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Tobias Sippel lief schon für Kaiserslauterns Jugend auf und hütet seit 2006 das Profi-Tor © getty

Sippel spricht vor dem Frankfurt-Spiel bei SPORT1 über den Abstiegskampf, die "Torlos"-Eintracht und seine Chancen im DFB-Team.

Von Andreas Berten

München - Tobias Sippel ist Lauterer durch und durch.

Seitdem er zehn Jahre alt ist läuft Sippel, der als einer der talentiertesten Torhüter Deutschlands gilt, für die Pfälzer auf.

Zu beneiden ist der 22-Jährige aktuell jedoch nicht.

Denn: Sippel musste in der Rückrunde bereits 15 Mal den Ball aus dem Netz holen - das ist Liga-Höchstwert. Nur magere drei Punkte ergatterten die "Roten Teufel" nach der Winterpause bislang. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ein Team hat eine noch miesere Bilanz: Eintracht Frankfurt. Am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) kommt es zum Duell des 17. und 18. der Rückrundentabelle.

Dass der FCK-Keeper in Frankfurt die Hütte voll bekommt, darf jedoch bezweifelt werden: Nicht ein einziges Tor gelang den Hessen in den letzten sieben Partien.

Für Kaiserslautern dennoch kein Grund sich zurück zu lehnen.

Denn Sippel will mit aller Macht verhindern, dass bei Theofanis Gekas und Co. genau am Samstag der Knoten platzt.

Im SPORT1-Interview spricht Sippel über die anhaltende Abschlussschwäche der Eintracht, den Abstiegskampf und seine Chancen in der Nationalmannschaft.

SPORT1: Herzlichen Glückwunsch, Herr Sippel!

Tobias Sippel: Wozu?

SPORT1: Sie werden am Wochenende Ihr Tor sauber halten.

Sippel: Ja, das versuche ich.

SPORT1: Im Ernst: "Torlos" Frankfurt kann doch schon seit Wochen keine Tore mehr schießen...

Sippel: Das ist echt schwer zu erklären, was bei denen im Moment los ist, denn in der Vorrunde haben sie ja auch viele Tore geschossen. Und Gekas ist ja auch eigentlich ein Super-Stürmer. Aber ich hoffe, dass sie ihre Serie gegen uns nicht beenden.

SPORT1: Welcher Typ ist Ihnen lieber als Gegenspieler? Ein Theofanis Gekas, der momentan keinen Möbelwagen aus einem Meter Entfernung trifft, oder Mario Gomez, der irgendwie mindestens einmal pro Spiel richtig steht?

Sippel: Es sind beide Super-Stürmer, die nicht irgendwie einen Freifahrtschein bekommen haben, damit sie einen Vertrag unterschreiben dürfen. Wir beschäftigen uns damit, wie der Gegner sich gegen uns verhält, aber nicht, ob er jetzt viele oder wenig Tore schießt.

SPORT1: Sie haben auch einen Tor-Verzweifler in Ihrem Team. Trifft Srdjan Lakic wenigstens im Training mal gegen Sie?

Sippel: (lacht) Ja, das versucht er schon. Aber es geht ja auch nicht darum, ob Lucky die Tore schießt. Er ist auch für die Arbeit enorm wichtig. Ich weiß, viele Fans messen ihn nur daran, wie viele Tore er schießt. Aber er ist in unserem aktuellen System die einzige Spitze und da ist es für jeden Bundesliga-Profi schwer.

SPORT1: Nun steht seit geraumer Zeit sein Wechsel nach Wolfsburg fest. Und wenn dann die Torflaute einsetzt, ist man schnell unten durch.

Sippel: Lucky ist jetzt gerade in der Situation, nicht mehr der Jüngste zu sein, der jetzt aber auch irgendwo einen richtig guten Vertrag unterschreiben kann. Da darf man ihm nicht böse sein.

SPORT1: Nach dem 1:1 gegen Hamburg gab's da einen Disput mit Anhängern?

Sippel: Bis zum letzten Samstag habe ich nie ein schlechtes Wort über unsere Fans sagen können. Ich weiß nicht, ob es ein Ausrutscher, eine Kurzschlussreaktion oder ihre Angst war, wieder in die Zweite Liga zu müssen. Vielleicht wussten die paar da auch gerade nicht, was sie machen. Aber ich gehe davon aus, dass sie uns am Samstag gegen Frankfurt wieder lautstark unterstützen werden.

SPORT1: Ist die Abschlussschwäche der einzige Grund, warum es derzeit bei Lautern nicht läuft?

Sippel: Nein, da müssen wir uns auch in der Defensive an die eigene Nase fassen, weil wir derzeit einfach zu viele einfache Gegentore kassieren. Das müssen wir schleunigst abstellen, sonst wird es nämlich ziemlich eng.

SPORT1: Nun kämpfen Sie vor allem mit prominenten Gegnern um den Klassenverbleib. Macht das die Aufgabe noch schwerer?

Sippel: Es gibt die schönen und die dreckigen Seiten an diesem Umstand. Ich glaube nicht, dass sich Bremen oder Stuttgart auf den Abstiegskampf vorbereitet haben. Das sind Stars, die schon in der Champion League gespielt haben. Ich glaube, die wissen gar nicht, worum es da geht, wenn es heißt, wieder in die Zweite Liga gehen zu müssen. Wir wissen das aber, für uns war das Ziel immer nur der Klassenerhalt - von daher haben wir vielleicht es einfacher.

SPORT1: Drei Unentschieden, vier Niederlagen, die Luft wird immer dünner - wie sehr zehrt diese Serie ohne Sieg an den Nerven?

Sippel: Ich war vor drei Jahren dabei, als wir gegen den Abstieg in die Dritte Liga gekämpft haben. Da war die Situation noch schwieriger und brenzliger. Aber wir haben charakterstarke Jungs und auch wichtige Neue dazubekommen. Wie zum Beispiel Christian Tiffert, der der Chef auf dem Platz ist und die Spieler führt.

SPORT1: Momentan Relegationsplatz. Im schlimmsten Fall: Gehen Sie mit in die Zweite Liga?

Sippel: Das ist schwer zu sagen. Ich habe hier erst einen Vertrag bis 2013 unterschrieben, weil ich sehr an dem Verein hänge. Bislang gab es ja auch keinen Grund, über einen Wechsel nachzudenken. Ich gehe davon aus, dass wir nicht absteigen.

SPORT1: Sie sind der Keeper der U-21-Nationalmannschaft. Ist für Sie die Bundesliga ein Muss, um auch die Chancen auf die A-Nationalmannschaft zu wahren?

Sippel: Ach, wenn ich sehe, wer da vor mir ist, kann das derzeit gar kein Thema sein. Manuel Neuer ist der weltbeste Torwart, mit Rene Adler und Tim Wiese sind auch noch zwei junge Torhüter dahinter. Aber wenn man einmal in der Bundesliga gespielt hat, möchte man da auch bleiben, das ist klar.

SPORT1: Sie sind trotzdem ein hoffnungsvoller Torhüter. Manuel Neuer und Rene Adler sind aber nur unwesentlich älter. Wie schwer ist es, an denen vorbei zu kommen?

Sippel: Dann muss ich mich wohl bei meinen Eltern beschweren, dass ich etwas zu spät geboren bin. Im Ernst: Es geht immer über die Leistung. Aber das Thema zählt jetzt nicht. Ich will mit meinem Verein den Klassenerhalt sichern.

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