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Schalke Trainer Felix Magath trug wegen einer Augenentzündung Sonnenbrille © imago

Nach der Stuttgart-Pleite kritisiert Schalkes Coach den Referee hart und gerät erneut in die Schusslinie. Der VfB atmet auf.

Aus Stuttgart berichtet Christian Paschwitz

Stuttgart - Die getönte Sonnenbrille a la Blues Brothers unterstrich eher noch, wie düster es dahinter um Felix Magaths Gemütslage bestellt war.

Auch wegen der nach wie vor anhaltenden Fan-Aversionen gegen ihn.

Eigentlich hätten die Gläser - ungeachtet der vielsagenden Marke "Evil Eye" (englisch: böser Blick) - dem Trainer des FC Schalke Erleichterung wegen einer Bindehautenzündung verschaffen sollen.

Stattdessen war ihr Name Programm und gab nach dem turbulenten 0:1 der Königsblauen beim VfB Stuttgart dem zürnenden Magath zufälligerweise das passende optische Beiwerk.

"Schiedsrichter hätte besser aufgepasst"

"Der Schiedsrichter hätte vorher besser aufpassen sollen. Dann hätte er gesehen, dass Benny Höwedes gefoult wurde. Diese Entscheidung hat die Partie wesentlich beeinflusst", polterte der 57-Jährige nach Abpfiff auch gegenüber SPORT1.

Und weiter: "Es ist unglücklich und bedauerlich, dass Schiedsrichter eine derartige Macht nicht zu gebrauchen wissen." 360390(DIASHOW: Der 25. Spieltag)

Was Magath ("Ich wundere mich schon, dass die Unparteiischen eine gewisse Verantwortungslosigkeit an den Tag legen können") so auf die Palme gebracht hatte:

Höwedes war von Referee Felix Brych bereits nach einer Viertelstunde per Roter Karte vom Platz gestellt worden, weil er liegend bei einem Schuss von Tamas Hajnal den Ball bewusst mit der Hand abgewehrt haben soll.

Ellbogen-Check statt Handspiel

Eine krasse Fehlentscheidung: Vielmehr war der Innenverteidiger nach einem Ellbogen-Check von Pavel Pogrebnyak auf den Rasen gesackt, hatte den Schuss beim Versuch, wieder aufzustehen, an den Oberkörper bekommen.

Den anschließenden Strafstoß versenkte Zdravko Kuzmanovic zum Stuttgarter Siegtor (16.). (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Unglücksrabe Höwedes war hinterher untröstlich: "Das ist nie und nimmer eine Handspiel gewesen, das ist doch ein Witz!", sagte er auch SPORT1 und fragte: "Was soll ich denn machen, wenn ich niedergestreckt werde? Wie kann man das pfeifen?"

Auch Neuer versteht es nicht

Und Manuel Neuer verteidigte den 23-Jährigen bei LIGA total!: "Wenn man sich mit beiden Armen abstützt, kann man mit der Hand ja gar nicht mehr reagieren."

Dass Pogrebnyak die Szene lapidar abtat ("Ich denke, der Schiedsrichter hat das gut gemacht, da gibt es keine Diskussion") erhöhte den königsblauen Frust noch.

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Es war die Schlüsselszene eines Duells, in deren Folge Schalke zwar tapfer versuchte, zumindest noch einen Punkt mitzunehmen, insgesamt angesichts der Unterzahl aber nicht wirklich mehr die Chance zur Wende hatte - und deshalb nun wieder leichte Abstiegsnöte verspürt.

Metzelder richtet Blick nach unten

"Klar müssen wir aufpassen, nicht wieder unten reinzurutschen", mahnte bei SPORT1 Christoph Metzelder.

Froh sein musste der Ex-Nationalspieler indes auch, dass es nicht noch einen zweiten oder gar dritten Strafstoß gegen sein Team gab.

Doch die Pfeife blieb stumm, als Metzelder zusammen mit Lukas Schmitz den heranstürmenden Pogrebnyak unfair in die Zange nahmen (75.) und zuvor bereits Kyriakos Papadopoulos im Sechzehner Shinij Okazaki traf (47.).

Neuer als Flutschfinger

Für Diskussionsstoff sorgte auch noch einmal Neuer:

Einen Schuss von Christian Gentner ließ der Keeper durch seine Hände rutschen, bekam den Ball erst auf der Linie unter Kontrolle.

"Ich kann nur sagen, dass der Ball nicht hinter der Linie war", meinte Neuer dazu.

Träsch selbstkritisch

Im VfB-Lager wollte man die Szene ohnehin nicht allzu hoch hängen.

Dass die über weite Strecken dominanten Schwaben den Sack nicht anders vorzeitig zumachten, am Ende gar noch um den Dreier zittern mussten, wussten sie jedoch selbst einzuräumen.

"Wir haben es verpasst, das zweite Tor zu machen. Mit einem Mann mehr müssen wir da besser nachlegen. So sind wir vor allem bei Standards immer wieder in Gefahr geraten", sagte Neu-Kapitän Christian Träsch.

Sprung auf Platz 15

Trotzdem überwog die Erleichterung, sich zumindest bis zum Sonntag vom vorletzten Tabellenrang auf Platz 15 katapultiert zu haben.

"Wir wollten nach dem Erfolg in Frankfurt nachlegen. Das ist uns gelungen. Die Mannschaft hat alles, was ihr derzeit zur Verfügung steht, in die Waagschale geworfen und sich den Erfolg redlich verdient", resümierte VfB-Trainer Bruno Labbadia.

Und ergänzte: "Der Sieg war ganz wichtig für uns, vor allem aus moralischer Sicht."

Rückschlag mit Blick auf die Königsklasse?

Inwieweit das Spiel wiederum womöglich die Schalker aus dem Tritt gebracht hat vor dem Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel am Mittwoch (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) bleibt abzuwarten.

"Gegen Valencia steht jetzt ein K.o.-Spiel an, da wollen wir unbedingt weiter kommen", sagte Neuer.

Fans gegen Magath

Auch für Schalkes Coach, der trotz des Weiterkommens im DFB-Pokal gegen den FC Bayern ein riesigen Plakat mit der Aufschrift "Magath raus" lesen musste, ist die Partie richtungweisend.

"Wer Verantwortung hat, hat auch immer Befürworter und Leute, die das anders sehen. Ich kann damit leben. Ich mache mir keine Sorgen", kommentierte er die Aktion.

Die Sonnenbrille wird bis Mittwoch wohl eingemottet sein - aber auch der böse Blick?

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