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Armin Veh wurde mit dem VfB Stuttgart 2007 Deutscher Meister © getty

Armin Veh hat genug vom Chaos in Hamburg und zieht seine Ausstiegsklausel. Ein neuer Trainer muss her, doch wer soll ihn suchen?

Von Matthias Becker

München/Hamburg - Armin Veh hat keine Lust mehr auf das Chaos beim Hamburger SV und verlässt die Hanseaten zum Saisonende.

"Es wird so sein, dass ich nächstes Jahr nicht mehr hier bin", sagte er am Dienstag.

Veh macht von einer Ausstiegsklausel in seinem eigentlich bis 2012 laufenden Vertrag Gebrauch und nannte explizit die turbulenten Zustände im Klub als Grund für seinen Abgang.

"Ich habe so etwas wie hier noch nie erlebt. So kann man nicht arbeiten. Es geht nicht mehr um Fußball. Der HSV befindet sich in einer gefährlichen Situation."

"Eigentlich ein geiler Klub"

Am Sonntag verweigerte der Aufsichtsrat des Vereins die Vertragsverlängerung von Vorstandsboss Bernd Hoffmann. Das Kontrollgremium ist zerstritten, eine Fan-Initiative macht sich im Internet bereits dafür stark, eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu berufen, um gegen die Entscheidung vorzugehen.

"Es sind in diesem Klub viele Dinge passiert, die ich nicht nachvollziehen kann", kommentierte Veh die Ereignisse der vergangenen Monate (EINWURF: Das Gespött der Liga).

Er hatte den Traditionsverein im Mai 2010 übernommen hatte und sich vom steitigen Chaos zermürbt gezeigt:

"Eigentlich ist das hier ein geiler Klub. Es ist traurig, dass man sich selbst im Weg steht und nicht zu einer Einheit wird. Sonst wäre hier einiges möglich."

Keine Information an den Aufsichtsrat

Durch die anstehende Trennung von Hoffmann, spätestens zum Jahresende, sieht Veh vor allem die Planungen für die kommende Saison in Gefahr.

"Man kann doch nicht davon ausgehen, dass hier alles normal weiterläuft. Der HSV ist ein Unternehmen, das einiges umsetzt. So kann man einen Verein nicht regieren", sagte der Coach, der den Aufsichtsrat nicht über seine Entscheidung in Kenntnis setzte.

"Ich bin ja auch nie über etwas informiert worden", sagte Veh spitz.

Rieckhoff-Wunsch bleibt unerfüllt

Der fromme Wunsch von Aufsichtsratsboss Ernst-Otto Rieckhoff ("Wir brauchen jetzt mal Ruhe im Verein") geht also nicht in Erfüllung.

Rieckhoff beschäftigte sich am Dienstag noch damit, sich über die Reaktionen auf die Hoffmann-Absetzung zu echauffieren.

[kaltura id="0_qvstqu45" class="full_size" title="Chaostage in Hamburg"]

"Ich verurteile die öffentlichen Verleumdungen, Unterstellungen und Beleidigungen gegen einzelne Aufsichtsräte, die zum Teil auch in den Medien erhoben wurden", ließ er offiziell verbreiten.

Erhardt im Visier

Vor allem dem neu gewählten Aufsichtsratsmitglied Marek Erhardt war ein persönlicher Rachefeldzug vorgehalten worden, weil der Schauspieler vor zwei Jahren als Stadionsprecher abgesetzt worden war.

"Absoluter Blödsinn", wehrte sich Erhardt in der "Hamburger Morgenpost" - und erhält Unterstützung von Rieckhoff:

"Es ist für mich absolut inakzeptabel, einzelnen Aufsichtsräten öffentlich unlautere Motive oder sogar persönliche Einzelinteressen zu unterstellen", erklärte der.

Zukunftsplanung offen

Die entscheidende Frage bleibt bei all diesen Nebengefechten unbeantwortet: Wer kümmert sich um die sportliche Zukunft des HSV?

Ob Hoffmann angesichts der öffentlichen Demontage überhaupt bis zum Jahresende weitermacht, steht in den Sternen. Er könnte auch die vorzeitige Vertragsauflösung anstreben.

Da der neue Sportdirektor Frank Arnesen erst im Sommer anfängt ist offen, wer sich auf die Suche nach dem neuen Trainer begiebt.

Ralf Rangnick und der Norweger Stale Solbakken vom FC Kopenhagen werden als Kandidaten gehandelt.

Seeler reagiert erregt

Auch die Kaderplanung für die nächste Spielzeit liegt erst einmal brach. Vereins-Ikone Uwe Seeler platzt angesichts des Durcheinanders der Kragen.

"Es ist ja ein einziges Possentheater", schimpfte der 74-Jährige:

"Wir hatten acht Trainer in den vergangenen acht Jahren. Was soll ich dazu noch sagen?", äußerte der DFB-Ehrenspielführer.

"Ich hatte mir das anders vorgestellt"

Das dachte sich wohl auch Armin Veh. Der stellt nun sogar seine Aussage, der HSV werde seine letzte Trainerstation in Deutschland sein, wieder in Frage.

"Ob das noch Bestand hat, lasse ich offen. Ich hatte mir das in Hamburg etwas anders vorgestellt", meinte der frühere Stuttgarter Meistertrainer.

Fußball gespielt wird in Hamburg übrigens auch noch. Am Samstag beim ebenfalls schwer angeschlagenen FC Bayern.

Aber das scheint im Moment niemanden zu interessieren.

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