vergrößernverkleinern
Thomas Schaaf holte mit Werder Bremen 2004 das Double an die Weser © getty

In Freiburg hat Bremen endlich wieder das Glück auf seiner Seite. Trainer Schaaf kehrt zum alten System zurück - mit Erfolg.

Freiburg/Bremen - In der Euphorie über das seltene Erfolgserlebnis verkaufte Klaus Allofs sogar die Rudelbildung um Torhüter Tim Wiese als Zeichen für einen neuen Teamgeist.

"Die Spieler wollten Tim schützen, haben Zusammenhalt gezeigt", sagte der Sportchef des abstiegsbedrohten Werder Bremen nach den Rangeleien im Anschluss an den 3:1-Erfolg über den SC Freiburg. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Wiese dagegen teilte nach dem erlösenden Sieg erst einmal kräftig aus.

"Der wollte mich mit dem Ball abschießen. Der hat schon während des Spiels nachgetreten, das war eine Unsportlichkeit", schimpfte der Nationaltorwart über den Freiburger Torjäger Papiss Cisse. 360390(DIASHOW: Der 25. Spieltag)

Werder mit dem Quäntchen Glück

Die Streithähne waren nach dem Abpfiff aneinandergeraten, was eine heftige Rudelbildung zur Folge hatte, die sich erst nach einer knappen Minute wieder auflöste. Wiese und Cisse waren mit den Gelben Karten, die sie von Schiedsrichter Knut Kircher gezeigt bekamen, noch gut bedient.

Gut bedient waren auch die Bremer nach den Toren von Wagner (12.), Pizarro (76.) und Marin (90.+2) mit den drei Punkten. Denn eigentlich sahen die 24.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion eine ausgeglichene Partie, in der die Gäste zweimal Glück hatten.

Erst wurde ein Treffer des Freiburgers Oliver Barth wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannt, dann unterlief SC-Außenverteidiger Maximilian Nicu vor dem 1:2 durch Pizarro ein krasser Fehler.

"Der Erfolg tut ihm gut"

Der zweite Auswärtssieg in der laufenden Saison war vor allem für den nicht mehr unumstrittenen Coach Thomas Schaaf wichtig.

"Der Erfolg tut ihm gut. Wir sind davon überzeugt, dass er der richtige Trainer für uns ist", sagte Allofs, der nach dem Sprung vom vorletzten auf den 14. Tabellenplatz vor allem die neue Geschlossenheit des Teams lobte:

"Die Mannschaft hat verinnerlicht, dass es nur als Gruppe geht - und eben nicht, wenn jeder Einzelinteressen verfolgt."

Trinks überzeugt in der Raute

Tatsächlich zeigte die Mannschaft ein anderes Gesicht als in den Vorwochen. Eine starke Laufarbeit und aggressive Zweikampfführung waren bei den Bremern zuletzt nicht immer zu erkennen.

Auch die Maßnahmen des Trainers haben in Freiburg endlich gegriffen. Nach einem System Hick-Hack in den vergangenen Wochen, setzte Schaaf im Breisgau wieder auf die Mittelfeldraute, mit der er Werder 2004 zum Double-Sieg geführt hatte.

Auf der Zehn brachte er zum zweiten Mal in Folge den erst 18-jährigen Florian Trinks, der bis zu seiner Auswechslung in der 59. Minute erneut eine vorzeigbare Partie ablieferte.

"Ich hatte eine Scheiß-Phase"

Und auch Sandro Wagner beendete mit seinem ersten Saisontreffer seine Krise vor dem Tor. "Ich hatte eine Scheiß-Phase und musste viel Kritik einstecken. Aber ich habe nie aufgegeben", sagte der Stürmer.

Die Spielweise und das System - Werder kehrt mit kleinen Schritten zurück Richtung Normalität.

Doch Manager Allofs weiss um das fragile Gebilde und wollte trotz der Steigerung noch keine Entwarnung geben. "Hier kann sich jetzt aber keiner genüsslich zurücklehnen. Der Abstiegskampf wird noch ein ganz heißes Ding", sagte er.

"War noch nicht alles Gold was glänzt"

Das unterstrich auch Tim Borowski, der Schaaf nach dem Treffer Pizarros um den Hals gefallen war.

"Mir geht das ja nicht am Arsch vorbei. Ich bin mit einem Jahr Unterbrechung seit 1996 in Bremen und kenne den Trainer mit am längsten", sagte Borowski, der zuversichtlich in die kommenden Wochen blickt: "Trotz des Erfolgs war noch nicht alles Gold, was glänzt. Aber wir haben keine Angst vor der Situation und stellen uns."

Mit der Einstellung aus Freiburg scheint die Situation jedoch machbar, unabhängig davon, dass auch die anderen Kellerkinder rund um Werder punkten.

Abstiegsduell gegen Gladbach

Am kommenden Wochenende können die Bremer im Heimspiel gegen den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach einen weiteren Big Point im Abstiegskampf landen.

Doch auch hier warnt der Werder-Manager: "Wir dürfen gegen Gladbach keinen Schritt weniger tun."

Sonst säße Werder wieder ganz tief drin im Abstiegssumpf.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel