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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Präsident Uli Hoeneß sind erneut auf Trainer-Suche © getty

Bayern braucht nach dem nahen Abschied von van Gaal einen neuen Trainer. SPORT1 analysiert die (Um-)wege der vergangenen Jahre.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Wünsche sind groß.

Erfolg soll ein Bayern-Trainer garantieren, Offensivfußball anbieten und bitte, bitte auch eine neue Ära begründen.

Das ist das Zauberwort, wenn es um die Strategie des Rekordmeisters geht (EINWURF: Götterdämmerung).

Doch bei der Umsetzung verzettelten sich die FCB-Bosse seit dem Ende der ersten Regentschaft von Ottmar Hitzfeld (1998 - 2004) immer wieder.

Es stellt sich die Frage nach der Strategie.

Trotz Erfolgen zu wenig Kontinuität

Dabei ist das Festgeldkonto prall gefüllt, auf europäische Schuldendynastien wie bei Real Madrid schaut Präsident Uli Hoeneß gerne mitleidig.

Und auch die Erfolgsliste der vergangenen zehn Jahre imponiert: Nach dem Champions-League-Sieg 2001 folgten sechs nationale Meisterschaften und Pokalsiege sowie der Champions-League-Finaleinzug 2010.

Doch nach der jüngten Pleitenserie muss jetzt Louis van Gaal zum Saisonende gehen 361499(DIASHOW: Van Gaal in München) .

Und die Medien freuen sich, dass die Trainersuche mit Namen wie Jupp Heynckes täglich neu befeuert wird (361478DIASHOW: Bayerns Trainer-Kandidaten).

Autoritätsverlust für van Gaal

Van Gaal ist ein Trainer auf Abruf. Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sieht darin kein Problem: "Da ist er mir allemal lieber als eine kurzfristige Notlösung".

Dabei weiß auch der "Kaiser", dass die aktuelle Entscheidung weder Fisch noch Fleisch ist, der stolze van Gaal mit einem Schlag dramatisch an Autorität eingebüßt hat.

[kaltura id="0_g698tkg1" class="full_size" title="Bayern sucht das Gl ck"]

Seit 2004 im Irrgarten

Es scheint, als ob die Bayern-Bosse seit 2004 durch ein Labyrinth wandern. Das Schlimme: Nach jeder Abzweigung kehren sie irgendwann an ihren Ausgangspunkt zurück.

Dass ein Trainer es Hoeneß und FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zu hundert Prozent recht macht, ist selten. Felix Magath holte zweimal in Folge das Double, besser geht es national nicht. Und doch musste er im Januar 2007 gehen.

Als offizielle Begründung galt die Angst, angesichts von Platz vier die Champions-League-Qualifikation zu verpassen.

Magath dankte zwar noch artig für "zweieinhalb schöne und erfolgreiche Jahre", doch intern hatte sich das Verhältnis zwischen den FCB-Drathziehern und dem selbstbewussten Coach zuvor arg abgekühlt.

Klare Linie fehlt

Die Qualifikation für die Champions League schaffte aber auch Hitzfeld nicht. Stattdessen mussten die Münchner auf Tingeltour durch den UEFA-Cup gehen.

Immerhin hatten sie jetzt in Hitzfeld wieder einen Trainer der als Freund der Familie, das heißt speziell Hoeneß, galt.

Der 59-Jährige hat seit 2009 die Position des FCB-Präsidenten übernommen, wirkt aber noch mächtig ins Tagesgeschäft hinein.

"Wenn einer sich bei Bayern gegen Uli Hoeneß stellt, hat er entweder Suizidgedanken oder er hat den Blick für die Realitäten verloren", beschrieb TV-Experte Waldemar Hartmann jetzt im SPORT1-Doppelpass den langen Arm von Hoeneß.

"Fußball ist keine Mathematik"

2008 war aber auch die zweite Amtszeit von Hitzfeld beendet, offiziell, weil er es als Schweizer Nationaltrainer ruhiger angehen lassen wollte.

Rummenigges Spruch "Fußball ist keine Mathematik" nach dem 2:2 im UEFA-Cup-Heimspiel gegen Bolton dürfte ebenso stark zum Abschied Hitzfelds beigetragen haben.

Mit Jürgen Klinsmann wagten die Bayern ein Experiment, das grandios scheiterte. Die rote Linie: Als die Aussicht auf den Champions-League-Platz unsicher wurde, musste der Schwabe gehen.

Wieder triumphierte der kurzfristige Erfolg über den Mut, den mit Klinsmann begonnenen Weg weiter zu gehen.

Kein Plan B

Mit Fußballlehrer van Gaal sollte alles anders werden. Doch nach der starken ersten Saison muss nun auch der gradlinige, aber schwierig steuerbare Niederländer die Säbener Straße verlassen.

Die Verantwortlichen im zweiten Stock der Geschäftsstelle, seit 2009 mit Sportdirektor Christian Nerlinger verstärkt, haben keinen anderen Weg gesehen.

Auf den Worst-Case, eine Niederlage in Hannover, waren sie nicht vorbereitet. Einen Plan B gab es nicht.

Lahm vermisste fehlende Strategie

Am Vorstand öffentlich zu kritteln, wagt in München kaum einer. Geschieht es doch, wird es wie im Fall von Philipp Lahm teuer.

Mehrere zehntausend Euro kostete den Nationalspieler im Herbst 2009 die Kritik an der Klubstrategie.

"Man muss ganz klar festellen: Vereine wie Manchester oder Barcelona geben ein System vor - und dann kauft man Personal für dieses System. So etwas gibt es bei uns nicht", beschwerte sich Lahm einst in der "Süddeutschen Zeitung".

Spitze gegen Barcelona

Hoeneß reagierte beleidigt. Und zu Barca, Paradebeispiel für ein stringentes System, meinte er schnippisch: "400 Millionen Euro Schulden: super Philosophie."

Unter van Gaal gelang es den Bayern ein System zu entwickeln - offensiv war das, mit hohen technischen Anforderungen versehen und lange gut anzuschauen.

Doch die Gegner haben die Spielweise der Münchner, siehe Dortmund oder Hannover, längst entschlüsselt.

Die Sehnsucht bleibt

Auch deshalb klagte Rummenigge nach der Schmach bei 96: "Diese Niederlage tut weh, vor allem die Art und Weise".

An der Spielphilosophie können die Bayern bald wieder basteln, die Sehnsucht nach einer neuen Trainer-Ära wird bleiben.

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