastian Schweinsteiger vor dem ersten Gegentor gegen Borussia Dortmund am Samstag fügt Lahm als exemplarisch an: "Wir haben zu viele Tore kassiert, Spiele verloren, weil wir im eigenen Spielaufbau Fehler machen."

Stattdessen müsse es auch möglich sein, den Ball mal lang herauszuspielen, nach dem Kopfball auf die zweite Chance zu lauern und dann die Offensivaktion einzuleiten.

[kaltura id="0_ehamn4fa" class="full_size" title="Lahm BVB muss sich noch beweisen "]

Ist der Trainer noch der König?

Mit Thomas Müller tritt Lahm ein Nationalspieler zur Seite.

Der 21-Jährige sagt, "es ist nicht unsere Pflicht, das Spiel vom Torwart bis zum Stürmer zu machen" und dabei "nur Fünf-Meter-Pässe" zu spielen. Dortmund habe dem FC Bayern vorgemacht, wie man effizient spielt.

Müller betont: "Vor zwei Tagen war der Trainer noch der König, da gab es niemanden, der beim Bankett nicht gelacht hat. Daher ist es übertrieben, dass jetzt wieder alles schlecht ist."

Nach zwei, drei guten Spielen folge aber immer wieder ein Dämpfer. Und der ist oft selbst verschuldet: "Leichte Gegentreffer haben uns schon öfters aus der Bahn geworfen."

Bayern muss ins Finale

Die Kritik wird beim Trainer kaum gut ankommen. Wer ihn nach taktischen Veränderungen befragt, wird van Gaal zumeist abgekanzelt. "Bei uns Spielern ist er da auch dünnhäutig", so Müller.

Den Sieg gegen Hoffenheim nennt er als Maßstab: "Da haben wir tiefer gestanden und nicht so viel Ballbesitz. Wir müssen als Mannschaft verteidigen, uns gegenseitig unterstützen."

Dass der Noch-Meister aber auch immer zur Trotzreaktion im Hurra-Stil in der Lage sei, nehmen Müller und Lahm zum Anlass, am Mittwoch mit einem Sieg zu rechnen. "Da geht es um alles oder nichts", sagt Lahm, "aber wir müssen ins Finale".

Champions League als "härtere Nuss"

Was der Bayern-Kapitän nämlich auch sagt und in Gelsenkirchen gar nicht gerne gehört wird: "Dortmund ist besser als Schalke."

Lahm stuft wie Rummenigge die Situation allerdings als "gefährlich" ein. Es ist nicht undenkbar, dass der titelverwöhnte FC Bayern in diesem Jahr völlig leer ausgeht.

"Am Pokal sind wir am nähesten dran", fordert Müller daher einen Sieg über Schalke, "in der Champions League ist es eine härtere Nuss, da etwas zu gewinnen."

Von den Königsblauen erwartet er, dass sie "kratzen, beißen und kämpfen" werden. Wie sich Müller und Co. dagegen zu wehren haben, wissen sie noch - aus den besseren "Mia san mia"-Zeiten.

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