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Michael Ballack (l. mit Jupp Heynckes) kam vom FC Chelsea nach Leverkusen © AFP

Das Tischtuch zwischen Trainer und seinem Star scheint zerschnitten. Ballack muss auf einen Abgang von Heynckes hoffen.

Leverkusen - Machtkampf unter dem Bayer-Kreuz:

Während sportlich die Qualifikation für die Champions League immer näher rückt, droht Bayer Leverkusen wegen des Streits zwischen Michael Ballack und Trainer Jupp Heynckes eine Zerreißprobe.

Das Tischtuch zwischen Heynckes und Ballack scheint zerschnitten. Offenbar gibt es nur noch zwei Möglichkeiten:

Entweder Ballack verlässt die Werkself zum Saisonende vorzeitig, oder aber Jupp Heynckes wird seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern 360390(DIASHOW: Der 25. Spieltag).

Bekenntnis zu Heynckes

Das heißeste Gerücht mpmentan: Heynckes wird Nachfolger des spätestens zum Saisonende aus dem Amt scheidenden Bayern-Trainers Louis van Gaal.

Sollte es dazu nicht kommen, hätte Heynckes derzeit offenbar die besseren Karten gegenüber Ballack. "Ich bin optimistisch, dass Jupp Heynckes Ja sagen wird. Er wird es in den nächsten Tagen tun", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser nach dem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg.

Zudem hatte Holzhäuser, der noch am Sonntagabend lange mit Ballacks Berater Michael Becker telefoniert hatte, im Vorwort des "BayArena Magazins" ein Bekenntnis zu dem 65-Jährigen abgegeben:

"Bei uns gibt's jedenfalls niemanden, der sich seinen weiteren Verbleib nicht wünscht."

Zusammenarbeit unmöglich

Eine langfristige Zusammenarbeit zwischen Heynckes und dem 34 Jahre alten Weltstar scheint aber so gut wie unmöglich (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Knackpunkt: Ballack, den schon das Verpassen der WM schwer traf, empfand es offenbar als selbstverständlich, nach seiner Genesung bei Bayer gesetzt zu sein.

Gefrustet von monatelanger Reha, bedrückt von dem Ausblick auf das nicht mehr all zu ferne Ende der großen Karriere und möglicherweise auch überehrgeizig wegen des Wunschs, sich wieder in die Nationalelf zu spielen, scharrte Deutschlands zweifellos bester Fußballer der letzten zehn Jahre ungeduldig mit den Füßen.

Lautstarkes Wortgefecht

Doch auf seiner Position im defensiven Mittelfeld blieben die überragenden Simon Rolfes und Arturo Vidal die Platzhirsche, zumindest ein noch nicht komplett fitter Ballack war da ohne Chance.

Nachdem ihn Heynckes beim Spiel in Frankfurt 90 Minuten auf der Bank schmoren ließ, kam es am Freitag zum laut "Bild"-Zeitung lautstarken Wortgefecht.

Ballack verzichtete daraufhin auf einen Platz im Kader beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg. "Michael sieht sich nicht als Einwechsel-Spieler", lautete die offizielle Erklärung von Heynckes.

Team braucht Ballack nicht

Angesichts der Tatsache, dass vier angeschlagene Profis im Kader standen und im Bayer-Aufgebot sogar zwei Plätze frei blieben, drängte sich der Eindruck auf, Ballack habe die Mannschaft aufgrund verletzter Eitelkeiten im Stich gelassen.

Dass sie Wolfsburg mit 3:0 schlug, schien ein weiteres Argument dafür, dass sie Ballack nicht mehr braucht.

Sami Hyppiä habe sich "sogar mit seiner Magen-Darm-Sache" auf die Bank setzen wollen, "weil er ein absoluter Superprofi ist", erklärte Heynckes.

"Wir Spieler sollten dazu gar nichts sagen"

Ein deutlicher Seitenhieb?

Die Profis wirken genervt von der ständigen Diskussion, die Bayers hervorragende Saison mit der möglichen Direktqualifikation für die Champions League und dem Status als letztem deutschen Vertreter in der Europa League seit Wochen überlagert.

"Wir Spieler sollten dazu gar nichts sagen", erklärte Rolfes angespannt.

Groteske Situation

Heynckes betonte, die Mannschaft habe es "verdient, dass über ihre starken Leistungen gesprochen wird".

Doch die Situation bei Bayer ist derzeit grotesk: Der für angeblich sieben Millionen Euro Jahresgehalt als Leader und PR-Maschine verpflichtete Ballack sorgt - unfreiwillig, aber nicht ganz unschuldig - für die einzigen Misstöne.

Und ist selbst in dem familiären Klub, bei dem er zum Abschluss seiner Weltkarriere noch einmal Highlights setzen wollte, ebenso schwermütiger Beobachter einer erfolgreichen Saison wie beim WM-Höhenflug der deutschen Nationalelf in Südafrika. Das Ende scheint offen.

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