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Bernd Hoffmann ist seit Februar 2003 Vorstandsboss beim HSV © imago

Der HSV-Aufsichtsrat setzt der Ära Bernd Hoffmann nach acht Jahren ein Ende. Sein Nachfolger kommt wohl aus Norwegen.

Von Andreas Kloo

München - Es hatte sich abgezeichnet. Die Ära Bernd Hoffmann beim Hamburger SV geht nach acht Jahren zu Ende.

Am Sonntagabend erteilte der Aufsichtsrat in einer Abstimmung nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Vertragsverlängerung.

Auch Vorstandskollegin Katja Kraus muss am Ende des Jahres gehen.

Bereits Anfang Januar hatte Hoffmann die vorentscheidende Schlappe erlitten, als einige seiner größten Kritiker, allen voran Ex-Präsident Jürgen Hunke, in den Aufsichtsrat gewählt wurden.

Von da an war klar: Hoffmanns Weg in Hamburg geht dem Ende entgegen.

Der 48-Jährige gab sich allerdings nicht kampflos geschlagen. In einer E-Mail an die Aufsichtsräte bot er an, sich anstatt dem üblichen Dreijahresvertrag mit einer Verlängerung um ein Jahr zufrieden zu geben.

Laut "Hamburger Abendblatt" enthielt die entsprechende E-Mail ein dreiseitiges Plädoyer in eigener Sache.

7:5 für Hoffmann

Doch es nützte alles nichts.

Das Kontrollgremium sprach sich zwar mit 7:5 Stimmen für Hoffmann aus. Aber die HSV-Satzung setzt eine Zweidrittel-Mehrheit für derart wichtige Entscheidungen voraus.

"Wir haben dem HSV einen Kompromissvorschlag unterbreitet, den wir für mehrheitsfähig erachtet haben. Die Mehrheit war zwar da, sie war nur nicht ausreichend. Das nehmen wir erst mal so zur Kenntnis", sagte Hoffmann am Montag der "Welt".

Somit steht fest, dass Hoffmann den HSV spätestens bei Vertragsende am 31. Dezember verlässt.

Sofortiger Rücktritt?

Denkbar ist aber auch, dass der Vorstandsboss nach diesem Misstrauensvotum sofort das Handtuch wirft.

[kaltura id="0_ce1f853k" class="full_size" title="Rieckhoff fordert Struktur"]

Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff glaubt allerdings nicht an einen sofortigen Rücktritt:

"Bernd Hoffmann und Katja Kraus haben die Entscheidung hochprofessionell zur Kenntnis genommen. Die werden sich jetzt mal durchschütteln. Und dann bin ich davon überzeugt, dass sie ihre Arbeit ebenso hochprofessionell weiterführen werden."

Gulden soll kommen

Ein Nachfolger steht allerdings angeblich schon bereit. Björn Gulden, derzeit geschäftsführender Direktor einer Billigschuhkette, soll Hoffmann beerben.

Laut "Abendblatt" soll Gulden Sportfive-Vorstand Joachim Hilke an die Seite gestellt werden - als Ersatz für die ebenfalls scheidende Katja Kraus.

Gulden kann sogar Erfahrung im deutschen Profifußball vorweisen. 1984/85 absolvierte er vier Zweitligaspiele für den 1. FC Nürnberg 360390(DIASHOW: Der 25. Spieltag).

Der Norweger steht allerdings erst ab 1. Januar 2012 zur Verfügung.

Rieckhoff will Ruhe

Deshalb würde ein sofortiger Rücktritt Hoffmanns den HSV vor Probleme stellen. Eventuell würde dann gar Rieckhoff selbst interimsmäßig einspringen.

Der stellt in der "Hamburger Morgenpost" klar, worauf es in Hamburg jetzt ankommt: "Wir brauchen jetzt mal Ruhe im Verein."

Diese Ruhe wird es aber wohl nicht geben.

Aufsichtsrat gegen Veh

Sportlich erlitten die Hanseaten mit der 2:4-Heimpleite gegen Mainz einen herben Rückschlag im Kampf um die Europacup-Plätze (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Darüber hinaus ist die Zukunft von Trainer Armin Veh weiter unklar. Im Laufe der nächsten Wochen wollte der Coach seine Entscheidung verkünden.

Der Hoffmann-Weggang dürfte ihn nicht gerade in einer Entscheidung pro HSV bestärken. Hoffmann hatte Veh nach Hamburg geholt.

Der neue Aufsichtsrat dagegen soll geschlossen gegen eine Weiterbeschäftigung Vehs sein, nach SPORT1-Informationen gilt Stale Solbakken, derzeit Trainer des FC Kopenhagen, als ein heißer Kandidat.

Sportlicher Umbruch geplant

Ungeachtet der Personalien Hoffmann und Veh steht der HSV vor einem Umbruch. Der Kader soll stark verjüngt werden. Und einleiten wird dies der neue Sportdirektor Frank Arnesen, der am 1. Juli - eventuell auch früher - seinen Dienst antritt.

Der Däne soll den HSV endlich wieder zu einem Titel führen, auf den die Hamburger seit 1987 warten.

Diese sportliche Erfolgslosigkeit wurde Hoffmann vom Aufsichtsrat nämlich zur Last gelegt. Denn aus wirtschaftlicher Sicht leistete der Vorstandsvorsitzende erfolgreiche Arbeit und führte die Norddeutschen während seiner achtjährigen Tätigkeit in die schwarzen Zahlen.

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