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Louis van Gaal wechselte 2009 vom AZ Alkmaar zum FC Bayern © getty

Louis van Gaal wackelt. Auch bei Vorstand und Spielern scheint er nicht unumstritten. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Von Christian Stüwe und Daniel Rathjen

München - Bei den Bayern macht sich Ratlosigkeit breit.

Zunächst fiel den Münchner auf dem Platz wenig ein, um das Pokal-Aus gegen Schalke 04 zu verhindern. Nach Abpfiff rangen die Spieler dann nach Erklärungen.

"Mittlerweile wissen die Mannschaften, wie sie gegen uns zu spielen habe", sagte Bastian Schweinsteiger.359409(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Mario Gomez wurde noch deutlicher.

"Wir haben keine Lösung gefunden, wir hatten viel mit uns selber zu tun", erklärte der Nationalstürmer: "Ich glaube, der Gegner hat sich fast schon ein bisschen schlapp gelacht."

Aussagen, die nicht unbedingt für die Arbeit Louis van Gaals sprechen.

Der Trainer wirkt angezählt, eine weitere Niederlage am Samstag bei Hannover 96 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) könnte den K.o. für den Coach bedeuten.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Zukunft van Gaals und der Situation beim kriselnden Rekordmeister.

Wie ernst ist die Lage wirklich?

Im Erfolg gibt es wenig Kritik - in der aktuellen Phase kommt sie dafür umso heftiger.

Die Situation ist sehr bedrohlich. In der Meisterschaft haben die Münchner 16 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund - der Zug Richtung Titel ist abgefahren.

Doch es sind diesmal nicht nur die Pleiten gegen Dortmund und Schalke, die die Lage in München für den Trainer bedrohlicher werden lassen. Vor allem die Tatsache, dass die erfolgsverwöhnten Bayern um die Qualifikation zur Champions League zittern müssen, wiegt schwer.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im Falle einer Niederlage in Hannover am Samstag besteht Explosionsgefahr. Auch wenn die Bosse zur Ruhe im Verein anmahnen: Die Tage von van Gaal dürften dann gezählt sein. Der mächtige Präsident Uli Hoeneß hatte bereits im Januar mit Konsequenzen gedroht, sollte die Qualifikation für die "Königsklasse" in Gefahr sein.

[kaltura id="0_5py6r41r" class="full_size" title="Van Gaals Stuhl wackelt"]

Hat van Gaal noch Rückhalt im Vorstand?

Offiziell stellen sich die Bosse hinter ihren Coach. "Wir müssen geschlossen durch die Krise gehen", betont Sportdirektor Christian Nerlinger. Ein klares Bekenntnis zu van Gaal bleibt allerdings aus.

"Das ist keine Krisensituation", sagt Hoeneß: "Ich gehe davon aus, dass wir am Samstag gewinnen. Und dann gibt es eh kein Problem."

Kaum auszudenken aber, welche Diskussion im zweiten Stock der Geschäftsstelle an der Säbener Straße aufkäme, würde ihr Team in Hannover nicht gewinnen.

Vor zwei Jahren stürzte der FC Bayern nach einem 0:1 gegen Schalke auf Platz drei ab. Zum Wochenbeginn wurde Jürgen Klinsmann entlassen, ehe Jupp Heynckes noch den zweiten Platz sicherte.

Hoeneß ist die sehr dominante Art von van Gaal, den er bereits als beratungsresistent bezeichnete ("Der Verein darf keine One-Man-Show sein"), schon länger ein Dorn im Auge. Auch Rummenigge und Sportdirektor Christian Nerlinger haben sich zuletzt immer weiter von van Gaal distanziert.

Mehr aber noch: Mittlerweile gibt es auch sportliche Gründe für die Bayern-Bosse, den Coach in Frage zu stellen. Mit seiner Offensiv-Philosophie stößt der Niederländer an Grenzen. Sich nur auf Ballbesitz sowie Geistesblitze von Ribery und Robben zu verlassen, reicht nicht mehr.

Wie groß ist das Vertrauen in der Mannschaft?

Mit Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm gelten zwei Führungsspieler als enge Vertraute des Trainers.

Van Gaal entdeckte Thomas Müller und Holger Badstuber. Thomas Kraft beorderte er ins Tor, was ihm die Loyalität der drei Youngster sichern dürfte.

Franck Ribery gilt allerdings nicht unbedingt als Freund des Trainers, zuletzt bezeichnete er sein Verhältnis zu van Gaal aber immerhin als "normal".

In der Winterpause flüchtete Mark van Bommel vor dem Trainer zum AC Mailand, was van-Bommel-Kumpel Arjen Robben seinem Landsmann krumm genommen haben dürfte.

Miroslav Klose und Daniel van Buyten wiederum versauern auf der Bank, Hans-Jörg Butt wurde nach der Winterpause degradiert.

Anatolyi Tymoshchuk würde lieber nicht auf der Innenverteidigerposition spielen, für Luiz Gustavo hat der Trainer noch nicht den richtigen Platz in der Mannschaft gefunden.

Es wird gemunkelt, die Mannschaft stünde nicht mehr geschlossen hinter van Gaal. Gründe dafür gäbe es genug.

Hat sich van Gaal bei der Zusammenstellung des Kaders verzockt?

Einen möglichen Tansfer von Linksverteidiger Fabio Coentrao lehnte van Gaal vor der Saison mit der Begründung ab, dass die Verpflichtung nur sinnvoll sei, wenn der Portugiese besser sei als die vorhandenen Spieler.

Doch die Idealbesetzung für hinten links hat van Gaal nach wie vor nicht gefunden.

Auch in der Innenverteidigung drückt der Schuh. Zunächst musste Breno auf die Bank. Dann kehrte der Brasilianer zurück, während Badstuber nur noch zuschauen musste.

Wirklich überzeugen konnte noch keiner der beiden.

Und seit van Bommel gegangen ist, ist auch Schweinsteiger starken Leistungsschwankungen unterworfen.

Dem Kader fehlt die Tiefe. Auch das muss sich van Gaal anrechnen lassen.(Einwurf: Verwelkte Gladiolen in München)

Gibt es überhaupt Nachfolge-Kandidaten?

Sollte der Niederländer entlassen werden, darf wild spekuliert werden.

Der bei Inter Mailand entlassene Rafael Benitez wäre auf dem Markt. Bernd Schuster wackelt bei Besiktas Istanbul, Ralf Rangnick ist arbeitslos.

Oder kehrt sogar Ottmar Hitzfeld zurück? Namen gibt es viele, doch eine kurzfristige Lösung drängt sich nicht auf.

Sollte es zum Rauswurf kommen, wäre es wahrscheinlicher, dass die Bayern-Bosse eine Übergangslösung wie 2009 mit Jupp Heynckes bevorzugen würden.

Einen großen Namen könnten sie dann im Sommer präsentieren.

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