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Ein alter Riese - und ein neuer? Jean-Marie Pfaff (l.) damals, Michael Rensing heute © getty

Bei Sport1.de erzählt Michael Rensing, wie viel die Nummer eins für ihn bedeutet. Legende Jean-Marie Pfaff gibt ihm dafür Saures.

Von Daniel Rathjen und Christian Paschwitz

München - Er hat es nicht leicht beim FC Bayern.

Das Erbe eines echten "Titanen" anzutreten, war und ist eine riesige Herausforderung. Der Schatten von Oliver Kahn ist lang.

Aber Michael Rensing weiß, was er kann. Seit dieser Saison ist der 24-Jährige die Nummer eins des Rekordmeisters.

Er ist durchgestartet. Von null auf hundert, von der Bank auf die große Bühne. Dass nicht alles gleich auf Anhieb klappen kann, ist klar.

Doch bei Bayern muss das so sein. Nach dem mauen Saisonstart flackerte eine Frage ständig auf: Hat Rensing die Qualitäten, die hohen Anforderungen zu erfüllen?

20 Mal musste er in der Liga bereits hinter sich greifen. Mal war er machtlos, mal tauchte er unter einer Flanke durch oder leistete sich einen Stellungsfehler.

Genervtheit weicht Spaß

Schnell verglichen seine Kritiker ihn mit seinem Vorgänger. Und Rensing nervte das immens.

Er biss sich auf die Lippen und verpasste sich lange selbst einen Maulkorb, um nicht immer wieder die gleichen Fragen beantworten zu müssen, die ihn selbst so beschäftigten.

Doch mit dem Aufschwung der Bayern hat auch der Keeper wieder den Spaß am Beruf entdeckt. Der Youngster wirkt in diesen Tagen gestärkt und selbstbewusst.

"Ich fühle mich sehr wohl!", antwortet er fröhlich auf die Frage von Sport1.de, ob ihm denn seine Rolle als Torwart des populärsten Vereins Deutschlands schmecke.

Optimistisch für die Zukunft

"Die Automatismen greifen langsam, ich habe mich an die Atmosphäre gewöhnt", erklärt Rensing weiter.

Lange konnte er auf der Ersatzbank nur tatenlos zusehen, seine Emotionen nicht rauslassen.

Nun ist er optimistisch und sagt: "Ich kann mir durchaus vorstellen, noch einige Jahre im Tor des FC Bayern zu bleiben!"

Auch die Sicherheit komme langsam und die Nervosität lege sich nach und nach. "Die Anfangsphase ist vorbei, wo jede Kleinigkeit kritisch beäugt wurde", behauptet er.

Pfaff ist skeptisch

Doch die Skeptiker lauern am Rand seines Weges zum erhofften Erfolg.

"Michael muss schneller werden in seinen Reaktionen", meint Torhüter Jean-Marie Pfaff bei Sport1.de.

Der Belgier stand von 1982 bis 1988 im Kasten der Bayern und hat das getan, was Rensing gerne möchte - eine erfolgreiche Ära geprägt.

Weil Rensing die hohen Flanken ständig wegfaustet statt zu fangen, müsse er insgesamt noch "mehr tun".

"Er muss lauter werden"

Der Welttorhüter aus dem Jahr 1987 fordert: "Rensing muss einfach lauter werden, mehr dirigieren. Er muss seiner Abwehr zeigen, dass er da hinten im Tor steht. Das hat auch mit Ausstrahlung zu tun, daran muss er arbeiten!"

Zum Vergleich: Pfaff hatte in seiner ersten Saison (am Ende Rang vier mit 33 Gegentoren) nach 13 Spieltagen acht Treffer zu verkraften.

Kahn hatte in seiner Premieren-Saison nach 13 Partien 18 Mal den Ball aus dem Netz holen müssen.

Rückendeckung von Klinsmann

Ihn hat Rensings Beförderung ohnehin überrascht. "Es ist wohl einmalig in Deutschland, dass ein Torhüter über Jahre so vorbereitet wird. Normalerweise kaufen die Vereine fertige Spitzenprofis."

Dabei müsste gerade Pfaff wissen, dass insbesondere der Anfang schwer sein kann. Wer erinnert sich schließlich nicht, an dessen erstes Bundesligaspiel?

Vor 26 Jahren hatte er gegen Werder Bremen einen Einwurf von Uwe Reinders durch die Hände ins Tor gleiten lassen - ein Muss in jedem Torhüter-Pannen-Rückblick.

Rensing werde "normal seinen Weg gehen", sagt Trainer Jürgen Klinsmann, dabei würden "immer wieder Fehler" passieren.

Kahn rückt in den Hintergrund

Die volle Unterstützung der Bosse ist dem Torhüter gewiss. Und selbst Pfaff sagt schließlich: "Er kann es bei Bayern schaffen."

Wichtig für Rensing: Die Fragen nach seinem Kontakt zu Kahn werden weniger. Noch bleiben sie trotzdem nicht aus.

"In den letzten Wochen habe ich ihn kaum gesprochen. Ich habe ihn neulich nur kurz zufällig mal getroffen", sagt Rensing dann.

Er ist dabei, seinen eigenen Weg zu finden.

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