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Christian Schulz (l.) wurde 2004 mit Werder Bremen Deutscher Meister © imago

Hannovers Christian Schulz spricht bei SPORT1 über das Bayern-Spiel, Gründe für den 96-Höhenflug und schmeichelnde Facebook-Gruppen.

Von Christian Stüwe

München - Für den jüngsten Höhepunkt in der nahezu unglaublichen Erfolgsgeschichte von Hannover 96 sorgte Christian Schulz höchstpersönlich.

Per Kopf sorgte der Innenverteidiger der Niedersachsen am vergangenen Samstag für den 1:0-Sieg beim FC St. Pauli - und katapultierte 96 damit zurück auf Platz 3 in der Tabelle.

Das Top-Spiel des 25. Spieltags gegen den taumelnden FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) bekommt dadurch eine ganz neue Bedeutung, denn mit einem Erfolg könnten sich die Gastgeber schon auf fünf Punkte vom Rekordmeister absetzen.

Im SPORT1-Interview lehnt Schulz die Favoritenrolle trotzdem ab, spricht über die Gründe für Hannovers Höhenflug und schmeichelnde Facebook-Gruppen.

SPORT1: Herr Schulz, Hannover 96 hat am Wochenende die Chance, gleich fünf Punkte Vorsprung auf den FC Bayern herauszuspielen. Ist es also ein Endspiel um die Champions League?

Christian Schulz: Es ist ein bisschen zu früh, um davon zu sprechen. Nach dem Spiel sind es ja immer noch neun Spieltage - von daher wird es keine Vorentscheidung sein. Aber wir wissen natürlich um die historische Chance, die 96 dieses Jahr hat. Und gerade gegen einen direkten Konkurrenten, der Bayern München in dieser Saison ja nun mal ist, wäre es natürlich schön, wenn wir hier zu Hause etwas reißen. Letztendlich sind die Bayern aber immer Favorit.

SPORT1:Bei sieben Punkten Vorsprung auf die Nicht-Europa-League-Plätze kann man allerdings schon von der Champions League als Ziel sprechen?

Schulz: Unsere Zielsetzung nach dem Erreichen der 40 Punkte ist erst mal, den Vereinsrekord einzustellen, den wir vor drei Jahren geschafft haben (49 Punkte, Anm. d. Red). Da sind wir auf einem guten Weg. Und wenn wir das geschafft haben, sehen wir weiter, was dann noch so möglich ist. Wir haben gelernt, ein bisschen kleinere Brötchen zu backen hier in Hannover.

SPORT1: Die Bayern stehen unter großem Druck, Dritter oder - besser noch - Zweiter werden zu müssen, um sich für die Champions League zu qualifizieren. Ein Vorteil für 96?

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Schulz: Bayern hat immer Druck. Egal gegen wenn sie spielen, von ihnen werden Siege erwartet. Die Situation ist für sie insofern nicht neu. Aber sicherlich ist noch ein bisschen mehr Brisanz drin als sonst. Denn es geht um den dritten Platz, den Bayern München mindestens erreichen muss. Eine Champions League ohne Bayern wäre ja eigentlich eine Riesen-Katastrophe für den Verein. Von daher erwarten wir, dass die Münchner bei uns voll auf Sieg spielen.

SPORT1: In der Hinrunde gab es ein 0:3 in München, jetzt scheinen die Bayern noch stärker zu sein. Was macht Sie optimistisch zu gewinnen?

Schulz: Wir haben uns bis heute auch noch weiterentwickelt. Wir sind noch kompakter, sicherer geworden. Und wir spielen zu Hause, wo wir generell schwer zu bespielen sind. Es ist nur bedauerlich, dass Didier Ya Konan ausfällt - aber unsere Philosophie mit schnellen Kontern werden wir deshalb trotzdem nicht ändern. Und dann gucken wir mal, ob wir die Bayern nicht überraschen können.

