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Louis van Gaal wurde mit dem FC Bayern 2010 Meister und Pokalsieger © getty

Von sprachlos bis entsetzt: Bayerns Bosse beraten am Sonntag über den Trainer. Klar ist: van Gaal wackelt gewaltig.

Von Andreas Berten und Jürgen Blöhs

München/Hannover - War dies nun die letzte verwelkte Gladiole?

Dass Louis van Gaal eine Vorliebe fürs Martialische hat und immer wieder das Sprichwort "Tod oder Gladiolen" anführt, ist hinlänglich bekannt.

Nach dem 1:3 des FC Bayern bei Hannover 96 ist es wahrscheinlicher denn je, dass sich "der General" künftig daheim in den Niederlanden um seine Blümchen kümmern darf. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Uli Hoeneß biss sich auf die Zunge und verschwand wortlos aus der AWD-Arena, Sportdirektor Christian Nerlinger tat es ihm gleich. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge konnte es sich nicht verkneifen, nach der dritten Pleite innerhalb von acht Tagen vom "absoluten Tiefpunkt" zu sprechen.

Eine gefährliche Gemengelage, die van Gaal schon bald den Job kosten dürfte - vielleicht schon am Sonntag.

Die Champions-League-Teilnahme ist in Gefahr

"Nach so einem Spiel müssen wir erst einmal eine Nacht darüber nachdenken, wie wir den Fall stoppen können", sagte Rummenigge nach dem neuerlichen Fehltritt. "Wir sind momentan in einer Situation, die dem FC Bayern große Sorgen bereitet."

Bezüglich der Meisterschaft haben die Bayern schon seit vergangenem Samstag ausgeträumt. Nach dem Aus im DFB-Pokal gegen Schalke 04 am Mittwoch gab's nun den Nackenschlag im Rennen um die Qualifikation zur Champions League:

Auch die 96er spielten der überforderten Bayern-Abwehr teilweise Knoten in die Beine und liegen als Tabellendritte schon fünf Punkte vor dem Rekordmeister. Auf den Zweiten Leverkusen sind es neun Partien vor Saisonende gar sieben Zähler Rückstand.

Und was wirklich allen Raum für Spekulationen lässt: Ein Bekenntnis zum Trainer blieb aus.360390(DIASHOW: Der 25. Spieltag)

Rummenigge in "großer Sorge"

Der Offenbarungseid von Hannover weckt böse Erinnerungen: Sieben Pleiten in einer Saison - das gab es zuletzt unter Jürgen Klinsmann. Und der wurde auch nach Erreichen jener Marke (0:1 gegen Schalke 04) einst entlassen.

Zieht Bayern "nach acht katastrophalen Tagen" (Rummenigge) nun die Notbremse?

Gemeinsam mit Uli Hoeneß wolle er am Sonntag beratschlagen, "was man machen kann, was man machen muss". Der Bayern-Vorstandsvorsitzende sei in "großer Sorge" und gab zu: "Ich bin angeschlagen."

Auch vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der "Königsklasse" gegen Inter Mailand (15. März) scheint es längst nicht mehr unmöglich, dass van Gaal seinen Hut nehmen muss.

Van Gaal verunsichert

"Ob wir über den Trainer diskutieren, weiß ich heute nicht", sagte Rummenigge vieldeutig zu LIGA total!, "ich glaube, wir müssen das jetzt mit aller Rationalität sacken lassen, analysieren und dann versuchen, gute und richtige Entscheidungen zu fällen."

Ähnlicher Tenor bei Arjen Robben: "Wir alle brauchen unbedingt Abstand von dieser Niederlagen-Serie und müssen an etwas anderes denken."

Größe zeigte Thomas Kraft. Der junge Keeper schoss beim 1:3 durch Pinto einen riesigen Bock und nahm die Niederlage auf seine Kappe: "Ich habe schlecht gespielt."

Zur Gesamtsituation meinte er: "Wir müssen an uns glauben, auch wenn das momentan nicht so einfach ist."

Eigener Rücktritt ausgeschlossen

Louis van Gaal betonte nach dem Spiel erneut, dass er das Vertrauen des Vorstands spüre: "Aber natürlich weiß ich es in diesem Moment nicht, da wir gerade verloren haben und auch diese Menschen wissen, dass alle enttäuscht sind - der Trainer und der Vorstand auch."

Grenzenlose Überzeugung hört sich anders an. Gegenüber LIGA total! schlug es der 59-Jährige zumindest aus, von sich aus zurückzutreten.

"Das ist in meinem Fall immer davon abhängig, wie die Spieler auf mich reagieren. Aber sie haben ja auch heute gesehen, dass die Spieler sehr gut auf mich reagieren.?

Rückendeckung erhielt van Gaal von seinem Kapitän: "Die Mannschaft steht zum Trainer. Wir haben ein gutes Verhältnis, wir arbeiten intensiv jeden Tag zusammen und nur so war auch der Erfolg letzte Saison möglich", sagte Philipp Lahm.

Horrorszenario rückt näher

Doch was nutzen die Meriten der Vergangenheit, wenn die Bayern ihre sportliche Zukunft gerade verspielen? 2012 steigt das Endspiel der Champions League in München. Stand jetzt nimmt der FC Bayern an diesem Wettbewerb nicht teil.

Sollte dieses Horrorszenario näher rücken, werde er nervös - das hatte Uli Hoeneß vor nicht allzu langer Zeit erklärt.

Hält er sein Wort, müssten die Tage von van Gaal eigentlich gezählt sein.

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