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Trainer Fred Rutten (l.) ist auf Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies nicht gut zu sprechen © SPORT1

Der Schalker Trainer reagiert äußerst angesäuert auf eine ambitionierte Punkteforderung von Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies.

Von Martin van de Flierdt

München ? Die Zeit des Schmusekurses auf Schalke geht dem Ende entgegen.

13 Spieltage lang hatte die Klubführung den neuen Trainer Fred Rutten nach dessen Gusto machen lassen. In der festen Überzeugung,

er werde die gewünschte Weiterentwicklung der Königsblauen zu einem dauerhaft erfolgreichen Spitzenteam mit zuschauerfreundlich attraktiver Offensivspielweise zügig leisten können.

Doch die jüngsten beiden Niederlagen haben für Ernüchterung gesorgt. Nach der Pleite gegen Tabellenführer Bayer Leverkusen stehen die Knappen auf Platz acht, schon fünf Punkte hinter Bayern München auf dem Champions-League-Qualifikationsplatz, gar acht hinter Leverkusen.

Vor dem Traditionsduell gegen Borussia Mönchengladbach (Sa., ab 15.30 Uhr LIVE) hat Manager Andreas Müller festgestellt, dass man "den Druck auf die Spieler erhöhen muss".

Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies hat diese Anregung gleich zum Anlass genommen, eine gefährliche Forderung in die Welt zu setzen: "Ich erwarte aus den letzten vier Spielen bis zur Winterpause zehn Punkte", meinte der Fleischwaren-Fabrikant in der "Bild".

Ein Blick auf den Spielplan verrät, dass den Schalkern in diesen vier Begegnungen mit Mönchengladbach (zu Hause), dem VfB Stuttgart (auswärts), der unbequemen Berliner Hertha (H) und den Durchstartern aus Hoffenheim (A) keineswegs nur Laufkundschaft vorgesetzt wird.

Ruttens angesäuerte Replik

"Ich finde diese Aussage nicht schlau", kommentiert Trainer Rutten den Vorstoß von Tönnies daher angefressen. "Das hilft der Mannschaft nicht weiter und ist auch nicht gut für den Verein."

Müller versucht der Diskussion per Flucht in die Ironie an Schärfe zu nehmen: "Der Clemens ist oft noch zu sehr Fan, und als solcher würde er am liebsten 15 Punkte aus vier Spielen haben."

Der Manager weiß allerdings genau, dass Ruttens Position nicht unbedingt gestärkt wird, sollte er die Punktevorgabe mit seiner Mannschaft verfehlen. "Fred und Clemens sollten die Sache untereinander klären", regt er eine interne Lösung an.

Kein Gesprächsbedarf

Der Niederländer will davon allerdings nichts wissen. Er werde nicht mit Tönnies reden, meinte er: "Das ist nicht meine Art zu kommunizieren." Ein Erfolgserlebnis gegen Mönchengladbach würde die Wogen vorerst glätten.

Daher versucht Rutten den Spielern den Druck als Chance auszulegen. "Wir haben am Samstag die Möglichkeit, uns zu rehabilitieren", sagt er. "Die sollten wir unbedingt nutzen." Mit Ausnahme des gelbgesperrten Rafina (Spielerporträt) kann Rutten auf sein gesamtes Personal zählen.

Voraussichtlich wird er Heiko Westermann auf die rechte Abwehrseite verschieben und Benedikt Höwedes in der Innenverteidigung aufbieten.

Streit forciert seinen Abgang

Albert Streit, der nach Knieproblemen wohl ebenfalls wieder einsatzfähig sein wird, beklagt unterdessen via "Bild" erneut sein Schicksal als Dauerreservist. "Ich weiß überhaupt nicht, warum Schalke mich verpflichtet hat", rätselt der Ex-Frankfurter.

"Man wollte mich unbedingt im letzten Winter schon haben und hat mir einen Viereinhalbjahresvertrag gegeben. Dabei baut der Klub gar nicht auf mich."

Lediglich ein Einsatz über die volle Distanz in der abgelaufenen Rückrunde und bislang ganze 123 Bundesligaminuten unter Rutten stehen für den 28-Jährigen zu Buche. Grund genug für Streit (Spielerporträt) , um sich nach einem alternativen Arbeitsplatz umzusehen.

"Ich werde mich mit meinem Berater Klaus Gerster und Manager Müller zusammensetzen", kündigt der offensive Mittelfeldmann an. "Ich bin mir sicher, dass sich die Freigabe bekomme."

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