SPORT1: Letzte Woche hat 96 gegen St. Pauli erstmals ohne Ya Konan gewonnen. Wie wichtig war das für das Selbstbewusstsein der Mannschaft?

Schulz: Das war sehr wichtig. Weil unsere angebliche Abhängigkeit von Didier bundesweit ein Thema war - jetzt können wir das mal beiseite legen. Aber natürlich ist Didier ein wichtiger Spieler für uns. Das hat er schon die ganze Saison gezeigt. Es ist bedauerlich, dass er am Samstag ausfällt.

SPORT1: Das Spiel gegen St. Pauli war eher schwach. Trotzdem hat 96 durch ein Tor von Ihnen gewonnen. Ist auch das ein Schritt zu einem Topteam, gerade solche Spiele zu gewinnen?

Schulz: Schwer zu sagen. Ich würde die Spiele natürlich lieber mit gutem Fußball gewinnen. Letzte Woche haben sicherlich auch die Platzverhältnisse einen Teil dazu beigetragen. Wir müssen uns auch nichts vormachen: Ein bisschen Glück haben wir schon gebraucht, um in den Tabellen-Regionen zu stehen, wo wir jetzt sind. Von daher ist es sicherlich goldwert, dass wir solche Spiele, die auf Messers Schneide stehen, im Moment für uns entscheiden können.

SPORT1: Vor knapp einem Jahr steckte Hannover noch mitten im Abstiegskampf. Was muss getan werden, um den Erfolg langfristig zu sichern?

Schulz: Wir müssen so arbeiten, wie wir jetzt gearbeitet haben. Aber da kann man auch spüren, wie schnelllebig es im Fußball ist: Man kann nicht viel vorhersehen. Normalerweise ist es ja so, dass die finanziellen Mittel den Erfolg des Vereins ausmachen. In dieser Saison ist es aber so, dass kleinere Vereine es geschafft haben, mit guter und akribischer Arbeit den Großen ein bisschen den Rang abzulaufen. Es ist halt die Frage, ob man das auf Dauer so halten kann.

SPORT1: Ist auch die Abwehrkette ein Schlüssel zum Erfolg? In der vergangenen Saison hatte 96 zum gleichen Saison-Zeitpunkt 16 Gegentreffer mehr?.

Schulz: Man sagt ja nicht umsonst, dass hinten die Basis erst mal stehen muss, um guten und erfolgreichen Fußball zu spielen. Wir haben in den letzten sieben Spielen nur vier Gegentore bekommen - das ist ein guter Wert. Jeder weiß, was er zu tun hat - in jedem Augenblick. Es ist eine gute Abstimmung da. Und daran ist die ganze Mannschaft beteiligt: Das defensive Denken fängt schon bei unseren Stürmern an.

SPORT1: Gerade auf Sie als Außenverteidiger dürfte gegen Bayern dennoch viel Arbeit zukommen. Ist es der Schlüssel, Arjen Robben und Franck Ribery aus dem Spiel zu nehmen?

Schulz: Ja, natürlich. Das sind die beiden Ausnahmespieler der Bayern. Aber die Dortmunder haben vorgemacht, wie man es perfekt hinkriegen kann. Wenn man allein gegen Robben oder Ribery steht, haben sie meistens die Nase vorn. Die taktische Leistung, mit der die Dortmunder Robben und Ribery aus dem Spiel genommen haben, da wollen wir auch ansetzen. (?)

SPORT1: Sie wurden zuletzt mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht. Jetzt hat sich die Facebook-Gruppe "Schulz bleib bei uns? gegründet, am Mittwochabend hatte die Gruppe schon 2.904 Mitglieder. Was sagen Sie nun?

Schulz: Es ehrt mich natürlich, dass so etwas ins Leben gerufen wurde. Darauf bin ich auch ein bisschen stolz. Das zeigt mir, dass ich in den vier Jahren, die ich in Hannover bin, gute Arbeit geleistet habe. Aber alles Andere muss ich persönlich entscheiden.

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