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Louis van Gaal holte in der Vorsaison mit dem FCB das Double © imago

Der Krisengipfel der Bosse mit dem Trainer bringt eine Entscheidung: Nur noch in dieser Saison bleibt van Gaal im Amt.

Vom FC Bayern berichten Daniel Rathjenund Christian Ortlepp

München - Im Luxushotel "Westin Grand" in München trafen die Bosse ihren Trainer.

Und der Montag brachte die Entscheidung: Louis van Gaal bleibt Coach des FC Bayern.

Allerdings nur noch bis zum Saisonende, das letzte Jahr seines erst im vergangenen Herbst verlängerten Vertrags wird der Niederländer nicht mehr erfüllen.

Grund für die Auflösung des Vertrages sei laut Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge "die unterschiedliche Auffassung über die strategische Ausrichtung des Klubs".

"Alle Beteiligten seien sich einig darüber, dass in der derzeit schwierigen sportlichen Situation gemeinsam sämtliche Kräfte eingesetzt werden, um die sportlichen Mindestziele dieser Saison noch zu erreichen", ergänzte Rummenigge auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Montagnachmittag an der Säbener Straße.

Doch kann van Gaal unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch in Ruhe arbeiten? Ab sofort wird täglich über seinen Nachfolger spekuliert werden.

Heynckes ein Kandidat?

Aktuell verdichten sich die Gerüchte auf Jupp Heynckes. Der 65-Jährige hat seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen noch nicht verlängert und ist ein enger Vertrauter von Hoeneß, der nach SPORT1-Informationen wieder näher an die Mannschaft heranrücken möchte.

"Davon ist uns nichts bekannt. Jupp Heynckes hat einen Vertrag", erklärte Meinolf Sprink, Leiter Kommunikation und Marketing in Leverkusen, zur Trainer-Personalie.

Auch andere große Namen wie Matthias Sammer oder Martin Jol werden gehandelt.

Dabei muss sich der Verein dringend auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Am Samstag empfangen die Münchner den Hamburger SV zum ersten von acht "Endspielen" um den zweiten Platz, der aber schon sieben Punkte entfernt ist (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mannschaft wirkt verunsichert

Und bis zum dritten Platz, der wenigstens noch zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigen würde, sind es fünf Zähler.

Am Dienstag nächster Woche steht dazu in der Champions League das Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand an, was würde wohl passieren, wenn die Münchner in dieser Saison die "Königsklasse" gewinnen?

Fakt ist: Die Mannschaft, die am Montag und Dienstag trainingsfrei hat, wirkt derzeit verunsichert und leistete sich zuletzt zahlreiche individuelle Fehler. Der Druck ist greifbar und lastet schwer auf den Beinen.

"Der FC Bayern gehört in die Champions League und wir wissen, wie wichtig das ist für den Verein", sagt Kapitän Philipp Lahm.

[kaltura id="0_vmi900e3" class="full_size" title="Rummenigge erkl rt das Aus"]

Van Gaal muss indes zugeben, dass er sich verzockt hat - mit seinem Ego, seiner Transferpolitik und der Verweigerung, die Abwehr zu verstärken. Und nun soll der 59-Jährige sich noch einmal für Motivation sorgen?

Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer glaubt jedenfalls daran:

"Ich halte eine solche Entscheidung für sinnvoll. Louis van Gaal hat sicher Fehler gemacht. Aber: Er hat ja schon nachgewiesen, dass er ein hervorragender Trainer ist. Da ist er mir allemal lieber als eine kurzfristige Notlösung."

Mannschaft in der Pflicht

Nach drei Pleiten in Folge steht nun die Mannschaft in der Pflicht. Mit der Gewissheit, dass van Gaal den Klub am Saisonende verlässt, können manche eventuell befreiter aufspielen. Vielleicht aber auch nicht.

Das Verhältnis zwischen Trainer und Team hat sich in jedem Fall stark gewandelt. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, die gerade auch wegen van Gaal ihre Verträge langfristig verlängerten, werden hin- und hergerissen sein.

Stand der Großteil der Spieler nach dem Double-Gewinn noch geschlossen hinter dem 59-Jährigen, ist mittlerweile die Unzufriedenheit gewachsen.

Offiziell sagt niemand etwas gegen den Trainer, doch Entwicklungen sind sichtbar: Van Gaals Rotationen (allein 13 verschiedene Versionen der Viererkette) sorgen für Verwirrung, Arjen Robben ist nicht begeistert davon, dass sein Freund Mark van Bommel im Winter vergrault wurde.

Franck Ribery vermisst "Streicheleinheiten". Keeper Jörg Butt, der hohes Ansehen im Team genießt, wurde ohne Not zur Nummer zwei degradiert.

Der Trainer des FC Bayern hat viel zu tun: Wer immer es auch ist oder sein wird.

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