vergrößernverkleinern
Louis van Gaal (l.) holte in der Vorsaison mit dem FCB das Double © imago

Nach stundenlanger Krisensitzung könnten sich Bayerns Bosse womöglich doch durchringen, mit dem Coach weiterzumachen.

Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Christian Ortlepp

München - Ist eine Entscheidung gefallen oder nicht? Offiziell zumindest ist Louis van Gaal beim FC Bayern nach wie vor im Amt.

Nach einer mehrstündigen Krisensitzung verließen die Verantwortlichen des Rekordmeisters um Präsident Hoeneß, Sportdirektor Christian Nerlinger und Klub-Finanzchef Karl Hopfner am Sonntag um 19.26 Uhr das Haus von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in München-Grünwald.

Ein Ergebnis für die Öffentlichkeit gab es nur insofern: "Es gibt nichts Neues zu sagen", erklärte Nerlinger knapp auf Nachfrage von SPORT1.

Was im Umkehrschluss bedeutet: Van Gaals Rauswurf lässt sich bis dato nicht vermelden.

Vom Tisch ist er aber bislang ebensowenig - eine Aussage darüber dürfte im Laufe des Montags fallen, für den laut SPORT1-Informationen eine Pressekonferenz angesetzt ist.

Tendenz, dass van Gaal bleibt?

Laut übereinstimmenden Medienberichten gibt jedoch es die Tendenz, dass van Gaal bis Saisonende weitermachen darf.

Die Bayern-Bosse seien in der rund fünfstündigen Sitzung zu dem Ergebnis gekommen, dass kein Kandidat verfügbar sei, dem sie zutrauten, der Mannschaft jetzt einen Impuls zu geben.

So sei plötzlich wieder denkbar, dass van Gaal auch am Samstag im Heimspiel gegen den Hamburger SV auf der Bank sitzen wird.

Hoeneß: "Handeln und nicht reden"

Am Samstagabend, nach dem 1:3-Debakel in Hannover, hatte Hoeneß allerdings nur einen einzigen Satz gesagt: "Man muss handeln und nicht reden."

Was für van Gaal zunächst Böses ahnen ließ 360390(DIASHOW: Der 25. Spieltag).

Angesichts dreier Pflichtspielpleiten in Folge und einem erschreckend schwachen Auftritt bei 96 drohte dem Bayern-Trainer keineswegs mehr überraschend das Aus (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Van Gaal: "Vertrauen ist noch da"

Der Niederländer selbst indes fuhr am Sonntag um 9.38 Uhr mit seinem goldenen A8 äußerlich gelassen an der Säbener Straße vor und parkte wie üblich in der Tiefgarage.

Auch tags zuvor gab sich der 59-Jährige zu seiner Zukunft noch vorsichtig optimistisch. "Ich habe noch immer das Gefühl, dass das Vertrauen da ist", erklärte er.

[kaltura id="0_1a2qqv53" class="full_size" title="Bayerns Bosse nach der Krisensitzung"]

Allerdings musste auch der sonst so selbstbewusste Coach einräumen, "dass alle Spieler enttäuscht sind, und der Trainer und der Vorstand auch enttäuscht sind."

Van Gaal stellte sich uneingeschränkt vor sein Team, das gegen den Tabellendritten sang- und klanglos untergegangen war, und attestierte seinen Profis "ein Löwenherz".

Platz zwei schon sieben Punkte entfernt

Rummenigge mochte das nach Abpfiff nicht erkennen, schimpfte angesichts des nun sieben Punkte großen Abstands auf Platz zwei über den "absoluten Tiefpunkt der Saison".

Das ernüchternde Fazit des FCB-Vorstandsboss: "Wir haben katastrophale acht Tage hinter uns".

Die Qualifikation für die Champions League ist in Gefahr, für waschechte Bayern-Anhänger ist das ein ebenso großer Albtraum wie eine Abschaffung des Oktoberfests.

Zumal das Champions-League-Finale 2012 in dern Münchner Allianz Arena stattfinden wird.

Rummenigge fuhr am Samstagabend dann auch nicht vom Flughafen mit dem Team zurück zum Vereinsgelände, sondern wechselte in sein eigenes Auto.

Zeit zum Nachdenken.

Nerlinger diskutiert mit Lahm

Nerlinger und Kapitän Philipp Lahm besprachen sich indessen an der Säbener Straße zum Verhältnis zwischen Trainer und Team.

18 Minuten soll diese Unterredung gedauert haben. Sie dürfte mit zur Entscheidungsfindung beitragen, ob es mit van Gaal weitergeht oder nicht.

Eine Schwierigkeit für die Münchner: Wer könnte auf die Schnelle für van Gaal einspringen?

Zunächst hieß es, die Entscheidungsträger denken darüber nach, Co-Trainer Hermann Gerland gemeinsam mit Mehmet Scholl die delikate Aufgabe anzuvertrauen.

Gerland/Scholl als Favoriten?

Das Duo Gerland/Scholl könne bis zum Saisonende die Mannschaft trainieren und im Idealfall in die Champions League führen, ehe dann über das weitere Vorgehen und eventuell einen neuen Kandidaten beraten werde.

Gerland leitete routiniemäßig am Sonntagmittag das Auslaufen, von den zahlreichen Fans an der Säbener Straße gab es aber keine Rufe gegen van Gaal.

Auch der langjährige Bayern-Kapitän Klaus Augenthaler wäre eine Option als möglicher Trainer-Nachfolger, "Auge" steht aber als Coach des Drittligisten Unterhaching unter Vertrag.

Als langfristige Variante gilt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der günstigerweise in München-Grünwald wohnt.

Zudem werden Ralf Rangnick, Ex-Bayern-Profi Thorsten Fink (aktuell Trainer des FC Basel) und der bei Inter geschasste Rafael Benitez gehandelt.

Jol als eine Option

Auch die Niederländer Frank Rijkaard und Martin Jol sind im Kandidatenkreis denkbar. Die Idee dahinter: Sie könnten die neue holländische Schule beim FCB fortführen, der Bruch nach van Gaal wäre nicht zu hart.

Für Jol würde sprechen, dass er die Bundesliga durch seine Trainer-Zeit beim HSV bestens kennt, zudem deutsch spricht.

Und der ehemalige Trainer von Ajax Amsterdam wäre sofort verfügbar, hat sogar als Spieler in der Saison 1978/1979 das Dress der Roten getragen.

Doch noch eine Chance

Womöglich erhält van Gaal nun aber womöglich doch eine weitere Chance beim Rekordmeister - was von offizieller Vereinsseite zunächst aber nicht bestätigt wurde.

Die Entscheidung soll offenbar am Montagmittag nach einem persönlichen Gespräch der Bayern-Bosse mit dem Niederländer fallen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel