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Louis van Gaal löste 2009 Jupp Heynckes als Trainer bei den Bayern ab © imago

Der FCB-Trainer gibt sich kämpferisch, berichtet aber auch vom Interesse anderer Vereine. In Hannover hilft nur ein Sieg.

Vom FC Bayern berichtet Nikolai Kube

München - Schwarzer Anzug. Die Haare perfekt gestylt.

Louis van Gaal präsentierte sich den Medienvertretern am Freitag an der Säbener Straße von seiner besten Seite.

Seine Stimmung: locker und entspannt. Er habe gut geschlafen, verriet der Trainer des FC Bayern.

Und das, obwohl dem Holländer nach dem DFB-Pokal-Aus gegen Schalke 04 heftiger und eisiger Wind entgegenbläst.

"Ich habe nicht den Eindruck, dass ich zur Debatte stehe", sagte van Gaal trotzig.

Andere Vereine interessiert

Es sei "ja auch eine schwierige Frage, wer van Gaal nachfolgen soll", führte der eigenwillige Bayern-Coach weiter aus - und schmunzelte.

Um seine eigene Zukunft macht sich der Niederländer keine Sorgen - und kokettierte mit Angeboten anderer Vereine. "Seit Hoeneß das gesagt hat (die öffentliche Kritik am Trainer, Anm. d. Red.) werde ich ständig angerufen", sagte van Gaal, deutete aber auch an, dass es nach der Aufgabe in München nur noch wenige reizvolle Stellen gäbe.

Leid ist er die Arbeit beim Rekordmeister auf gar keinen Fall: "In mir brennt es jeden Tag."

"Es geht nur ums Ergebnis"

Der 59-Jährige machte allerdings keinen Hehl daraus, dass am Samstag gegen Hannover (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) nur drei Punkte zählen. Bei einer weiteren Niederlage könnten van Gaals Tage in München gezählt sein. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich bin einverstanden. Es geht nur ums Ergebnis. Auf Schönspielerei kommt es nicht mehr an", sagte der Coach vor der richtungweisenden Partie um die Champions-League-Qualifikation beim Tabellendritten. (Einwurf: Verwelkte Gladiolen in München)

Löw: Bayern zum Siegen verdammt

Joachim Löw sieht dies ähnlich und erhöht den Druck auf den FCB-Trainer: "Die Bayern sind zum Siegen verdammt. Sie müssen dominieren", erklärt der Bundestrainer.

Van Gaal wurde in den vergangenen Tagen stark kritisiert, mögliche Nachfolger bereits diskutiert.

Kein Problem für den Holländer, den Diskussionen über seine Person offensichtlich erst richtig anstacheln.

[kaltura id="0_1t4m0r8t" class="full_size" title=" Ich werde st ndig angerufen "]

"Damit kann ich leben. Das ist nicht überraschend. Ich habe noch viel Energie", erklärte er, gestand aber ein: "Bei einer Entlassung täte mir vor allem mein Trainerstab leid. Denn ich bin schon am Ende meiner Karriere."

Untersuchungen der Universität Amsterdam

Noch aber hofft van Gaal, dessen Vertrag bis 2012 läuft, auf eine Zukunft beim FC Bayern. "Ich bin nicht so oft entlassen worden. Ich bin immer lange bei meinen Vereinen geblieben. Ich bin stolz und froh, dass ich bei Bayern München arbeiten kann."

Um seine Mannschaft auf das so wichtige Spiel in Hannover einzustimmen, führte van Gaal viele Gespräche. Große Sorgen bereitet ihm die psychische Verfassung seiner Spieler.

"Wir müssen die Enttäuschung abschütteln. Das dauert normalerweise mindestens drei Tage", sagte er. Dies habe er von der Universität in Amsterdam untersuchen lassen.

Demzufolge kommt das Spiel gegen "gut organisierte und konterstarke" Hannoveraner eigentlich einen Tag zu früh.

Keine Abhängigkeit von "Robbery"

Angst vor einer Pleite habe er dennoch nicht: "Wir denken nur ans Gewinnen", so van Gaal, der seine Spieler weiter in Schutz nimmt: "Sie versuchen immer alles. Auf die zweite Halbzeit gegen Schalke war ich sehr stolz."

Ein Tor gelang den Münchnern gegen das extrem defensiv ausgerichtete Team von Felix Magath jedoch nicht. 359409(DIASHOW: Die Bilder des Schalke-Spiels)

Auch, weil Arjen Robben und Franck Ribery - wie schon gegen Dortmund - komplett aus dem Spiel genommen wurden.

Die Bayern sind ausrechenbar. Stimmt nicht, sagt van Gaal. Er weist darauf hin, dass Thomas Müller und Mario Gomez die "effektivsten Spieler" der Bayern sind. Und nicht "Robbery".

Schweinsteiger fehlt gelbgesperrt

Der Trainer hat die Probleme an anderen Stellen ausgemacht.

"Wir sind ein Team. Alle müssen zusammenarbeiten. Und zwar über 90 Minuten. Das ist uns diese Saison noch in keinem Spiel gelungen", analysierte van Gaal.

Personell können die Münchner aus dem Vollen schöpfen - mit einer Ausnahme. Bastian Schweinsteiger ist auf Grund seiner fünften Gelbe Karte gesperrt.

Wer ihn ersetzt, will van Gaal noch nicht verraten. "Viele Spieler können dort spielen", sagte der Holländer.

Kroos und Pranjic auf der Sechs?

Da außer Schweinsteiger derzeit kein Sechser bei den Münchner gesetzt ist, kommen für die zwei Positionen vor der Abwehr fünf Akteure in Frage: Luiz Gustavo, Daniel Pranjic, Andreas Ottl, Anatoliy Tymoshchuk sowie Toni Kroos.

Letzterer ist technisch ähnlich versiert wie der zuletzt formschwache Schweinsteiger, kommt nach seiner Verletzung wieder besser in Tritt. Nach SPORT1-Informationen wird wohl Kroos von Beginn an neben Pranjic auflaufen.

Gustavo musste am Freitag das Training wegen einer Erkältung abbrechen.

Egal für wen sich van Gaal entscheidet. Er ist weiterhin überzeugt von sich - und seiner Mannschaft. Daran lässt er keine Zweifel aufkommen.

Denn, so glaubt van Gaal: "Hannover ist nicht Dortmund!"

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