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Jürgen Klopp (re.) trainiert seit 2008 den BVB - Thomas Tuchel übernahm Mainz 2009 © getty

Der Alleinherrscher ist abgemeldet, bevorzugt werden weiche Trainer. Aber passen Klopp und Co. auch nach München oder Schalke?

Von Andreas Berten

München - Wer sich in diesen Tagen als Fußball-Experte profilieren möchte, kommt am Stammtisch vermutlich schnell zur Einschätzung: Diese Entwicklung war doch abzusehen.

Genauso wie sich der bevorzugte Spielertyp in der kurzen Vergangenheit drastisch geändert hat - weg vom feld- und wortergreifenden Anführer a la Michael Ballack, hin zum kleinlauteren Gefolgsmann mit dem Sinn fürs Kollektiv -, muss nun auch eine Sorte Trainer her.

Nur zwei Jahre nachdem Felix Magath dem VfL Wolfsburg die Deutsche Meisterschaft beschert hat und sein Ich-kann-alle-Jobs-Modell als zukunftsweisend galt, hat die Trainerspezie Alphatier und Alleinherrscher schon wieder ausgedient.

Zu autoritär, zu beratungsresistent, heißt es jetzt. Im Fall Magath will Schalke 04 schnell die Reißlinie ziehen, Louis van Gaal muss im Sommer in München die Koffer packen.

Statt ihrer wünschen sich die Vereine Fußball-Lehrer wie Jürgen Klopp, Thomas Tuchel oder Robin Dutt.

Generation Trainer

Was sich so schlüssig anhört, muss in der Umsetzung nicht reibungslos klappen: Passt ein Klopp eigentlich überhaupt zu den Bayern? Hätte sich ein Tuchel auch in Schalke derart positiv entwickeln können?

Und im Umkehrschluss: Können Magath und van Gaal demnächst heilfroh sein, wenn sie in Freiburg und Mainz in den Kreis der Kandidaten gehoben werden? (361478DIASHOW: Bayerns Trainer-Kandidaten)

Zu dieser Erkenntnis fehlt nicht viel Fantasie, hört man DFB-Chefausbilder Frank Wormuth zu. Er hält den Magathschen und van Gaalschen Führungsstil im Umgang mit den Hochbegabten für nicht mehr praktikabel.

"Die jungen Leute machen sich heute mehr Gedanken, sie sind freiheitlicher erzogen worden und mit einer eigenen Meinung aufgewachsen", sagt der 50-Jährige der "Stuttgarter Zeitung", "entsprechend müssen sich die Führungskräfte anders verhalten, um an diese Generation ranzukommen."

[kaltura id="0_xjo3gu37" class="full_size" title="Magath Das sagen die Fans"]

Der Kumpel, der Disziplin einfordert

Es geht um soziale Kompetenz, um die Bereitschaft, Spieler in die Entscheidungsfindung einzubinden.

Klopp, Tuchel und Dutt sind das Gesicht der neuen Trainer-Generation, der nun von vielerorts - und durchaus berechtigt - Avancen gemacht werden.

Sie verkörpern den modernen Taktiktüftler, der gleichzeitig Kumpel sein, aber auch nötige Disziplin einfordern kann. Dazu lässt sich ihre Art medial unheimlich gut verkaufen.

Wie kein Zweiter wickelt Klopp seine Jünger um den Finger, wenn er zum Beispiel in der "Rheinpfalz" über die verpassten Chancen des FC Bayern und des HSV spricht, ihn zu verpflichten: "Es gab auch Mädels mit 17, da dachte ich: Da geht was. Aber es ging nichts, und die sagen heute vielleicht auch: Mist."

Ihre zumeist lockere, aber auch selbstironische Art hinterlässt beim breiten Publikum Eindruck. In den Vereinen hat das Trio zudem einen idealen Nährboden gefunden, um im Job zu reifen und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Profiteure der kriselnden Konkurrenz

Denn mal ehrlich: Wer hat von Mainz und Freiburg mehr als den Klassenerhalt erwartet? Dass sie von Erfolg zu Erfolg eilen, ist wunderbar, aber auch ein Produkt der kuriosen Saison, in der über die Maßen viele etablierte Klubs sich sogar mit Abstiegssorgen herumplagen.

Selbst ein Jürgen Klopp wäre vor der Spielzeit, in der seine Borussia mit atemberaubenden Fußball am Ende wohl Deutscher Meister wird, nur schwer in München vermittelbar gewesen.

Weil beim FC Bayern Spieler wie Ribery und Robben einen Trainer mit Weltruf gewöhnt sind. Da hätte ein Experiment mit einem international unbeschriebenen Blatt, wie es Jürgen Klopp heute immer noch ist, gewaltig nach hinten losgehen können. Jürgen Klinsmann lässt grüßen.

Insofern ist es gar nicht sicher, dass der hoffnungsvolle Trainer-Nachwuchs auch künftig an neuen Standorten so erfolgreich arbeiten kann, wie es gerade der Fall ist.

Zumal in München oder Hamburg der Druck der Fans und der Medien ungleich höher sind als im Rheinhessischen oder im Breisgau.

Schwierige Prognose

Anfang August wird sich zeigen, wohin der Weg der Klopps, Tuchels, Dutts, Rangnicks, Sammers, vielleicht aber auch Daums oder Jols führt. Ob sich aber der Trainer-Mix aus Spielerversteher und Publikumsliebling durchsetzen wird, kann jetzt noch nicht beantwortet werden.

Felix Magath hat vor zwei Jahren vermutlich auch nicht gedacht, dass die von ihm verkörperte Kombination aus hartem Trainer-Knochen und Unternehmensberater ein so jähes Ende finden würde.

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