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Emanuel Pogatetz wechselte nach fünf Jahren in Middlesbrough zu Hannover 96 © getty

Emanuel Pogatetz spricht über Hannovers Chance auf den internationalen Wettbewerb, "Mad Dog" und das Gastspiel beim 1. FC Köln.

Von Martin Hoffmann

München - Ohne Emanuel Pogatetz wäre die Erfolgsstory von Hannover 96 nicht vorstellbar.

Schon in seiner ersten Saison ist der Österreicher, der vom FC Middlesbrough zu den Niedersachsen stieß, zum Fixpunkt in der 96-Defensive geworden, der er nach der Horror-Saison 2009/10 wieder die nötige Stabilität verlieh.

Bei den Gegenspielern ist der 28-jährige Innenverteidiger wegen seiner kompromisslosen Spielweise gefürchtet.

Das sollen am 26. Spieltag auch Lukas Podolski und Milivoje Novakovic zu spüren bekommen, wenn Hannover beim 1. FC Köln (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) antritt.

Im SPORT1-Interview spricht Pogatetz über den Coup gegen die Bayern, die Zielsetzung Europa und seinen Umgang mit dem Ruf als "Mad Dog".

SPORT1: Herr Pogatetz, haben Sie in der Nacht vom Samstag auf Sonntag gut geschlafen?

Emanuel Pogatetz: Ja, ich hab sehr gut geschlafen. Wieso denn?

SPORT1: Sie und Ihre Teamkollegen haben den Bayern schlaflose Nächte und die bekannten Konsequenzen bereitet. Hat man da als Profi eine Art schlechtes Gewissen?

Pogatetz: Nein, gar nicht. Wir spielen in der Bundesliga und müssen zuerst auf uns selbst schauen. Wenn wir noch an die anderen denken würden, dann wäre es schwierig. Wir freuen uns darüber, dass wir drei Punkte holen konnten, alles andere ist unwichtig.

SPORT1: Besteht nach dem Sieg über Bayern die Gefahr, dass die Mannschaft denkt, sie hätte ihre Ziele schon erreicht?

Pogatetz: Nein, das befürchte ich nicht, wir werden genauso weitermachen wie bisher. Wir spielen über unseren Erwartungen, aber wir stehen zu Recht dort oben. Wir spielen ohne jeden Druck, daran ändert der Sieg gegen Bayern überhaupt nichts. Wir haben uns eine hervorragende Ausgangsposition für die restlichen Partien erarbeitet. Jetzt ist es natürlich unser Ziel, uns für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Wenn wir so weiterspielen wie bisher, bin ich auch zuversichtlich, dass wir das schaffen.

SPORT1: Was erwarten Sie von dem Spiel am Freitag gegen Köln?

Pogatetz: Es wird ein schwieriges Spiel. In Köln herrscht immer tolle Atmosphäre. Nicht umsonst hat die Mannschaft ihre letzten fünf Heimspiele gewonnen. Wenn wir dort was mitnehmen können, wären wir schon zufrieden.

SPORT1: Sie müssen sich als Abwehrspieler mit dem Offensiv-Duo Podolski/Novakovic auseinandersetzen. Haben Sie sich schon eine Strategie überlegt?

Pogatetz: Wir werden versuchen als Mannschaft gut zu stehen, und die Gefährlichkeit der Spitzen durch die Zusammenarbeit in der Viererkette einzudämmen. Wenn wir unsere Stärken einbringen, können wir auch in Köln ohne Gegentreffer bleiben.

SPORT1: Im Moment steht Hannover auf dem dritten Platz und wäre damit für die Champions League qualifiziert. Ist das auch ihre Zielsetzung oder ist die Mannschaft noch nicht reif dafür?

Pogatetz: Es ist unser erklärtes Ziel, im nächsten Jahr international zu spielen. Wenn wir die Europa League erreichen würden, wäre das für Hannover ein Riesenerfolg. Zu früh käme das meiner Meinung nach nicht. Wir haben ein tolles Stadion und der Verein steht auf gesunden Beinen. Die Teilnahme am internationalen Wettbewerb würde den Klub nach vorne bringen.

SPORT1: Glauben Sie dass sich Hannover auf lange Sicht international etablieren kann?

Pogatetz: Es kommt natürlich darauf an, wie die Mannschaft in der kommenden Saison aussieht. Wenn wir international spielen, werden wir den Kader wegen der Doppelbelastung mit Sicherheit vergrößern müssen. Ich glaube, daran wird hinter den Kulissen bereits gearbeitet, dass im Fall der Fälle noch ein paar Spieler geholt werden. Wenn die wichtigsten Spieler gehalten werden und noch Qualität hinzu kommt, ist es durchaus möglich, dass wir die Erfolge langfristig wiederholen.

