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Heynckes' Karriere scheint am Ausklingen - ein Zufall verhilft ihm 2009 zu einem glanzvollen Comeback. Ein Wochenendbesuch bei Uli Hoeneß bringt diesen auf die Idee, Heynckes als Interimscoach für den geschassten Jürgen Klinsmann zu installieren. Heynckes führt Bayern in die Champions League und rettet dem Rekordmeister damit die Saison
Freunde und schon mehrfach bei Bayern vereint: Uli Hoeneß (r.) und Jupp Heynckes © imago

Auf der Suche nach van Gaals Nachfolger ist Bayers Coach wohl Wunschkandidat. Der aber steht vor einem Entscheidungsdilemma.

Von Christian Paschwitz

München - 114 Tage ist Louis van Gaal noch Amt, ehe der seltsam anmutende Rauswurf des Trainers beim FC Bayern vollzogen wird.

Schon jetzt aber basteln die Bayern-Bosse des Rekordmeisters unter Hochdruck an einer Nachfolge-Lösung. (EINWURF: Götterdämmerung)

Und dem Vernehmen nach wollen sie nur einen: Jupp Heynckes. (361478DIASHOW: Bayerns Trainer-Kandidaten)

Der Coach von Bayer Leverkusen ist laut mehreren Medienberichten der Wunschkandidat für den Job des gescheiterten Niederländers.

Heynckes spielt Thema runter

Offiziell hält sich Heynckes zu den Spekulationen zwar zurück.

"Warum soll ich etwas dementieren, was gar nicht existiert?", meint der 65-Jährige gegenüber der "Rheinischen Post".

Und ergänzt mit dem Verweis, einst in einer vergleichbaren Situation gewesen zu sein wie van Gaal: "Ich finde es respektlos, wenn Kollegen dann irgendwelche Kommentare abgeben."

Erinnerungen an Klinsmanns Rauswurf

Doch auch im April 2009 hielt Heynckes sich bedeckt, war beim letzten Spiel von Jürgen Klinsmann (0:1 gegen den FC Schalke) sogar als Gast von Uli Hoeneß im Stadion - und half den Bayern anschließend doch aus der Patsche.

Eigentlich schon im Ruhestand ließ sich Heynckes von Freund und Klub-Präsident Hoeneß erweichen, das Ruder zu übernehmen.

Mit Erfolg: Mit 13 Punkten aus den letzten fünf Partien sicherte der Fußball-Lehrer an der Isar damals noch Rang zwei und polierte nebenbei auch die eigene Reputation mächtig auf. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

[kaltura id="0_vmi900e3" class="full_size" title="Rummenigge erkl rt das Aus"]

Hoeneß bedauert einstigen Rauswurf noch immer

Spätestens seit diesem Zeitpunkt wissen die Bayern, was sie an Heynckes haben, den sie 1991 ironischerweise selbst entließen, was Hoeneß später als "größte Fehlentscheidung" seiner Karriere bereute.

Heynckes schaffte nicht nur noch genau "die sportlichen Mindestziele", die an der Isar gegenwärtig in größter Gefahr sind und zu van Gaals Entmachtung geführt haben.

Nüchtern und im Gegensatz zu dem Niederländer und dessen Selbstverständnis ("Arrogant und dominant") bewies er auch ohne Star-Allüren ein gutes Händchen im Umgang mit Diven wie Franck Ribery. 361499(DIASHOW: Van Gaal in München)

Schwierige Situation in Leverkusen

Dass Heyckes in Leverkusen danach überdies bewies, einer offensiv-süchtigen wie hinten flatterhaften Elf eine gesunde Mischung aus beidem einzuimpfen, macht ihn für die Bayern nun noch begehrenswerter.

Gleichwohl weiß auch Kumpel Hoeneß, der mit Heynckes nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" schon im Herbst Kontakt aufgenommen haben soll, dass der Wunschkandidat nur schwer loszueisen sein wird.

Weniger wegen vermeintlicher Hürden in Heynckes' Arbeitsverhältnis - sein Vertrag läuft schließlich zum Saisonende aus.

Vielmehr, weil Heynckes die von ihm in neue Höhen geführte Werkself mit seinen jungen Gipfelstürmern gern auch im nächsten Jahr betreuen würde.

Königsklasse in Leverkusen quasi sicher

Wenn man mit größter Wahrscheinlichkeit auch Königsklasse spielt, die den Bayern diesmal nicht minder wahrscheinlich versagt bleibt.

"Wir sind auf Champions-League-Kurs", ist sich Leverkusens Sportdirekter Rudi Völler sicher über Heynckes' Verbleib.

Der für die nächste Saison verpflichtete Mainzer Andre Schürrle sei zusätzliche Motivation für den Talente-Fan Heynckes: "Diesen Jungen wird er sich nicht entgehen lassen."

Leverkusen "letztes Abenteuer"?

Leverkusen sei definitiv sein "letztes Abenteuer", hatte auch Heynckes noch im November betont.

Dass die Vertragsverlängerung nun dennoch stocken und der Coach die Werkself hinhält ("Der Verein kennt meine Position, und ich kenne seine"), liegt offenbar vor allem an der Personalie Michael Ballack.

Das Klima zwischen Heynckes und dem Nationalspieler ist offenbar zerrüttet, der im Sommer mit großem Bohai verpflichtete "Capitano" ist bei Heynckes nach wie vor nicht mal Stammspieler.

Kein Verhältnis mehr zwischen Heynckes und Ballack

Vor dem Spiel in Wolfsburg (3:0) soll es - entgegen offizieller Darstellung - auch zu einem heftigen Streit gekommen sein, weshalb die Zusammenarbeit zwischen Heynckes und Ballack in der kommenden Saison kaum noch vorstellbar ist.

Was dem Trainer dem Vernehmen nach dabei auch gegen den Strich geht, ist Völlers Neutralität anstelle eines Schulterschlusses mit ihm.

Hieße konkret: Bleibt der Ex-Bayer Ballack, dessen hochdotierter Vertrag noch bis 2012 läuft, könnte Heynckes der Werkself von der Fahne gehen - worauf die Münchner nun bauen.

Holzhäuser will Nägel mit Köpfen machen

Auch wenn Völler beteuert: "Ich habe zuletzt häufig mit ihm gesprochen. Das Wort Bayern ist da nie gefallen." Er könne sich "beim besten Willen nicht vorstellen", dass Heynckes wechsele.

Wolfgang Holzhäuser fordert nun allerdings eine schnelle Entscheidung: "Es müssen bald Nägel mit Köpfen gemacht werden", sagte Leverkusens Geschäftsführer der "dpa".

Heynckes wiederum lässt sich nicht unter Druck setzen: "Die Verantwortlichen bei Bayer wissen, dass ich einfach noch etwas Zeit für meinen Entschluss brauche", sagte er der "Welt". "Meine Entscheidung steht nicht im Zusammenhang mit der Entwicklung bei anderen Vereinen."

Aber Bayern dürfte auch für Heynckes nicht irgendein anderer Verein sein.

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