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Louis van Gaals Vertrag beim FC Bayern wird zum Saisonende aufgelöst © getty

Im ersten Training nach seiner Demontage lässt sich der FCB-Trainer nichts anmerken. Auch Thomas Kraft glaubt nicht an Auswirkungen.

Vom FC Bayern berichten Nikolai Kube, Daniel Rathjen und Christian Ortlepp

München - Gut 2000 Fans waren am Mittwoch an die Säbener Straße gekommen. Darunter viele Kinder.

Es sind Faschingsferien in Bayern.

Mit Spannung fieberten sie gemeinsam mit zahlreichen Journalisten dem ersten Bayern-Training nach der Demontage von Trainer Louis van Gaal entgegen. (EINWURF: Götterdämmerung)

Wie würde die Mannschaft auf den Holländer reagieren? Zieht van Gaal die Zügel an? Wie wird er von den Fans empfangen?

Um 12.04 Uhr öffneten sich die Türen des Mannschaftstraktes: Die Spieler betraten bei frühlingshaften Temperaturen den Rasen, van Gaal folgte ihnen.

"Er hat sich verhalten wie immer"

Die Stimmung: Emotionslos. Weder Pfiffe noch Beifall waren zu hören.

Der Holländer selbst beantwortete die vielen offenen Fragen auf seine eigene Art: Er ließ sich nichts anmerken! 361478(DIASHOW: Bayerns Trainer-Kandidaten)

"Er hat uns die Situation vor dem Training erklärt und hat sich verhalten wie immer. Wir werden so weitermachen wie immer und von daher wird sich da nichts ändern", sagte Thomas Kraft im Gespräch mit SPORT1.

Die Autorität des Coachs sei nicht untergraben, erklärte Kraft weiter: "Wir haben alle unser Ziel - Jeder will nächstes Jahr Champions League spielen. Um seine Ziele zu erreichen, muss man konsequent seinen Weg gehen und das werden wir auch machen."

Trainingsspiel Team A gegen B

Van Gaal trat beim Training in gewohnter Manier - mit Trillerpfeife, Stoppuhr und weißem Trainingsanzug - auf und teilte zwei Mannschaften ein: Team A spielte gegen Team B.

Der Niederländer verfolgte das Treiben seiner Spieler wie immer relativ ruhig, griff nur selten ein.

Kraft von Einsatz überzeugt

Die Aufstellung könnte einen Hinweis darauf geben, wem van Gaal im so wichtigen Heimspiel gegen den Hamburger SV (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) das Vertrauen schenken wird.

Überraschend fand sich der zuletzt nicht mehr berücksichtigte Daniel van Buyten beim neun gegen neun in der ersten Mannschaft wieder. Er verteidigte neben Philipp Lahm und Luiz Gustavo.

Auch Kraft stand im A-Team - und erwartet gegenüber SPORT1 auch für das HSV-Spiel trotz seines entscheidenden Fehlers in Hannover nichts anderes: "Ich werde im Tor stehen. Wenn ich am Samstag nicht im Tor stehen würde, hätte ich das erfahren."

Müller im B-Team

Auffällig auch: Arjen Robben sprach viel mit den Kollegen, übernahm mehr Verantwortung. Das war in den letzten Wochen nicht immer so.

[kaltura id="0_g698tkg1" class="full_size" title="Bayern sucht das Gl ck"]

Im B-Team fanden sich übrigens unter anderem auch Breno, Holger Badstuber, Daniel Pranjic, Anatoliy Tymoshchuk und Thomas Müller wieder. Die A-Auswahl siegte mit 4:3.

"Jetzt ist Zeit für die Fans"

Der lockere Trainingskick blieb die einzige Übungseinheit an diesem Mittwoch. Nichts zu sehen von "härteren" Methoden bei den Bayern.

Stattdessen schritt van Gaal direkt nach dem Schlusspfiff zu den Fans, schrieb bereitwillig Autogramme.

"Ich spreche nur noch auf der Pressekonferenz. Jetzt ist Zeit für die Fans", sagte er auf SPORT1-Nachfrage.

Auch nach 20 Minuten legte er seinen Kugelschreiber noch nicht zur Seite. Die Fans applaudierten.

Heile Welt beim FC Bayern? Der Schein trügt.

Ribery schlägt Alarm

Denn nichts ist nach dem Beschluss der Bosse, van Gaals Vertrag zum Saisonende aufzulösen, noch wie zuvor.

Van Gaals Zeit in München läuft im Sommer ab - spätestens. Denn nach jeder weiteren Niederlage wird es neue Diskussionen geben. 361499(DIASHOW: Van Gaal in München)

Jetzt schlägt Ribery Alarm: "Es gibt einiges, worüber man sich sorgen muss", sagte der Franzose der Zeitung "L'Equipe".

Und weiter: "Wir spielen schlecht und wenn wir so weiterspielen, werden wir alles verlieren und nicht mal europäisch (vertreten) sein." Ribery spricht es aus, das Horrorszenario der Bosse.

Noch ist dies zu verhindern.

Kahn appelliert an die Spieler

Am Samstag gegen den HSV muss allerdings ein Sieg her. Und Oliver Kahn glaubt weiter an die Qualitäten von van Gaal, er appelliert an die Ehre der Spieler.

"Man hat ein Zeichen gesetzt, gezeigt, dass nicht immer der Trainer das Alibi und Schuld an Niederlagen sein kann. Jetzt sind die Spieler in der Pflicht", sagte Kahn der "tz".

An van Gaal festzuhalten, hält der ehemalige Nationaltorhüter für "alles andere als unklug". Kahn gestand jedoch ein: "Das Einzige, was man diskutieren kann, ist, ob man nicht etwas später hätte bekanntgeben können, dass man sich am Saisonende trennt."

"Eklatante" Defensivschwächen

Vor allem die Defensive des Rekordmeisters bereitet der Bayern-Legende große Sorge.

Die Mängel seien nicht nur offensichtlich, "sie sind sogar eklatant", sagte Kahn, "wenn man das schnell in den Griff bekommt ist auch in dieser Saison noch einiges möglich".

Das weiß auch van Gaal. Seine erste Maßnahme gegen die Defensivschwäche: Er schenkt wohl van Buyten wieder das Vertrauen.

Van Gaal ist ehrgeizig, will die Saison mit aller Macht retten. Äußerlich behält er dabei sein Pokerface.

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