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Lotto King Karl (r) plaudert mit Sport1.de-Redakteur Christian Paschwitz über den HSV © SPORT1

Im zweiten Teil des Interviews erklärt Lotto King Karl, was Edmund Stoiber und Boris Becker dem HSV voraus haben.

Von Christian Paschwitz

München - Andi Brehme und Sergej Barbarez als Galionsfiguren beim HSV?

Lotto King Karl fände das spitze - und verweist ausnahmsweise auch mal positiv auf den FC Bayern: Ob nun Helmut Markwort, Edmund Stoiber und Boris Becker - dem HSV-Aufsichtsrat haben sie in München offenbar einiges voraus.

Hinterher hinken für den 41-Jährigen im Moment dafür die Schiedsrichter in der Bundesliga.

Im zweiten Teil des Interviews der Woche spricht Lotto außerdem darüber, warum eine weitere Funktion beim HSV für ihn nicht in Frage kommt.

Sport1.de: Was nervt am Fußball momentan?

Lotto King Karl: Bei den Schiedsrichtern müsste sich was ändern. Das was auf dem Fußballplatz passiert, passiert auch in der Gesellschaft. Wenn die Schiedsrichter schon ins Stadion kommen, kann ich dir nach Schulnoten sagen, wie gut die sind. Ich liege damit sehr selten falsch. Bei einigen ist da auf dem Platz so ein Autoritätsgehabe.

So was habe ich schon bei der Bundeswehr für überholt empfunden. Und dazu kommt nun, dass einige der Schiedsrichter noch Teenager waren, als ich bei der Bundeswehr war. Insofern müsste man sagen: Die müssten eigentlich längst darüber hinweg sein.

Sport1.de: Aha...

Lotto King Karl: Auch diese Nummer mit Kloppo, Robert Kovac und Labbadia - so krass war das nicht. Ich habe in den 80ern Basketball gespielt: Was da an Trash und Dirty Talk unter den Körben stattgefunden hat? und da gibt's zwei Schiedsrichter und nur zehn Spieler.

Und das Feld ist viel kleiner. Da ist es lächerlich, was teilweise heute passiert. Andererseits sind es auch Sportler und Vorbilder: Und irgendwann mal muss sich diese Fußballerwelt vielleicht der realen Welt angleichen - wie man in ihr da so wahrgenommen wird.

Sport1.de: Hmm...

Lotto King Karl: Aber damit tut man sich schwer, weil es eben auch immer mit Herzblut zu tun hat. Wenn man sich so lang im Fußball engagiert, da kann man den Leuten in ihren Umgangsformen nicht einfach so sagen: So, ändert das jetzt mal einfach so.

Sport1.de: Zurück nach Hamburg: Braucht der HSV vielleicht neue Vorbilder, eine Galionsfigur?

Lotto King Karl: Ich habe das ja immer besungen: Andi, komm zum HSV, wir holen den UEFA-Cup. Und Andi Brehme wäre dann endlich bei uns. Genauso könnte das mit Sergej Barbarez laufen. München macht das offensiver.

Sport1.de: Was jetzt konkret?

Lotto King Karl: Schauen wir uns doch mal diese Situation an: Wer sitzt bei Bayern im Aufsichtsrat, über den nicht diskutiert wird? Und wer sitzt da beim HSV, über den diskutiert wird? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Helmut Markwort, Edmund Stoiber und Boris Becker im Aufsichtsrat bei Bayern sitzen, weil die jeden Abend zusammen einen saufen gehen.

Da hat man es tatsächlich geschafft, dass es den Leuten um die Sache geht. Und zwar aus den unterschiedlichsten Ecken. Und statt sich vorzuwerfen, was der eine nicht weiß, geht es darum, Stärken zu bündeln. Und bei so was ist alles erlaubt. Wie gesagt: Wenn du mit der Diddlmaus im Bett am nächsten Tag besser spielst, dann nimm lieber zwei mit. Und mach 'nen flotten Dreier?

Sport1.de: Im Moment scheint es eher, dass jeder gegen jeden wurschtelt. Die HSV-Supporter arbeiten kräftig gegen den Vorstand.

Lotto King Karl: Generell darf man dabei aber nicht vergessen: Ein Aufsichtsrat kontrolliert eine Firma, die dreistellige Millionenumsätze im Jahr macht. Da sind echt Fachleute gefordert.

Und wenn man mal zehn Jahre zurückblickt: Huub Stevens war der erste Trainer nach Ernst Happel, der seinen Vertrag beendet hat. Und das ja auch in der Ära Bernd Hoffmann (HSV-Vorstandschef, Anm. d.R.). Das war vorher 25 Jahre nicht der Fall. Und finanziell steht der Verein auch besser da als seit langem.

Sport1.de: Und wie wär's, wenn Lotto King Karl sich beim HSV noch mehr einbringt als bisher?

Lotto King Karl: Och, ich stehe nach wie vor bei jedem Heimspiel 20 Minuten an, bevor ich überhaupt reinkomme. Und ich glaube, es gibt dringendere Probleme, als dass ich mich jetzt selber für irgendein Amt ins Gespräch bringe. Ich mache sehr gern den Stadionsprecher, und singe dabei auch.

Wir sind eine eigene Plattenfirma. Dass wir uns auch in der ein oder anderen Sache ein bisschen wirtschaftlich auskennen, heißt aber nicht, dass es unwiderstehlich notwendig ist, dass ich jetzt eine Kontrollfunktion innehaben sollte. Es gibt in Hamburg außerdem wesentlich potentere Wirtschaftskapitäne als mich. Ich bedauere das auch jeden Tag?

Sport1.de: Eine letzte Frage noch: Wird der HSV deutscher Meister?

Lotto King Karl: Okay, ich sag es mal so: Wir haben ein super Stadion, eine ziemlich gute Stimmung und eine Situation in der Tabelle, wo auch was geht: Es ist bisher noch kein Zug abgefahren.

Hier geht's zurück zum ersten Teil des Interviews

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