SPORT1: Vertrauen Sie darauf, dass die Vereinsführung bei den Transfers wieder ein gutes Näschen zeigt?

Pogatetz: Ich hoffe darauf, dass der Herr Schmadtke noch länger bei uns bleibt. Bei dem, was man liest und hört, stehen die Zeichen ja ganz gut. Wenn es dann so kommt, kann man darauf vertrauen, dass auch in Zukunft gute Transfers getätigt werden.

SPORT1: Die Situation vor der Saison war ja ganz anders, als sie sich jetzt darstellt. Wie sind Sie denn überzeugt worden, sich Hannover anzuschließen?

Pogatetz: Nach fünf Jahren in England und dem letzten davon in der zweiten Liga, wollte ich mich verändern. Hannover hat mir die Chance gegeben, in der Bundesliga zu spielen und mich hier zu beweisen. Ich hatte natürlich nicht erwartet, dass die Saison so verläuft wie die letzte, aber dass wir soweit vorne stehen, habe ich natürlich auch nicht gedacht.

SPORT1: Haben Sie ihre Entscheidung nach dem frühen Pokal-Aus bezweifelt?

Pogatetz: Das Ausscheiden im Pokal war natürlich ein harter Schlag. Ich habe mir aber schon gedacht, dass wir genügend Qualität in der Mannschaft haben, um ein paar Spiele zu gewinnen und die Klasse zu halten. Sorgen, dass wir absteigen, habe ich mir eigentlich nie gemacht.

SPORT1: Es gibt Statistiken, die zeigen, dass die Mannschaft mit Ihnen deutlich weniger Gegentore kassiert. Haben Sie das Gefühl, dass es mit Ihnen besser läuft?

Pogatetz: So etwas ist immer schwierig zu sagen. Es ist auch immer die Frage, wie ein Tor letzten Endes zustande gekommen ist. Natürlich spricht die Statistik für mich - ich bin allerdings auch dafür da, Gegentreffer zu verhindern, dafür spiele ich.

SPORT1: Welchen Anteil hat Trainer Mirko Slomka am unverhofften Erfolg?

Pogatetz: Der Trainer hat immer einen sehr großen Anteil. Er hält uns fit und benennt die Spieler, die am Wochenende auf dem Platz stehen. Außerdem stellt er uns immer sehr gut auf die gegnerische Mannschaft ein. Ich glaube schon, dass wir ihm zu verdanken haben, dass wir so weit vorne stehen.

SPORT1: Mit dem Torwarttausch hat Slomka bewiesen, dass er vor harten Entscheidungen nicht zurückschreckt. Ist das eine Qualität von ihm?

Pogatetz: Natürlich trifft der Trainer die Entscheidungen, er muss dann ja auch die Konsequenzen tragen. Im Fall von Ron (Ron-Robert Zieler, d. Red.) hat er sicherlich letztlich die richtige Entscheidung getroffen. Er hat ja bereits auf Schalke bewiesen, dass er ein gutes Näschen bei Torhütern hat. Die Spieler müssen das mittragen.

SPORT1: In der Bundesliga werden jetzt auch bei einigen prominenten Klubs Trainerposten frei. Haben sie Angst, dass es sich Ihr Trainer vielleicht doch noch mal überlegt?

Pogatetz: Nein, eigentlich gar nicht. Der Trainer macht den Eindruck, als wäre er mit den Gedanken zu 100 Prozent bei Hannover. Ich glaube, dass er noch lange in Hannover bleiben wird und den Weg, den er begonnen hat, fortführen will. Deshalb hat ja auch verlängert.

SPORT1: Sie haben sich bereits ein gewisses Image erworben. Spitznamen wie "Mad Dog" und "Abwehr-Rambo" werden Sie wohl bis ans Ende Ihrer Karriere verfolgen. Können Sie damit leben?

Pogatetz: Es ist immer besser einen Spitznamen zu haben als keinen. Ich verschwende daran aber nicht so viele Gedanken und versuche Woche für Woche meine Leistung zu bringen.

SPORT1: Hilft es vielleicht sogar im Bundesliga-Alltag? Wenn die Gegenspieler denken: Oh, über den habe ich schon schlimme Dinge gelesen.

Pogatetz: Ich glaube, es ist wichtig gut zu spielen, dann kommt der Respekt von alleine. Ich weiß gar nicht, ob meine Gegenspieler Zeitung lesen und das überhaupt mitkriegen. Ich spiele halt so, wie ich spiele.

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