Das Theater um van Gaal wird durch den Bayern-Vorstand zur Posse. Durch den Abschied auf Raten drohen weitere Schwierigkeiten.

Louis van Gaal bleibt Trainer des FC Bayern - bis zum Sommer. Für die neue Saison wird der deutsche Rekordmeister nun wieder - welch Überraschung - einen Mann mit Visionen, einer Philosophie und Charisma suchen.

Der Protagonist ist zwar noch im Amt, doch das Interesse konzentriert sich bereits auf die Nachfolge. "Lame duck", zu Deutsch: lahme Ente, nennt man diesen untragbaren Zustand in der Politik.

Besser wäre es gewesen, der Niederländer hätte schon aus Eigeninitiative den Abflug gemacht, um sich das jetzt kommende Übel zu ersparen.

Für den stolzen Niederländer ("Ich habe einen Körper wie ein Gott") ist der Vertrauensentzug des Vorstands ein Schlag ins Gesicht, ein Karriereknick.

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Weiter mit van Gaal heißt: Der 59-Jährige ist ein Trainer auf Abruf. In den neun verbleibenden Endspielen um Platz zwei wird täglich die Frage nach dem neuen Bayern-Trainer aufkommen, wodurch wiederum unnötige Unruhe entsteht. Die Bayern brauchen Zeit, um einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Was besonders erschreckend ist, dass sich in diesen für den Renommierklub katastrophalen Tagen vor allem die Bosse wie Amateure präsentieren.

Sicher, van Gaal hat Fehler gemacht. Wenn er dadurch untragbar ist, dann sollte er gehen müssen. Nur: Auf diesen Fall waren sie wieder mal nicht vorbereitet.

Vor allem aber haben die Verantwortlichen etwas nicht: Die Geduld und den Mut, etwas aufzubauen. Wer solch hohe Ansprüche an sich stellt, wer es für logisch hält, in jedem Jahr das Double zu holen und mindestens ins Champions-League-Halbfinale vorzustoßen, der verfällt in einen Wahn, der vernünftiges Denken und Handeln unmöglich macht.

Es passt ins Bild, dass Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf der Pressekonferenz zum Thema - wohl aus Angst vor Kritik - keine Nachfragen zuließ.

Dabei sind viele Fragen offen: Was passiert, wenn die Bayern am Samstag auch gegen den HSV verlieren? Was passiert, wenn sie gar die Champions League gewinnen? Was passiert, wenn van Gaal doch noch das Handtuch wirft?

Offensichtlich ist, dass van Gaal der Machtkampf mit Uli Hoeneß zum Verhängnis wurde.

Der Präsident war die treibende Kraft bei van Gaals Demontage. Die Zeit des Alleinherrschers aus Holland sollte enden. Hoeneß möchte gerne wieder näher an die Mannschaft.

Wie das konkret aussieht, weiß noch niemand. Mit seinem Freund Jupp Heynckes, der seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen noch immer nicht verlängert hat, der als Freund der "Familie" gilt, der schon zweimal in München war, könnte es bestimmt besser für ihn werden.

Für den Moment bleibt festzuhalten, dass der FC Bayern nicht nur seit langem drei Partien in Folge, sondern auch viele Sympathien, die er sich in der vergangenen Saison unter der "Feierbiest"-Regie mit erfrischendem Stil erspielt hat, leichtfertig verschenkt hat.

Nicht die erste Chance, die die Münchner in dieser Saison vergeben haben.

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